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Leserbrief zum Artikel Philosophie: Idealer Kapitalismus vom 20.02.2021:

Gerechtigkeit als Fairness

Wie der Rechtsphilosoph Raul Heimann schreibt: »Gerechtigkeit ist nicht nur ein Wert unter anderen Werten wie Freiheit, Wohlstand, Frieden, sondern sie ist selbst der Maßstab, an dem diese Werte gemessen werden. Keine Gesellschaft und keine Regierung sind lange überlebensfähig, wenn sie nicht Gerechtigkeit anstreben. Auch beim einzelnen Menschen scheint sich schon früh in der Entwicklung ein Gerechtigkeitsgefühl einzustellen. Das Streben nach Gerechtigkeit kann als eine universelle, anthropologische Konstante betrachtet werden. Der politische Alltag ist beherrscht vom Streit über Gerechtigkeitsfragen. Diese alltäglichen Konflikte zeigen, dass das von allen Menschen geteilte Gerechtigkeitsgefühl allein nicht reicht, um das Ziel der Gerechtigkeit zu erreichen. Vielmehr entspringt aus den Widersprüchen ein Bedürfnis nach Orientierung in Gerechtigkeitsfragen. Angesichts der grundlegenden Bedeutung der Gerechtigkeit erstaunt es nicht, dass auch innerhalb der Philosophie die Gerechtigkeit seit Platon und Aristoteles eine zentrale Stellung einnimmt, sowohl in der Theorie von Recht und Staat als auch in der Theorie von Personen, ihren Entscheidungen, Handlungen und Einstellungen. Gerechtigkeit ist eine Leitidee der politischen Philosophie.« – John Rawls entwickelte ein vertragstheoretisch begründetes Modell von Gerechtigkeit als Fairness. Hierbei knüpfte er an die praktische Philosophie von Aristoteles, Rousseau und Kant an. Rawls entwarf eine Programmschrift für eine ideale »wohlgeordnete Gesellschaft« freier und gleicher Bürger.
Istvan Hidy

Kommentar jW:

Zu diesem Leserbrief schrieb Johannes Wolpers:

Falsche Gedanken von anderen abzuschreiben macht sie nicht richtiger. Marx hat nachgewiesen, dass es so etwas wie einen gerechten Lohn nicht geben kann, weil der Lohn bereits die Ausbeutung voraussetzt. Heutige Linke wissen das natürlich nicht, wie ihr Gerede von Chancengleichheit beweist. Rawls Kreativität kann ich nicht erkennen, er erzählt in etwa das gleiche, was schon immer zu den Ideologien der bürgerlichen Gesellschaft gehörte. Vertrag, Fairness und so weiter. Genau in die Kerbe haut die Politologie noch heute. Weder ist der Kapitalismus ein fairer Wettkampf, noch würde es ihn irgendwie besser machen. Ein Wettkampf bedeutet doch nur, dass sich alle anstrengen müssen und wenige gewinnen. Und je mehr sich die Konkurrenz in Zeug legt, desto mehr muss man seine eigenen Bemühungen steigern. Genauso ist der globale Arbeitsmarkt. Ein Studium reicht schon längst nicht mehr, lebenslanges Lernen ist die Devise, damit man mit den Niedriglöhnern des EU-Binnenmarktes konkurrieren kann. Ganz gerecht vergleicht der Kapitalist dann die Bewerber, bei wem die Kosten-Leistung-Rechnung am besten ausfällt.
Johannes Wolpers

Darauf antwortete Istvan Hidy:

Ergänzend zum Artikel »Idealer Kapitalismus« wollte ich nur erwähnen, dass die Gerechtigkeitsfrage eine Leitidee der politischen Philosophie nach wie vor ist. John Rawls entwickelte ein theoretisch begründetes Modell von Gerechtigkeit als Fairness! Er entwarf eine Programmschrift für eine ideale »wohlgeordnete Gesellschaft« freier und gleicher Bürger (die es nicht gibt). Nicht mehr und nicht weniger (...). Übrigens bin ich, was die politische Ökonomie betrifft, ein Marxist (nicht jedoch, was seine Gesellschaftsordnung anbelangt, ich bin sach- und fachorientiert, pflege auch keinen idealen Personenkult.)

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