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Leserbriefe

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Leserbrief zum Artikel Scheuer will private Ladestationen fördern vom 01.04.2019:

Zu Risiken und Nebenwirkungen ...

Der Andi Scheuer möchte jetzt Ladeinfrastruktur für Elektroautos fördern – und das richtig kräftig. Und Habeck und Co. finden das alles auch noch gut. Mit all jenen Kandidaten ist aber wohl auf Dauer kein Blumentopf zu gewinnen – sie liebäugeln halt nur mit der Macht (des Kapitals). Die Entwicklung von Elektroautos fing einmal recht gut an, nämlich mit kleinen, dem Gebrauch angepassten Fahrzeugen, mit überschaubarer, nämlich nur notwendiger Leistung und mit damals bedauerlich geringer Reichweite. Was geschah aber dann? Es wurden wahre Boliden auf den Markt geworfen, schwer wie ein kleiner LKW, meist riesengroß, am besten als SUV und auf alle Fälle mit Leistungen von mehr als 150 und bis zu 450 PS. Die Masse der Packungen aus Lithium und Kobalt in den einzelnen Fahrzeugen ist heutzutage riesengroß. Der größte E-Audi benötigt mehr als 100 kWh/100km – VWs E-up schafft das mit deutlich unter zehn KWh/100km. Dennoch darf sich ersterer als »besonders umweltfreundlich« bezeichnen lassen. Da fragt sich der Normalverbraucher, ob es tatsächlich noch geht. Wenn wir wirklich die Welt retten wollen (ich bezweifle arg, ob wir das überhaupt umsetzen und nicht lieber an unserem eigenen Dreck zu Grunde gehen), müssen wir den ÖPNV stark subventionieren – wenn nicht komplett aus Steuern finanzieren – und dann sogar entgeltlos zur Verfügung stellen. Die Leistungen und die Größe von PKW müssen zwingend begrenzt und die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf ein verbrauchsmoderates Level gesenkt werden. Ich fahre gern selbst zügig, aber das kann so nicht weitergehen, denn auch ich sehe durchaus selbst, was dabei durch den Auspuff geht – und das nicht nur bei mir. Insgesamt müssen wir den Verbrauch an Energie, Wasser und Ressourcen ebenso senken wie das Aufkommen an Abwasser, Müll und und an unnötigem Transport. Die Produktion muss, insbesondere was Lebensmittel angeht, wieder an die lokalen Standorte in der greifbaren Nähe zurück. Kein Joghurtbecher benötigt eine Durchschnittsreisestrecke von 1.500km wirklich und niemand 150 verschiedene Sorten aus aller Welt im Supermarktregal. Von Technologien, die die Umwelt so massiv beeinträchtigen wie der Lithiumabbau und die Umwelt mit Sondermüll belasten wie die ebenso nicht recyclingfähigen Lithiumbatterien, müssen wir Abstand nehmen. Ich denke, dass da in kürzerer Zeit Alternatives zu erwarten ist. Zudem gibt es zu bedenken, dass nötige Ladeleistungen nicht überall zur Verfügung stehen, das Laden Zeit in Anspruch nimmt und der Strom nicht einfach so aus der Steckdose kommt, sondern mit heftigen Emissionsbelastungen behaftet zum Verbraucher gelangt. All jenen, die jetzt über Windräder und Solarzellen philosophieren, sei gesagt, dass auch diese nicht emissionslos produziert werden können. Dort, wo sie jedoch dezentral wegen der langen Energieleitungswege zum Einsatz kommen sollen, sollen sie gern entstehen – für die bloße Einspeisung in das Netz sind sie weniger geeignet. Auch hier wird gern zu den Nebenwirkungen geschwiegen. Wir müssen uns alle zwingen, einen Schritt zurückzurudern. Vieles, was heute mit dem SUV gemacht wird, geht auch mit den Öffentlichen oder dem Rad. Wir haben alle auch andere Zeiten erlebt. Dosen muss man nicht elektrisch öffnen, und Zitronen schmecken auch handgepresst. Und das hat früher auch genau so funktioniert und hat die Lebenserwartung, wie wir an der heute lebenden älteren Generation gut erkennen können, offenbar auch nicht gesenkt.
Frank Dohrmann, Lillestrøm/Norwegen
Veröffentlicht in der jungen Welt am 04.04.2019.

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