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Verarztet werden

Rainald Goetz stellt unter Berücksichtigung des aktuell Populären eine Literatur her, die diesen Namen verdient. Seit 2000 hat er kein Buch fertiggekriegt, aber seit Februar 2007 das Blog »Klage« geführt. Das schließt er jetzt. Am Samstag wird es in Berlin-Kreuzberg feierlich verabschiedet. Begonnen hatte es Dr. phil. und Dr. med. Goetz im vorvergangenen Winter völlig unsouverän mit einem Eintrag über eine besiegte Handyfirma. Er war stolz und glücklich, aus einem Vertrag rausgekommen zu sein. In der Jubiläumsausgabe der Tempo hatte er kurz zuvor mit Bezug auf diesen Handyvertrag davon geträumt, nie wieder irgendwelche Verbraucherrechte wahrzunehmen. »Klage« enthält inzwischen etliche tolle Einträge zu Politik und Gesellschaft. In manchen taucht Goethe auf. »Goethe dachte nach über Springer«, hieß vor einigen Tagen z.B. (»daß der Bild-Dreck so erfolgreich ist, daß er Potsdam finanziert, das ist der Irrsinn Springer. Unter jeder Gemeinheit, die Bild druckt, steht ja ganz groß der Name: Dr. M.O.C. Döpfner, Potsdam, und jeder Sexschund in Bild ist letztlich gewollt von Frau Friede Springer, Potsdam. Wenn sie eine weniger grunzende und schmatzende Zeitung wollen würden, müßten sie ja nur ihren Lakai Diekmann, ebenfalls Potsdam, informieren und anordnen: Mach mal eine bessere Zeitung. Das tun sie aber nicht. Sie wollen Bild genau so, wie es ist.«). Klage feiert Abschied ab 22 Uhr in einer Galerie in der Oranienstraße 189, 23 Uhr gibt es instruktiven Text, der auf »let’s dance« hinausläuft, »und es sind alle herzlich eingeladen«. (jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 21.06.2008, Seite 12, Feuilleton

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