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Leserbrief zum Artikel Philosophie: Idealer Kapitalismus vom 20.02.2021:

Zum Leserbrief »Gerechtigkeit als Fairness«

Falsche Gedanken von anderen abzuschreiben macht sie nicht richtiger. Marx hat nachgewiesen, dass es so etwas wie einen gerechten Lohn nicht geben kann, weil der Lohn bereits die Ausbeutung voraussetzt. Heutige Linke wissen das natürlich nicht, wie ihr Gerede von Chancengleichheit beweist. Rawls Kreativität kann ich nicht erkennen, er erzählt in etwa das gleiche, was schon immer zu den Ideologien der bürgerlichen Gesellschaft gehörte. Vertrag, Fairness und so weiter. Genau in die Kerbe haut die Politologie noch heute. Weder ist der Kapitalismus ein fairer Wettkampf, noch würde es ihn irgendwie besser machen. Ein Wettkampf bedeutet doch nur, dass sich alle anstrengen müssen und wenige gewinnen. Und je mehr sich die Konkurrenz in Zeug legt, desto mehr muss man seine eigenen Bemühungen steigern. Genauso ist der globale Arbeitsmarkt. Ein Studium reicht schon längst nicht mehr, lebenslanges Lernen ist die Devise, damit man mit den Niedriglöhnern des EU-Binnenmarktes konkurrieren kann. Ganz gerecht vergleicht der Kapitalist dann die Bewerber, bei wem die Kosten-Leistung-Rechnung am besten ausfällt.
Johannes Wolpers

Kommentar jW:

Darauf antwortete Istvan Hidy:

Ergänzend zum Artikel »Idealer Kapitalismus« wollte ich nur erwähnen, dass die Gerechtigkeitsfrage eine Leitidee der politischen Philosophie nach wie vor ist. John Rawls entwickelte ein theoretisch begründetes Modell von Gerechtigkeit als Fairness! Er entwarf eine Programmschrift für eine ideale »wohlgeordnete Gesellschaft« freier und gleicher Bürger (die es nicht gibt). Nicht mehr und nicht weniger (...). Übrigens bin ich, was die politische Ökonomie betrifft, ein Marxist (nicht jedoch, was seine Gesellschaftsordnung anbelangt, ich bin sach- und fachorientiert, pflege auch keinen idealen Personenkult.)

Veröffentlicht in der jungen Welt am 25.02.2021.
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