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06.01.2020, 15:25:26 / jW stärken!

Gegen die blattfreien Zonen

Seit 30 Jahren versendet »Freiabonnements für Gefangene« kostenlose Zeitungen in die Gefängnisse
Von Johannes Supe

Im Knast wird noch gelesen. Wer sich informieren will, der greift zur Zeitung (siehe Spalte). So will es auch das Grundgesetz, dessen fünfter Artikel lautet: »Jeder hat das Recht, (…) sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.« Doch nicht selten gerät das verbriefte Recht mit dem begrenzten Medienetat der Haftanstalten in Konflikt; eine umfangreiche Ausstattung mit Zeitungen können viele Gefängnisse nicht gewährleisten. Woher also den gewünschten Anzeiger nehmen?

Gegen die blattfreien Zonen kämpft »Freiabonnements für Gefangene e. V.« an. An die 3.000 Publikationen schickt die Initiative in die Gefängnisse, bietet ungefähr 40 Publikationen an – von Analyse & Kritik bis zu Zitty, einer Berliner Stadtzeitung. Daneben etwa den Spiegel, die FAZ oder die taz, aber auch linke Blätter wie die junge Welt. Kostenlos, dank Spenden und bisweilen der Kooperationsbereitschaft der Verlage. Seit drei Jahrzehnten geht das nun schon so.

Am 16. September feierte der Verein in Berlin sein Jubiläum. Gert Behrens hat das Projekt »seit der ersten Minute« begleitet, wie er – nicht ohne Stolz – sagte. Mit acht anderen, darunter auch dem Grünen-Abgeordneten Hans-Christian Ströbele, war er an der Gründung des Vereins beteiligt. Ein politischer Akt sei das damals gewesen, so Behrens auf der Jubiläumsfeier. Man habe gegen die beschränkten Wahlmöglichkeiten im Gefängnis ankämpfen wollen. Und die taz, die das Projekt eng begleitete, verbreiten wollen. »Agitprop« sei das damals gewesen. »Jedem Knacki seine taz«, hieß in den 80ern das Motto der Aktivisten. Heute ist es Behrens auch eine Erwähnung wert, dass er die dreißig Jahre Einsatz »ohne Herzinfakt« überstanden hat.

Mittlerweile hat der Verein seinen Sitz in die Berliner Köpenicker Straße verlegt. Dutzende, gar Hunderte Aktenordner, gefüllt etwa mit den Kontaktdaten der Gefangenen, stapeln sich hier. Groß ist der Büroraum nicht. »Aber trocken«, wie Sybill Knobloch, Geschäftsführerin des Vereins, lachend sagt. In den zwanzig Jahren, die sie dabei ist, sei das nicht immer so gewesen. In der Vergangenheit sei man bereits in Kellerräumen untergekommen. In Erinnerung geblieben ist ihr auch, wie man in den 90er Jahren Untermieter eines Arztes war. Auch da hatte man nur einen kleinen Raum. Vom Wartezimmer der Praxis nur durch eine Tür getrennt. Und unter der quoll, sehr zum Ärger des Mediziners, immer aufs neue der Qualm der Aktivisten hervor. »Wir waren doch zu dritt – und keiner von uns wollte aufhören zu rauchen.«

Bei der Vermittlung von Zeitungsabonnements in die Gefängnisse ist es nicht geblieben. In Berlin organisiert der Verein runde Tische, an denen die Interessen migrantischer Gefangener mit der Politik abgestimmt werden. Ganz neu ist auch die Idee eines Bücherfonds. Mit weiteren Spendengeldern sollen Bücher – von der Fachliteratur bis zum Duden – angeschafft und den Gefängnisbibliotheken übergeben werden. Denn deren Etat ist oft ähnlich gering wie das Geld der Anstalten für Zeitungen.

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