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Leserbrief zum Artikel Rechte Linksjugend: NATO-Linie mit links vom 05.12.2019:

Konsequenz der Prinzipienlosigkeit

Was sich traditionell als links oder rechts ausgibt, ist heute zumindest genau zu hinterfragen. Es zeichnet sich in Linkspartei und allem Linkssein daherum viel Beliebigkeit bis zu Aufgabe von Grundsätzen ab. Verstärkt hat sich das mit dem unbedingten Streben der Linken, über Wahlen in die Parlamente zu gelangen, mitzuregieren, was die voraussetzende Forderung der regierenden bürgerlichen Parteien ist, anzukommen und sich eben von Grundpositionen zu verabschieden, sie aufzuweichen, nach und nach preiszugeben. Revolutionäre Töne oder gar Forderungen verschwanden nach und nach, den Kapitalismus besser und erträglicher machen ist bestimmende Richtung geworden. Lange wurde das Etikett, die einzige konsequente Friedenspartei zu sein, gern gezeigt. Über formales Bekenntnis oder Verurteilungen hinaus ist das kaum mehr wirkungsvoll und im Verhältnis zum noch bestehenden Einfluss der Linken eher bedeutungslos in der Friedensbewegung geworden.
Junge Generationen sind in die Linkspartei hineingewachsen, wirken in der Parteijugend und können kaum anderes Verständnis widerspiegeln, als es in der Partei entwickelt ist. Woher soll Geschichtsverständnis bei der Linksjugend kommen, wenn es nicht in und von erfahrenen Teilen der Partei kommt, wenn Bildungsarbeit nicht stattfindet? Wie soll anderes herauskommen, als was sich bei Leipzigs »rechter« Linksjugend als feindbildgeprägte Friedenspolitik ausdrückt? Es spiegeln sich darin nur die über Jahrzehnte gemachten Verbeugungen, Entschuldigungen, Distanzierungen zur Vergangenheit, der Kriminalisierung der Politik von DDR und Sowjetunion, die prinzipienlose Anpassung. Das geht einher mit weitgehender Entsorgung des Klassenverständnisses wie -kampfes, gesicherten Geschichtsbewusstseins, Leugnung des Wesens von Kapitalismus und Imperialismus bis zur Übernahme der Feindbilder, wie sie die bürgerliche Ideologie in die Köpfe bringt. Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken. Wir begegnen vielfach links oder antirassistisch wirkenden Organisationen und Gruppen, deren Hauptfeindschaft gegen die DDR und die Sowjetunion, Russland und den Antifaschismus gerichtet ist. Zu alledem ist die Fähigkeit verlorengegangen, die aggressivsten und traditionell-historisch militantesten kriegstreiberischen Kräfte zu erkennen. Das wird noch unverständlicher, wenn jeder sehen kann, wer wen bedroht, wovon die größte Bedrohung ausgeht und wer die Provokation gegen Russland, China und alle nicht unterwürfigen Staaten beständig weiter steigert.
Roland Winkler, Aue
Veröffentlicht in der jungen Welt am 10.12.2019.
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