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Leserbrief zum Artikel Pflegenotstand: McKinsey regiert durch vom 25.03.2020:

Augen öffnen und nachdenken

Ein kleines gefährliches Virus vermag Reaktionen, Empfindungen und Gefühle unter Menschen auszulösen, die nicht mehr vorhanden schienen. Unbekannte Bedrohung entwickelt Zusammenhalt. Regierende setzen gern auf die Gefühlswelle. Nationalistische Patrioten suchten auch, auf den Zug aufzuspringen und politischen Profit zu erzielen. Neben ehrlichem Bedürfnis nach Gemeinsamkeit finden sich berechnendes Interesse, Geschäftemacherei mit Angst und Krankheit und oft genug einfältige Dummheit. Können Menschen so dumm sein oder gemacht werden, dass ihnen nicht angesichts der Krise der Zweifel daran kommt, wie verheerend und falsch die Privatisierung des Gesundheitswesens und anderer Bereiche war? Wie blind können Menschen gemacht werden, nicht zu erkennen, was zu Pflegenotstand geführt hat, Fachkräftemangel erzeugt, Medikamentenmangel und viele skandalöse Zustände nicht nur im Gesundheitswesen? Wie dumm sind alle jene, die ihre Fremdenfeindlichkeit zur Schau tragen, aber nichts gegen Spargelernter aus Osteuropa, Pflegepersonal aus aller Welt haben. Wie noch dümmer müssen solche sein, die sich empören, wenn dringendes medizinisches Personal im Ausland angeworben wird und hotelmäßig untergebracht wird. Wie beschränkt müssen viele sein, die globale Abhängigkeiten nicht wahrnehmen, Solidarität oder sogar Sklavendienst anderer Völker als selbstverständlich hinnehmen, nur einseitig erwarten. Wie lange hält sich der Irrglaube, wonach Deutschland die ganze Welt aushalte. Solidarisch denken und handeln erspart uns auch diese Krise nicht, die großen Sprüche und Worte der Regierenden müssen danach hinterfragt werden, wie den Bedüftigsten geholfen wird und nicht denen, die ihre Geschäfte an der Börse machen.
Roland Winkler, Aue
Veröffentlicht in der jungen Welt am 26.03.2020.

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