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Aus der Hitlerei

Für den immerwiederkehrenden Beweis der weitverbreiteten Annahme, wir würden in einem freien Land leben, werden regelmäßig im Überbau der BRD sogenannte Debatten veranstaltet, die dann die Feuilletons und Talkshows verstopfen. Die neueste Sau, die diesbezüglich durch die Dörfer gehetzt wird, ist die Frage, ob das verbotene Buch von Aldolf Hitler »Mein Kampf« in einer, selbstredend historisch-kritisch kommentierten, Neuausgabe erhältlich sein soll.

Der Historiker Hans-Ulrich Wehler ist jedenfalls dafür: »Es gibt längst den mündigen Leser. Für die derzeitige Studentengeneration liegt das sogenannte Dritte Reich so weit zurück wie die jüngere Steinzeit«, sagte Wehler am Mittwoch im Deutschlandradio Kultur. Der emeritierte Professor der Universität Bielefeld wies Vorbehalte zurück, eine neue Ausgabe von »Mein Kampf« könne zu einer »Bibel« von Rechtsradikalen werden. Wenn man auf einer wissenschaftlichen Ausgabe bestehe, sei dies vielmehr »auch ein Gegengift gegen die nicht-kommentierten Ausgaben aus den 30er Jahren«. Wehler rechnet im Fall einer neuen Ausgabe des Buches, die mit dem Ende der Urheberrechte 2015 veröffentlicht werden könne, mit einer Bearbeitungszeit von etwa fünf Monaten. Ein fünf- bis sechsköpfiges Wissenschaftlerteam könne dies »problemlos« leisten.
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Der Historiker Hans-Georg Golz von der Bundeszentrale für politische Bildung hatte eine historisch-kritische Ausgabe von »Mein Kampf« am Dienstag (ebenfalls in Deutschlandradio Kultur) abgelehnt. Er könne nicht erkennen, worin der tiefere Sinn einer solchen Ausgabe bestehe, sagte er. »Will man nachweisen, daß Adolf Hitler nicht Herr seiner Sinne war, als er das geschrieben hat? Will man die Geschichte des Antisemitismus in den Fußnoten belegen oder debattieren?« fragte Golz. (ddp/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 08.05.2008, Seite 12, Feuilleton

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