Der Schwarze Kanal
Gegründet 1947 Dienstag, 17. September 2019, Nr. 216
Die junge Welt wird von 2208 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 16.02.2008, Seite 16 / Aktion

Danke für 2888 Hammerabos

So ganz nebenbei beenden wir die längste Kampagne der jW-Geschichte. Aber nur vorläufig
Und noch eine Hammer-Grafik
Und noch eine Hammer-Grafik
Nur einer hat es gemerkt: Am vergangenen Dienstag, dem 12. Februar, bekamen wir eine Mail aus Österreich: »Servus, Genossen! Alles Gute meiner Lieblingszeitung zum 61.! Gruß aus Wien, no pasaran, Armin«. Ups, da haben wir ja glatt unseren 61. Geburtstag vergessen, obwohl wir doch den zum Anlaß nehmen wollten, unsere Kampagne »Den Hammer schmieden« erst mal abzuschließen. Ein ganzes Jahr haben wir unseren 60. zum Anlaß genommen, möglichst viele Genossenschaftsanteile und Abos einzuwerben. Es gibt aber gute Gründe, auch weiterhin intensiv um Leser und Genossenschaftsmitglieder zu kämpfen.

712 Abonnements fehlen uns zum Ziel. Aber 2888 (statt der erhofften 3600) Internet- und Printabonnements sind ja nicht gar so schlecht. Noch haben wir das Ergebnis nicht detailliert ausgewertet, aber allgemein kann man schon mal folgendes mitteilen: Zum einen haben Umsteiger auf eine höhere Preisklasse und die überwiegende Wahl von Normal- und Soli­abos dazu geführt, daß wir einen verbesserten Durchschnittserlös pro Bezieher der Druckausgabe erreichen konnten. Zum anderen gehören wir mittlerweile zu den Marktführern in Sachen bezahlte Internetabonnements bei den überregionalen Tageszeitungen: Nach unseren Analysen hat nur die Frankfurter Allgemeine Zeitung knapp mehr als die junge Welt. Alle anderen liegen deutlich darunter. Da wir in dem Bereich einiges vorhaben, gehen wir davon aus, daß wir die FAZ in 12 bis 18 Monaten überholt haben werden. Nicht ganz so glänzend sind die Zahlen im Printabobereich. Im Rahmen der Kampagne konnten wir hier den Bestand unterm Strich um rund 200 Abonnements erhöhen. Nicht schlecht, zumal wir ja jahrelang Schwund und dann Stagnation in Kauf nehmen mußten. Tatsächlich haben wir sogar deutlich mehr mit unserer Kampagne eingeworben: Im Rahmen der Umstellung unserer Aboverwaltung mußten wir nämlich eine Reihe von »Karteileichen« aussortieren. Daß wir trotz dieser notwendigen Korrekturen am Ende einen erhöhten Bestand haben, ist nur der Hammerkampagne zu verdanken. Besonders erfreulich entwickelt sich der Kioskverkauf: 2007 konnten wir im Vergleich zu 2006 mehr als elf Prozent mehr Zeitungen absetzen. Fast alle anderen überregionalen Tageszeitungen mußten Verluste hinnehmen. Insgesamt setzen wir mittlerweile jeden Tag über 17000 jW-Exemplare ab.

Zusammengefaßt können wir also feststellen, daß sich die verkaufte Auflage weiter erhöht, was zu einer stabilen Einnahmesituation führt und damit unseren Verlag handlungsfähiger macht. Der Durchbruch ist damit allerdings noch immer nicht geschafft. Beispielsweise können wir es uns auf Dauer nicht leisten, die Mitarbeitenden von Verlag und Redaktion so schlecht zu bezahlen. Aber auch um unser redaktionelles Profil und das Marketing zu verbessern, brauchen wir mehr Mittel. Noch immer arbeiten bei uns in Verlag und Redaktion zusammengenommen weniger Kolleginnen und Kollegen als beispielsweise in der Sportredaktion der Frankfurter Rundschau. Wir werden deshalb weiter um jedes Abonnement kämpfen, auch Preiserhöhungen können wir nicht ausschließen. Zunächst einmal freuen wir uns aber darüber, daß uns auch unter schwierigen Bedingungen in allen relevanten Bereichen positive Entwicklungen gelingen. Das ist in der Tageszeitungsbranche überhaupt nicht üblich und hat vor allem damit zu tun, daß die junge Welt offensichtlich gebraucht wird. Trotzdem sind es noch viel zu viele, die nichts von der Existenz dieser Zeitung wissen. Deshalb werden wir die Hammerkampagne immer wieder einmal aufleben lassen. Denn die Aufgaben bleiben, die Rosa Luxemburg kurz vor ihrer Ermordung im Januar 1919 in der Roten Fahne beschrieben hat: »Jetzt gilt es mit aller Kraft ans Werk zu gehen. Wie Liebknecht am Schluß seiner Ausführungen sagte: Die grausamen politischen und sozialen Enttäuschungen, der Zusammensturz der kapitalistischen Wirtschaft, das sind die beredtesten Propagandisten der sozialen Revolution. Unsere Aufgabe ist, diese Propaganda der objektiven Verhältnisse mit Klarheit, Energie und Begeisterung zu unterstützen und zu leiten. Das deutsche Proletariat zu dem gewaltigen Hammer zu schmieden, der die Klassenherrschaft zerschmettern wird, das ist die geschichtliche Mission der Kommunistischen Partei Deutschlands«. Letztere können und wollen wir nicht ersetzen, aber mit einer unabhängigen, auflagenstarken marxistischen Tageszeitung unseren Beitrag leisten.

Verlag, Redaktion, Genossenschaft