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Leserbrief zum Artikel Serie: Bildung für alle vom 14.10.2020:

Weder willens noch fähig

Was mit der DDR verlorenging, hat so mancher Schlauberger bis heute nicht bemerkt. 16 Jahre ist es her, da gab es in den Dürener Nachrichten gleich drei bemerkenswerte Artikel dazu: »DDR und Finnland als Vorbild«, »Gemeinsamer Unterricht bis zur zehnten Klasse« und »Wir müssen Schule ganz neu denken«. Ein jeder Leser konnte den Artikeln entnehmen, dass das Bildungssystem der BRD völlig rückständig ist. Fünfzehn Jahre nach Ende der DDR war aufgefallen, dass das Schulsystem der DDR keineswegs so marode war, wie uns dies die Medien jahrzehntelang vorgegaukelt hatten. Im Gegensatz zur verschlafenen »BRD-Elite« hatte Finnland das Schulsystem der DDR in weiten Teilen übernommen und ist sehr erfolgreich damit. »Innerhalb von zehn Jahren könnte das deutsche Schulsystem radikal reformiert werden«, hoffte noch 2004 die GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange. Nie vergessen hab ich seitdem folgenden Text: »Das deutsche Schulsystem konzentriert sich doch derzeit darauf, Schüler auszulesen. Nur 37 Prozent der jungen Menschen haben deshalb eine Hochschulzugangsberechtigung. In anderen OECD-Ländern sind es doppelt so viele.« Welch aufschlussreiche Aussage, das Doppelte sind 74 Prozent! Und was hat sich inzwischen bei uns getan? 30 Jahre nach Ende der DDR dümpeln wir noch immer vor uns hin. Und es wird Jahrzehnte dauern, bis wir dort sind, wo Finnland bereits vor 16 Jahren war. Vorausgesetzt, wir fangen endlich an, unser Bildungssystem zu reformieren. Aber dazu ist man ja offensichtlich weder willens noch fähig!
Lothar Böling, Düren
Veröffentlicht in der jungen Welt am 16.10.2020.
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