Gegründet 1947 Montag, 16. Dezember 2019, Nr. 292
Die junge Welt wird von 2220 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 14.11.2008, Seite 3 / Schwerpunkt

Aufruf: Nein zum Krieg – Nein zur NATO

Der nachfolgend dokumentierte Aufruf wurde am 5. Oktober 2008 auf einer internationalen Konferenz der Friedensbewegung in Stuttgart beschlossen:

Aus Anlaß des 60. Geburtstages des NATO-Militärbündnisses rufen wir alle Menschen auf, im April 2009 nach Strasbourg und Kehl zu kommen, um gegen die aggressive Militär- und Nuklearpolitik der NATO zu demonstrieren und unsere Vision einer gerechten Welt ohne Krieg zu beteuern.

Die NATO ist ein wachsendes Hindernis für den Frieden in der Welt. Seit dem Ende des Kalten Kriegs hat sich die NATO als Mittel für militärische Aktionen der »internationalen Gemeinschaft« neu erfunden, einschließlich der Forcierung des sogenannten »Kriegs gegen den Terror«. In Wirklichkeit ist sie ein Vehikel für den Einsatz von Gewalt unter Führung der USA mit ihren Militärstützpunkten auf allen Kontinenten; handelt an den Vereinten Nationen und am Völkerrechtssystem vorbei; sie beschleunigt die Militarisierung und sie erhöht die Rüstungsausgaben. Die NATO-Staaten sind für 75 Prozent der globalen Militärausgaben verantwortlich. Seit 1991 betreibt die NATO diese expansionistische Politik mit dem Ziel, ihre strategischen und Ressourceninteressen zu vertreten. Die NATO hat auf dem Balkan unter dem Deckmantel der sog. »humanitären Intervention« Krieg geführt, und sie führt seit sieben Jahren einen brutalen Krieg in Afghanistan, wo die tragische Situation eskaliert und der Krieg sich nach Pakistan ausgebreitet hat.

In Europa verschärft die NATO Spannungen und befeuert den Rüstungswettlauf mit der sogenannten Raketenabwehr, einem massiven Atomwaffenarsenal und einer atomaren Erstschlagstrategie. Die Politik der EU wird immer enger an die ­NATO angebunden. Die andauernde und potentielle Erweiterung der ­NATO nach Osteuropa und darüber hinaus und ihre »out-of-area«-Einsätze machen die Welt unsicherer. Der Konflikt im Kaukasus ist ein klarer Hinweis auf die Gefahren. Mit jeder Erweiterung der NATO-Grenzen wächst die Möglichkeit eines Krieges – einschließlich des Einsatzes von Atomwaffen.

Um unsere Vision einer friedlichen Welt zu erreichen, lehnen wir militärische Antworten auf globale und regionale Krisen ab – sie sind Teil des Problems und nicht der Lösung. Wir weigern uns, unter dem Terror von Atomwaffen zu leben, und widersetzen uns einem neuen Rüstungswettlauf. Wir müssen die Militärausgaben reduzieren und die dadurch frei werdenden Ressourcen zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse einsetzen. Alle ausländischen Militärstützpunkte sind zu schließen. Wir lehnen alle militärischen Strukturen ab, die für Militärinterventionen genutzt werden. Wir müssen die Beziehungen zwischen den Völkern demokratisieren und demilitarisieren und neue Formen der friedlichen Zusammenarbeit einrichten, um eine sicherere und gerechtere Welt zu schaffen.

Wir bitten Sie/euch, diesen Aufruf in Ihren/euren Gemeinden und Bewegungen zu verbreiten und nach Strasbourg und Kehl zu kommen, um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Wir glauben daran, daß eine friedliche Welt möglich ist.

Die aktuelle Liste der Unterzeichner wird ab 2. Dezember 2008 auf der Webseite www.no-to-nato.org veröffentlicht

Ähnliche:

  • Vertrag zur Verschrottung von rund 2700 Mittelstreckenraketen un...
    01.12.2007

    Abrüstung in Europa

    Vor zwanzig Jahren vereinbarten die Sowjetunion und die USA die Vernichtung ihrer Mittelstreckenraketen
  • »Demonstration militärischer Fähigkeiten«: Die Bundeswehr präsen...
    10.05.2007

    Rüstung für den Angriff

    Vorabdruck. »Schwarzbuch zur Sicherheits- und Militärpolitik Deutschlands«. Teure Projekte für globale Machtprojektion
  • Im Visier des Westens: Iranischer Atomreaktor Buschehr
    08.02.2006

    Transatlantischer Angriffspakt

    Analyse: Im Atomstreit mit dem Iran setzen die US-Neokonservativen auf Eskalation. Offenbar will auch die Bundesregierung beim nächsten »Präventivschlag« nicht abseits stehen

Mehr aus: Schwerpunkt