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28.04.2008
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Daten und Fakten: Erblast DDR?
Fragt man nach den Ursachen für die ungleichen Lebensverhältnisse in Ost und West, ist meist vom »schmerzhaften Transformationsprozeß«, der »Erblast DDR« und Sachzwängen die Rede. Was ist dran an diesen Behauptungen?
Behauptung 1: Die DDR war bankrott
Tatsächlich befand sich die DDR in einer wirtschaftlichen Krise. Doch die These vom Staatsbankrott ist ein Mythos. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes betrug das Bruttoinlandsprodukt der DDR 1989 zirka 353 Milliarden Mark. Noch 1990 taxierte die Treuhandanstalt das gesamte DDR-Vermögen auf 600 Milliarden D-Mark. Die Arbeitsproduktivität lag bei etwa 46 Prozent des westdeutschen Niveaus und befand sich damit auf gleicher Stufe mit anderen kapitalistischen Ländern wie Griechenland oder Portugal. Laut Bundesbank hatte die DDR im Herbst 1989 zehn bis 12 Milliarden US-Dollar Verbindlichkeiten gegenüber westlichen Ländern. Doch davon auf mangelnde Liquidität zu schließen, wäre vorschnell. Bis zuletzt bediente die DDR ihre Auslandsschulden und bezahlte Löhne, Renten und Sozialleistungen.
Behauptung 2: Die Planwirtschaft war schuld am Niedergang
Zweifellos hatte die Planwirtschaft systembedingte Defizite. Vergessen wird jedoch oft, daß beide Teile Deutschlands nach 1945 völlig ungleiche Ausgangsbedingungen hatten. Während die BRD dank des Marshall-Plans ihr Wirtschaftswunder erlebte, wurde über ein Viertel der ostdeutschen Industrie von der Sowjetunion, die die größten Schäden durch die faschistische Besatzung erlitten hatte, demontiert. Nach Angaben des Züricher Historikers Jörg Fisch betrugen die von der DDR geleisteten Entschädigungen zwischen 53 und 55 Milliarden D-Mark. »Die Westdeutschen sind durch die Reparationspolitik der Westalliierten begünstigt, die Ostdeutschen so benachteiligt worden, daß man zweifeln möchte, ob beide denselben Krieg verloren haben«, so der Historiker Ulrich Herbert.
Behauptung 3: Die Privatisierungspolitik der Treuhandanstalt war alternativlos
Der Präsident des ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, nicht gerade als Kapitalismuskritiker bekannt, bezeichnete es als größten Fehler der »Wiedervereinigung«, daß »die Treuhandanstalt das bestehende Vermögen der DDR für ’nen Appel und ein Ei an Wessis verkauft hat«. Selbst die Unternehmungsberatung McKinsey warnte bereits 1991, die Fokussierung auf die Kräfte des Marktes berge die Gefahr einer Deindustrialisierung.
(fb)
Behauptung 1: Die DDR war bankrott
Tatsächlich befand sich die DDR in einer wirtschaftlichen Krise. Doch die These vom Staatsbankrott ist ein Mythos. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes betrug das Bruttoinlandsprodukt der DDR 1989 zirka 353 Milliarden Mark. Noch 1990 taxierte die Treuhandanstalt das gesamte DDR-Vermögen auf 600 Milliarden D-Mark. Die Arbeitsproduktivität lag bei etwa 46 Prozent des westdeutschen Niveaus und befand sich damit auf gleicher Stufe mit anderen kapitalistischen Ländern wie Griechenland oder Portugal. Laut Bundesbank hatte die DDR im Herbst 1989 zehn bis 12 Milliarden US-Dollar Verbindlichkeiten gegenüber westlichen Ländern. Doch davon auf mangelnde Liquidität zu schließen, wäre vorschnell. Bis zuletzt bediente die DDR ihre Auslandsschulden und bezahlte Löhne, Renten und Sozialleistungen.
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Behauptung 2: Die Planwirtschaft war schuld am Niedergang
Zweifellos hatte die Planwirtschaft systembedingte Defizite. Vergessen wird jedoch oft, daß beide Teile Deutschlands nach 1945 völlig ungleiche Ausgangsbedingungen hatten. Während die BRD dank des Marshall-Plans ihr Wirtschaftswunder erlebte, wurde über ein Viertel der ostdeutschen Industrie von der Sowjetunion, die die größten Schäden durch die faschistische Besatzung erlitten hatte, demontiert. Nach Angaben des Züricher Historikers Jörg Fisch betrugen die von der DDR geleisteten Entschädigungen zwischen 53 und 55 Milliarden D-Mark. »Die Westdeutschen sind durch die Reparationspolitik der Westalliierten begünstigt, die Ostdeutschen so benachteiligt worden, daß man zweifeln möchte, ob beide denselben Krieg verloren haben«, so der Historiker Ulrich Herbert.
Behauptung 3: Die Privatisierungspolitik der Treuhandanstalt war alternativlos
Der Präsident des ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, nicht gerade als Kapitalismuskritiker bekannt, bezeichnete es als größten Fehler der »Wiedervereinigung«, daß »die Treuhandanstalt das bestehende Vermögen der DDR für ’nen Appel und ein Ei an Wessis verkauft hat«. Selbst die Unternehmungsberatung McKinsey warnte bereits 1991, die Fokussierung auf die Kräfte des Marktes berge die Gefahr einer Deindustrialisierung.
(fb)
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