Dein Abo für den heißen Herbst!
Gegründet 1947 Sa. / So., 1. / 2. October 2022, Nr. 229
Die junge Welt wird von 2651 GenossInnen herausgegeben
Dein Abo für den heißen Herbst! Dein Abo für den heißen Herbst!
Dein Abo für den heißen Herbst!

Leserbriefe

Liebe Leserin, lieber Leser!

Bitte beachten Sie, dass Leserbriefe keine redaktionelle Meinungsäußerung darstellen. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe zur Veröffentlichung auszuwählen und zu kürzen. Leserbriefe sollten eine Länge von 2000 Zeichen (etwa 390 Wörter) nicht überschreiten. Kürzere Briefe haben größere Chancen, veröffentlicht zu werden. Bitte achten Sie auch darauf, dass sich Leserbriefe mit konkreten Inhalten der Zeitung auseinandersetzen sollten. Ein Hinweis auf den Anlass Ihres Briefes sollte am Anfang vermerkt sein (Schlagzeile und Erscheinungsdatum des betreffenden Artikels bzw. Interviews). Online finden Sie unter jedem Artikel einen Link »Leserbrief schreiben«.

Leserbrief zum Artikel Bartsch begrüßt Pläne für Einwanderungsgesetz vom 31.07.2018:

Klassenlose Illusionen

Horst Jäkel (Friedenskoordination Potsdam) schrieb mir und bemerkte den Widerspruch zwischen marxistisch-leninistischer DKP mit wenigen Mitgliedern und wenig Einfluss und einer mitgliederstärkeren Linkspartei mit zuwenig Marxistisch-Leninistischem. Keine Frage, die Linksparteo ist unverzichtbar für die Friedens-und Sozialbewegung. Mit Blick auf die Friedens- und die soziale Frage über eine Sammlungsbewegung nachzudenken, wie könnten wir das grundweg ablehnen? Die entscheidende Frage, die sich auch hierbei immer zwingender aufdrängt, ist die Frage nach der klassenmäßigen Position. Warum sollte es heute unmöglich sein, Friedensbewegte und sozial zunehmend Besorgte, politisch denkende und organisierte Bürger unterschiedlicher Parteien und Organisationen unter diesem Ziel wirkungsvoll zu sammeln? Es hat eine solche kraftvolle Friedensbewegung der Parteien, Kirchen, Gewerkschaften, Atheisten, Naturfreunde bis zu Militärs usw. doch schon gegeben. Das Klassenmäßige ist zu nennen und verstehen, wie man will. Wer die einfache und alte Tatsache noch nicht ganz aus dem Bewusstsein gestrichen hat, dass es heute wie immer in der Geschichte sehr bekannte, mit Namen und Adresse zu beschreibende, von Kapital-und Profitinteressen getriebene Träger von Klasseninteressen sind, die Krieg bis in seine vernichtendsten Formen riskieren und betreiben, der muss sich noch lange nicht als Klassenkämpfer, Kommunist und nicht einmal als Sozialist verstehen. Was jedoch so einfach scheint, alte Erfahrung sein sollte, das wird von Klassenkräften des Krieges, der Macht und Herrschaft des Kapitals, deren Scharen von Kostgängern und Demagogen auf zahllosen Gebieten politischer Auseinandersetzung vernebelt, undurchsichtig gemacht, entpolitisiert und heute bevorzugt auf rassistisch-ethnische, religiöse u. a. Ebenen gelenkt. Insofern kann es auch die Friedenskraft einer Linkspartei nicht stärken, einflussreicher machen, wenn in der Rassismus-, Antisemitismus-, Einwanderungs-, Asylfrage und überhaupt allen Menschenrechtsfragen mehr und mehr klassenlose Illusionen die politische Landschaft überdecken, verschleiern. Der »Klasseninstinkt« des Kapitals ist lebendig. Wo unserer verlustig geht, kommt es zu verheerenden Positionen auch in der Frage Krieg und Frieden. Die relativ klare Friedenshaltung ändert daran nichts, ist gefährdet, weicht auf, je weniger wir uns auch noch gegen dümmste Rassismusvorwürfe, des Antisemitismus, Terrorismus, Faschismus u. a. beliebter Demagogien wehren oder eilfertig anpassen.
Roland Winkler
Veröffentlicht in der jungen Welt am 02.08.2018.