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Leserbrief zum Artikel Medien und der Rechtsruck: »Die Gefahr ist real, und sie wird größer« vom 19.09.2020:

In den Spiegel geschaut, gegen den Wind und wider die Naivität

Die junge Welt brachte kürzlich ein bemerkenswertes Interview mit Georg Restle, dem Leiter und Moderator des Politmagazins »Monitor«. Seine Aussagen sind aufschlussreich, anregend und vor allem in vielem realistisch. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Restles Haltung viel Zustimmung bei Linken und anderen Nachdenkenden findet. Ebenso durchschaubar ist, dass der Autor bei den Rechten auf Hass und Verleumdung stößt. Dass dabei zu Morddrohungen gegriffen wird, ruft bei linken und allen vernünftigen Menschen nur Abscheu hervor und fordert zur Solidarität mit den Angegriffenen auf. Restle ist nur zu wünschen, dass er seinen, von ihm selbst gezeichneten Weg, »in den Spiegel schauen zu können«, weitergeht.
In den Spiegel, vor allem in den Spiegel der Geschichte zu schauen sollten generell viele Deutsche wieder lernen. Denn das würde auch helfen bestimmte Aktionen als »Brandbeschleuniger« für rechtes, faschistisches Gedankengut und Handeln zu erkennen. Bemerkenswert ist auch, dass Restle, der ausdrücklich ideologische Engstirnigkeit ablehnt und selbst ein ideologisches Weltbild vermeidet, dennoch mehrfach selbst – und dabei nicht ganz unideologisch – auf gesellschaftliche Probleme und deren Ursache verweist. Das betrifft u. a. solche Fragen, wie die Rolle der Konzernvorstände, die soziale Spaltung, das Wirken der AfD, die Netzwerke in Sicherheitsbehörden und das damit verbundene Sicherheitsrisiko für die Bürger. Er verweist auf das Vordringen rechter Forderungen bis in die Mitte der Gesellschaft und betont: »Naivität darf hier nicht mehr als Ausrede gelten. Wer das Verbreiten von rechtsextremistischen Positionen als Ausdruck von Meinungsvielfalt oder gar Ausgewogenheit begreift, sollte sehr genau wissen, wem er da den Weg bereitet.« Solche und ähnliche Aussagen hätte ich mir rechtzeitig seitens führender Vertreter der Linken gewünscht. Denn »die Gefahr ist real, und sie wird größer«, meint nicht nur Restle, sondern meinen viele Menschen in unserem Land, unabhängig von ihren ideologischen Positionen.
Gesellschaftliche Missstände, wie soziale Benachteiligungen, politische Willkür und Volksverhetzung, und damit Gefahren für die Demokratie sind Realitäten, denen man ins Auge schauen muss. Das gilt umso mehr auch dafür, dass Morddrohungen, deren Täter und Ursachen mit aller Deutlichkeit entlarvt werden müssen. Hier dürfe man nicht nachlassen, so Restle. Und wenn »fast alle großen Missstände systemischer Natur« sind, dann komme ich eben an der Systemfrage – ob ideologisch oder nicht – nicht vorbei.
Bruno Mahlow, Berlin
Veröffentlicht in der jungen Welt am 08.10.2020.
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