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Aus: Ausgabe vom 13.06.2008, Seite 16 / Sport

Schnitzelfondue (5)

Nach dem Vorrundenaus der Eidgenossen (in der EM-Geschichte war bisher nur ein Gastgeber so schnell, Belgien 2000) werden sicherlich auch die Löcher im Schweizer »Public Viewing«-Käse größer. In Österreich gibt es wegen leerer Fanmeilen eine mittlere Regierungskrise. »Es sind immer noch Fanzonen und keine Unterhaltungsbereiche, in denen man von 0 bis 24 Uhr Purzelbäume schlagen können muß«, schimpfte Heinz Palme, EM-Koordinator der dortigen Bundesregierung, am Donnerstag. »In keiner einzigen deutschen Fanzone gab es bei der WM 2006 ab zehn Uhr Rambazamba.« Die Verkäufer sehen das anders, jammern seit Tagen über Verluste, dünne Rahmenprogramme, hohe Standmieten. Es soll jetzt überall mehr geben, bei gesenkten Bierpreisen. Palme: »Das ist ein unternehmerisches Risiko, das man eben eingeht.« Und was ist mit Klagenfurt, wo die Meile selbst nach Regierungseinschätzung ein Flop ist? Wo die Stadt gerade einem Budenbetreiber half, Grillhähnchen an Altenheime zu verteilen? »Der Mann hatte vorgesorgt und Tausende Hendl eingekauft«, erklärte Bürgermeister Harald Scheucher am Donnerstag. »Sein Zelt war aber de facto leer.« Scheucher will den »Standlern« die Hälfte der Mietkosten von bis zu 40000 Euro erlassen. »Wir haben gemeinsam an die EURO geglaubt«, sagte er, benutzte die Vergangenheitsform – was war passiert in Klagenfurt, das vom Glauben abfiel? Die Deutschen waren gekommen. (jW)

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