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Alles macht auf Antifa

Alles macht auf Antifa. Dieser Eindruck läßt sich zumindest in Berlin in den letzten Wochen und Monaten beim Blick darauf gewinnen, wer der bei Neonazis äußerst beliebten Modemarke »Thor Steinar« aus Königs Wusterhausen den Kampf angesagt hat. Hertha BSC verbietet seinen Fans, das Label im Stadion zu tragen. Die Bezirksämter von Lichtenberg und Mitte treten gemeinsam mit engagierten Kiezgruppen Läden mit »Thor Steinar«-Sortiment entgegen, wie dem wenige hundert Meter von der jW-Redaktion entfernten Shop »Thønsberg« in der Rosa-Luxemburg-Straße oder dem Bekleidungsgeschäft »Doorbreaker« im Ring-Center am Bahnhof Frankfurter Allee. Und der Berliner Polizeipräsident Dieter Glietsch geht persönlich gegen »Thor-Steinar«-Träger in den eigenen Reihen vor, nachdem ein Zivilbeamter bei der Gedenkdemonstration von Antifaschisten für die Opfer des antisemitischen Novemberpogroms im Jahr 1938 vor zwei Wochen mit einer Weste der inkriminierten Marke zum Einsatz erschien.

Ist die autonome Antifa bei soviel »zivilgesellschaftlichem« Aufruhr gegen das Böse also arbeitslos? Auch in anderen Städten wie Magdeburg, Bremen, Leipzig, Hamburg und Dresden gibt es schließlich eine Anti-»Thor-Steinar«-Front, wie ein Blick auf den Weblog stopthorsteinar.blogsport.de zeigt. Kann junge Welt die wöchentliche antifa-Seite einstellen und z.B. mehr Sport bringen? Keine Sorge, die Tageszeitung junge Welt hat das Thema Antifaschismus weiterhin auf ihrer Agenda und berichtet eben auch darüber, wo sich die anderen nicht die Finger verbrennen wollen: über brutale Polizeiübergriffe gegen Neonazigegner bei Demonstrationen und Repressionsverfahren gegen Antifas sowie andere Linke beispielsweise.
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Sofern es unsere knappen Ressourcen ermöglichen, ist unser Team vom jW-Aktionsbüro bei antifaschistischen Events auch selbst mit Zeitungen vor Ort. Oder als Medienpartnerin wie beim alljährlichen Antifajugendtreffen der VVN-BdA im Januar oder der Antifademo am vergangenen Wochenende durch Berlin, bei der tausend Menschen unter dem Motto »Kein Kiez für Nazis« durch Pankow zogen. Dieses Wochenende steht die traditionelle Gedenkdemonstration für den am 21.November 1992 von Neonazis erstochenen Antifaschisten Silvio Meier in Berlin an. Der Startpunkt ist am Samstag, 15 Uhr, der U-Bahnhof Samariterstraße. jW ist dabei. Und schon in zwei Wochen sind wir wieder mittenmang, wenn Neonazis im Stadtteil Lichtenberg für ein »nationales Jugendzentrum« aufmarschieren wollen und engagierte Antifaschistinnen und Antifaschisten angekündigt haben, dies »sabotieren, blockieren und verhindern« zu wollen. Zu recht, wie wir finden.
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Erschienen in der Ausgabe vom 22.11.2008, Seite 16, Aktion

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