Gegründet 1947 Dienstag, 22. Oktober 2019, Nr. 245
Die junge Welt wird von 2216 GenossInnen herausgegeben

Leserbriefe

Liebe Leserin, lieber Leser!

Bitte beachten Sie, dass Leserbriefe keine redaktionelle Meinungsäußerung darstellen. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe zur Veröffentlichung auszuwählen und zu kürzen. Leserbriefe sollten eine Länge von 2.500 Zeichen (etwa 390 Wörter) nicht überschreiten. Kürzere Briefe haben größere Chancen, veröffentlicht zu werden. Bitte achten Sie auch darauf, dass sich Leserbriefe mit konkreten Inhalten der Zeitung auseinandersetzen sollten. Ein Hinweis auf den Anlass Ihres Briefes sollte am Anfang vermerkt sein (Schlagzeile und Erscheinungsdatum des betreffenden Artikels bzw. Interviews). Online finden Sie unter jedem Artikel einen Link »Leserbrief schreiben«.

Einsendungen bitte an: leserbriefe@jungewelt.de

Nur Leserbriefe, die an diese Mailadresse geschickt werden, werden von uns berücksichtigt!

Per Post: junge Welt, Torstr. 6, 10119 Berlin, Kennwort: Leserbriefe

 

Leserbrief zum Artikel Aus Leserbriefen an die Redaktion vom 07.10.2019:

Zum Leserbrief »Sinti und Roma vergessen«

Angesichts der Tatsache, dass der Ihnen von mir zugesandte Leserbrief und das Schreiben, das Sie abdruckten, nur begrenzt eine inhaltliche Schnittmenge aufweisen, scheint es mir erforderlich, doch noch einmal darauf zurückzukommen. Es ist natürlich nachzuvollziehen, wenn – wie üblich – auch Sie sich vorbehalten, Leserbriefe zu kürzen. Das, was hier anzusprechen ist, ist etwas anderes. Ich beschränke mich auf zwei mich ganz besonders störende inhaltliche Veränderungen. Ich schrieb:
»Ein zeitgeschichtlicher Rückblick ... passt sicher gut ..., dieser enthält zwei bemerkenswerte Leerstellen.« Daraus wurde: »Ein zeitgeschichtlicher Rückblick ... passt sicher gut ... . Er enthält eine Leerstelle.« Ich schrieb: »... leider bleibt die schon nach ihrer Zahl durchaus gewichtige Roma-Minderheit ... unerwähnt.« Daraus wurde: »... leider bleiben die Sinti und Roma ... unerwähnt.« Mit den zwei Leerstellen ist, wie aus dem Brief auch in seiner abgedruckten Variante hervorgeht, erstens die Rolle des Reichskriminalpolizeiamts und zweitens die Rolle der Einsatzgruppen gemeint. Eins und eins macht zwei.
Einmal abgesehen davon, dass in der Zahl der von Verfolgung betroffenen Homophilen und Paragraph-218-Opfern einerseits und Opfern der »Zigeunerverfolgung« andererseits eine sehr große Differenz liegt, weshalb eine Kürzung/eine Leerstelle hier nicht am Platz gewesen wäre, ist auf die Terminologie einzugehen.
»Roma« ist eine Oberbegriff (Romani Rose: »Der Oberbegriff ist eigentlich Roma, weil die zehn bis zwölf Millionen Angehörigen unserer Minderheit sich als Roma bezeichnen«). Mit »Roma« sind also alle Angehörigen romanessprachiger Gruppen gemeint, »Roma« steht für die Gesamtminderheit. Kalderasch, finnische Kale, walisische Kale, spanische Kalo, Lalleri, Lovara, Rudari, Sinti, Xoraxane usw. bezeichnen als Unterbegriffe einzelne Gruppen. Oberbegriffe und Unterbegriffe miteinander zu vermischen, ist nicht gerade sinnvoll (siehe etwa: »Deutsche und Mitteleuropäer«). Ich mache das für meinen Teil nicht. Hier schon erst recht nicht, denn wenn es um NS-Verfolgung geht, ist die europäische Dimension angesprochen. Mitteleuropäische Sinti bildeten eine Minderheit innerhalb der verfolgten Roma.
Wenn andere es anders machen, als ich es für richtig halte, ist es mir ziemlich egal. Man kann nicht ständig die Unzahl politisch begründeter sprachlicher Merkwürdigkeiten und Ungereimtheiten diskutieren, die es so gibt und zu denen das Wortpaar »Sinti und Roma« zu zählen ist. Ich beobachte auch, dass gerade dort, wo man in der Sache nicht so gut informiert ist (und das ist ja leider sehr häufig so und auch in der jungen Welt), ersatzweise dieses Wortpaar aufgegriffen und eingesetzt wird, um sich sachkundig zu geben und zugleich ein minderheitspolitisches Ausrufezeichen zu setzen, um Engagiertheit mitzuteilen.
Ich komme deshalb so ausführlich aufs Thema zurück, weil die respektlose Dreistigkeit, mit der Sie gerade auch im Inhaltlichen über die Leserbriefvorgabe hinweggingen, eine echte Überraschung darstellte. Wie kann man nur, wenn man die bekannten hehren Ansprüche vertritt! (...)
Dr. Ulrich Opfermann, Tönisvorst

Kommentar jW:

Der Ärger wegen der Kürzung tut uns leid. Um so mehr danken wir für die Richtigstellung. Der vollständige Leserbrief ohne Kürzung findet sich nach wie vor unter dem betreffenden Artikel:
https://www.jungewelt.de/aktuell/rubrik/leserbriefe.php?letterId=44555

Veröffentlicht in der jungen Welt am 11.10.2019.