Aus: Ausgabe vom 04.06.2008, Seite 3 / Schwerpunkt

Hintergrund: Bilderberg-Meetings

Nach dem Zweiten Weltkrieg agierten drei Männer mit einem eigenwilligen Plan im Hintergrund der politischen Bühne Europas. Diese Männer waren Joseph Retinger (ein Exil-Pole, der als graue Eminenz bezeichnet werden kann), Paul Rijkens (Präsident des Unilever-Konzerns) und Prinz Bernhard von den Niederlanden. Ihre Idee war es, einen Zirkel zu gründen, in dem handverlesene Persönlichkeiten der westlichen Welt sich treffen sollten, um über gesellschaftspolitische Probleme zu reden. Der erlauchte Kreis sollte jedoch nur im Geheimen zusammenkommen, da Wert auf möglichst offene Gespräche gelegt wurde.

In der Zeit vom 29. bis 31. Mai 1954 trafen sich unter anderem der französische Premierminister Antoine Pinay (gründete später selbst einen Elitezirkel: den Pinay-Kreis), der deutsche Industrielle Otto Wolf von Amerongen und der Bankier David Rockefeller im holländischen »Hotel de Bilderberg«.

Mittlerweile kann der Elitezirkel, dem heute etwa 120 Personen angehören, auf über 50 Jahre gemeinsames Networking zurückblicken. Die Gruppe besteht aus einem Lenkungsausschuß, an dessen oberster Stelle der »Honorary Secretary General« steht, gefolgt von dem »Honorary Chairman« sowie dem »Executive Secretary«. Zu dem Lenkungsausschuß gehören rund 30 weitere Personen. Außerdem gliedert sich an den Ausschuß eine »Members Advisory Group« an.


Das Bilderberg-Büro befindet sich im holländischen Leiden. Adresse und Telefonnummer sind in keinem offiziellen Verzeichnis zu finden. Einige wenige Journalisten haben die entsprechenden Daten ausfindig gemacht und ins Internet gestellt.

Die diesjährige Konferenz findet in Chantilly im US-Bundesstaat Virginia, 24 Meilen von Washington D.C. statt. Genauer: Im Westfields Mariott Hotel, 14750 Conference Center Drive. Telefon: 001/703/818/0300.

Aus Deutschland nahmen an vergangenen Treffen unter anderem Otto Schily (SPD), Guido Westerwelle (FDP) sowie Angela Merkel und Friedbert Pflüger (beide CDU) teil. Letzterer prahlt damit sogar im Internet (Foto). (mk)
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