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Leserbrief zum Artikel Der schwarze Kanal: Unbeschränkte Haftung vom 21.03.2020:

Verlust des Wir

»Ich kenne keine Gesellschaft, es gibt nur Individuen und Familien.« So äußerte sich Margaret Thatcher, die von Gorbatschow als große Politikerin gewürdigt wurde, die dann den restlichen sozialen Zusammenhalt in Großbritannien beseitigte. Die »Ich-AG« war dennoch nicht ihre Erfindung oder die eines Kanzlers Schröder. Sie beschreibt einen damals um sich greifenden und bis heute anhaltenden Zeitgeist und wurde sinngemäß bereits lange vor dem Zerfall der UdSSR zunächst schleichend, dann immer offener im Egoismus der Sowjetrepubliken untereinander praktiziert, nach dem Zerfall dann, indem man ehemalige Verbündete fallen ließ wie eine heiße Kartoffel (für ein paar Kredite aus dem Westen). Es folgte dann das »Rette sich, wer kann« der einzelnen Individuen und Familien beim Zerfall des ehemals sozialistischen Lagers. Ich war doch erstaunt, mit welcher Geschwindigkeit alle mitmachten und den letzten Rest von Gemeinschaftsgeist über Bord warfen. Unsere Hausgemeinschaft startete damals noch einzigen schwachen Versuch, sich noch einmal zu treffen. An diesem Zerfall des »Wir« waren alle beteiligt, auch die links eingestellten Bürger. Kaum einer hat das »Wir« wirklich verteidigt.
Politiker der Linken werden nicht müde, die DDR als Unrechtsstaat zu bezeichnen, in der es ein Wir-Gefühl noch gab. Es ist eine Schande, dass uns ausgerechnet die FAZ oder Angela Merkel an dieses Wir-Gefühl erinnern müssen, dass dieser Aufruf nicht von linken Kräften ausgeht. Es ist mir im Augenblick egal, wer daran erinnert, was alles seit 1990 verloren gegangen ist. Überall wird gejammert über den Verlust individueller Freiheiten in einer Notsituation, auch in der jungen Welt.
Wie will Deutschland mit dieser individualistischen Haltung eigentlich den Krieg gegen Russland durchstehen, den es (von der Mehrheit unwidersprochen) so fleißig im NATO-Verbund vorbereitet?
Fred Buttkewitz, Ulan-Ude