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Leserbrief zum Artikel Lufthansa: Völlig abgehoben vom 28.05.2020:

Genauso vorweltlich

Das Bündnis »Sand im Getriebe« protestiert gegen die Autoindustrie, die staatliche »Kaufprämien« gefordert hat, um ihre veralteten, zerstörerischen Produkte besser absetzen zu können. Und es wendet sich zugleich gegen die Lufthansa, die Milliarden absahnt, ohne bereit zu sein, ihre bisherige Geschäftspraxis einzuschränken bzw. kontrollieren zu lassen. Doch da gibt es den »Zukunftspakt«, den die Grünen im Deutschen Bundestag durch ihre Fraktionsvorsitzenden Kathrin Göring-Eckart und Anton Hofreiter just vorstellten. Diesem zufolge seien staatliche Hilfen für die Autoindustrie durchaus zulässig, wenn »klimaneutral« produziert werde. Mit Hilfe von Investitionsanreizen ließen sich Autos mit »sauberen« Antrieben herstellen, diese »klimafreundlichen« Autos müssten durch öffentliche Beschaffungsprogramme und Kaufanreize beschleunigt abgesetzt und in den Verkehr gebracht werden, während der Flugverkehr, so Hofreiter, erst zu einem späteren Zeitpunkt »klimafreundlich« werden soll. Ein sofortiges Verbot von Inlandsflügen lehnt er strikt ab.
Deshalb stimme ich der Sprecherin des Aktionsbündnisses »Sand im Getriebe«, Marie Klee, von ganzem Herzen zu, wenn sie nun anstatt einer »Antriebswende« eine grundlegende Verkehrswende fordert, weil alles andere nachweislich dem Klima schadet und auch der Lebensqualität in den Städten.
Hinzu kommt, dass der sogenannte grüne Strom, auch »erneuerbare Energie« genannt, in seiner Primärform zu weit über 50 Prozent aus »Biomasse« gewonnen wird, dadurch zur Hälfte durch die Verbrennung von Holz in alten Braunkohlekraftwerken der Stromriesen RWE, Vattenfall und Uniper (früher Eon), was umweltschädlicher ist als die Verbrennung von Braunkohle. Die andere Hälfte der »Biomasse« verteilt sich auf die Stromproduktion aus »Biogas« und flüssigen Brennstoffen wie Raps- oder Palmöl (!) sowie »Biodiesel«. Diese Art von »Biomasse« gedeiht als monströse Monokulturen, ein entsprechender Pestizid- und Insektizideinsatz sorgt dafür, dass hier kein Bienchen mehr summt und kein Vogel mehr zwitschert. Weil der Anbau von Energiepflanzen wie Raps und Mais dank EEG stark subventioniert wird, sind hier längst branchenfremde Investoren wie der Rückversicherer Munich Re, der Optiker Fielmann oder der Abfallentsorger Rethmann im Geschäft – anstelle von »Biobauern«. Inzwischen beanspruchen die Monokulturen aus Energiepflanzen mehr als 2,3 Millionen Hektar Land in der BRD!
Auch bei den Lieferketten, die für die Batterien von Elektroautos benötigt werden, geht es weder ökologisch noch sozial zu, wie inzwischen bekannt sein dürfte. Deshalb wirkt das alles auf mich durchaus nicht sauber, hierfür noch »Kaufanreize« zu fordern, finde ich genauso »fossil« (laut Duden bedeutet »fossil« versteinert, vorweltlich) wie Kaufanreize für Diesel-Pkw oder Flugreisen.
Iri Wolle, Berlin
Veröffentlicht in der jungen Welt am 05.06.2020.