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01.05.2018, 10:33:49 / Mach mit!

Täglich gegen Krieg

Die junge Welt ist von Parteien und Konzernen unabhängig. Und hat deswegen klare Positionen
Von Arnold Schölzel
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Demonstration gegen die sogenannte Sicherheitskonferenz in München am 17. Februar 2018

Zeitungen, Medien generell, nehmen Partei. Durch Auswahl von Nachrichten, Bestimmung von Schwerpunkten für Meinungsbeiträge und die Reihenfolge, in der sie Themen anbieten. Die Behauptung, einen guten Journalisten erkenne man daran, dass er sich nicht gemein mache mit einer Sache – auch nicht mit einer guten, er sei überall, aber gehöre nirgendwo dazu, ist falsch. Journalisten »gehören« hierzulande einem Konzern, sind abhängig von Parteien oder von faktischen Staatssendern. Ausnahme: die junge Welt.

Zeitungen waren im Kapitalismus lange ein glänzendes Geschäft. Sie sind es auch gegenwärtig, trotz Auflagenrückgang. In der Bundesrepublik besitzen etwa zehn bis zwölf sehr reiche Familien zwei Drittel aller Tages- und Wochenzeitungen. Karl Marx kommentierte 1842: »Die erste Freiheit der Presse ist es, kein Gewerbe zu sein.«

Die Ausmaße der Monopolisierung im Mediengewerbe konnte er nicht ahnen. Die weltweit zehn größten Medienhäuser sitzen heute in den USA und mit Bertelsmann eins im deutschen Gütersloh. Mark Zuckerberg ist Chefredakteur des Informationskanals mit der global größten Zahl an Nutzern. Das Internet, an sich eine nützliche Einrichtung, wurde unter der Herrschaft der Milliardäre zum Tummelplatz von Pöblern, Nationalisten und Neofaschisten. Das kennzeichnet die Lage: Klassenkampf von oben kommt ohne Medien nicht aus. Der von unten auch nicht. Deswegen gibt es die junge Welt.

In dieser Umgebung behauptet sie sich seit fast 25 Jahren mit ihrem heutigen Profil. Worin es besteht? Sehr verknappt: Sie ist eine tägliche Zeitung gegen den Krieg, ein Organ der Friedensbewegung. Das trifft in akuten Konflikten anfangs oft nicht auf Zustimmung. Allerdings ist der Bedarf an Gegeninformationen gerade dann auch enorm hoch. Einige Stichworte: Kosovo 1999, Afghanistan 2001, Irak 2003, Libyen 2011, heute Syrien, wo deutsche »Tornados« völkerrechtswidrig patrouillieren – ausschließlich Angriffskriege.

Die junge Welt stellt deren wirtschaftliche und soziale Ursachen dar. Wer mit der »Agenda 2010« Niedriglöhne und Verarmung einführt, der schaufelt nicht nur von unten nach oben um, er stellt die Ohnmacht her, die Aufrüstung und Militarisierung ermöglicht. Abbau von Demokratie und Rechtsstaat, Verstärkung von Repression und präventive Bürgerkriegsübungen gehören dazu. Wer den Rechtsruck bekämpfen will, sollte auf entsprechende Parteien achten, aber nicht übersehen: Es waren SPD, Grüne, CDU/CSU und FDP, die ihn vollzogen.

Die junge Welt bildet die Verhältnisse ab – nicht nur deren Oberfläche. Das ist der Anspruch. Prüfen Sie, ob wir dem gerecht werden.