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Satanische Verse

Ohne Zwischenfälle ging am Sonntag die Premiere des Stücks »Die satanischen Verse« über die Bühne des Potsdamer Hans-Otto-Theaters. Die Handlung der Romanvorlage von Salman Rushdie dürfte trotz aller Skandale einigermaßen unbekannt sein. Am Anfang ist ein Anschlag: Zwei Inder sterben auf einem Flug nach London, werden dann wiedergeboren als Engel und Teufel, wobei die Unterschiede bald verschwimmen. Der Teufel landet, vielleicht weil er das britische Königreich zum Ideal erhoben hat, irgendwann an einem Strand in England, wird von Polizisten als »Scheiß-Pakistani« beschimpft und mißhandelt.

In Potsdam wurde auch die Traumsequenz nicht ausgespart, die bei Erscheinen des Buches vor 20 Jahren für Proteste gesorgt hatte. In ihr geht der Engel im Streben nach Macht Kompromisse mit der Weltlichkeit ein und verkündet, wie er selbst sagt, »satanische Verse«, bevor er den Satiriker Baal (zu dem sein Gegenspieler im Traum wird), hinrichten läßt. Islamische Geistliche hatten damals eine Fatwa gegen Rush­die verhängt, der am Sonntag trotz Einladung nicht zur Premiere kam.


Die Inszenierung endet mit einer Art Metakommentar aus dem Buch: »Wenn das Alte sich weigert zu sterben, kann das Neue nicht geboren werden.« (AP/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 01.04.2008, Seite 13, Feuilleton

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