Zum Inhalt der Seite

Dokumentiert. Klausur im Kloster

Nach dem CDU-Landesparteitag am vergangenen Wochenende schrieb Fritz Schmalzbauer, Spitzenkandidat von Die Linke in Oberbayern an den bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein:
Sehr geehrter Herr Beckstein, Sie meinen, »anständige Bayern schüttelt es bei dem Gedanken an eine Koalition«, die der CSU eine Denkpause der Macht verordnen könnte. Als Spitzenkandidat der Partei Die Linke (OBB), gelernter Buchdrucker, langjähriger Gewerkschafter und geborener Oberbayer darf ich Ihnen versichern, daß es mich keinesfalls schüttelt, wenn die CSU an Macht verliert. Im übrigen »schüttelt« es einen Bayern nicht, sondern es graust ihm: Mir graust es bei dem Gedanken an weitere fünf Jahre arroganter Machtausübung, die Sie zuletzt trotz aller Bedenken in Ihrem Ermächtigungsgesetz gegen Versammlungen unter Beweis gestellt haben. Dabei ist das Drama woanders angesiedelt: Seit Jahren sind Sie und Ihre CSU die Haupttreiber bei der Spaltung unserer Gesellschaft. Sie leben nachgerade davon, sozial Schwächere gegen Reiche, Einwanderer gegen Einheimische, »anständige« gegen »die anderen« Bayern auszuspielen. Und das ausgerechnet unter dem Siegel christlich und sozial. (...) Sie sind unfähig, die soziale Frage neu zu bestimmen, weil Sie bis über die Ohren in den herrschenden Verhältnissen, also den Verhältnissen, die einseitig den Herrschenden und Wohlhabenden nützen, verstrickt sind. (...)

Werter Herr Beckstein, (...) das bayrische Volk wird Ihnen möglicherweise am 28. September eine fünfjährige Klausur verordnen. Ich empfehle Ihnen eines der bayrischen Klöster, in denen noch grundsätzlich über die christliche Soziallehre nachgedacht wird.
junge Welt

Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.

Bezahlmethoden:

Mit Absenden erklärst du dich mit der DSGVO-konformen Datenverarbeitung einverstanden

Erschienen in der Ausgabe vom 26.07.2008, Seite 3, Schwerpunkt

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!