17.11.2017, 20:00:01 / #jetztaberAbo

Schwierigkeiten beim Lesen der Wahrheit

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»junge Welt« in Brailleschrift

Die Tageszeitung junge Welt ist nicht für jeden. Denn nicht jeder kann lesen. Und nicht alle, die lesen können, wollen das auch. Und nicht alle, die können und wollen, geben sich die dafür notwendige Zeit. Erstaunlich finden wir, dass einerseits nicht selten studierende oder studierte Menschen ein jW-Abo ablehnen – wegen fehlender Zeit. Andererseits nehmen sich nicht wenige Auszubildende morgens oder abends eine Stunde, um ihre jW zu lesen: Weil sie Informationen, Analyse und Kommentare mit klarem Klassenstandpunkt für sich selbst und für die Diskussion im Betrieb dringend brauchen.

Manche haben aber noch ganz andere Schwierigkeiten mit dem Lesen: Sie sind blind oder stark sehbehindert. Wenn auch sie nicht auf die junge Welt verzichten wollen, nutzen sie drei gängige Methoden, um sich deren Inhalte anzueignen. Zunächst die naheliegendste: Jemand aus dem sozialen oder familiären Umfeld liest die Zeitung vor. Eine zweite: Man lässt sich die Texte in die Brailleschrift übertragen. Der 16jährige Louis Braille erfand 1825 die nach ihm benannte Blindenschrift. Jeder Buchstabe wird in ein Zeichen aus sechs jeweils unterschiedlich angeordneten Punkten übersetzt (heute würde man das eine 6-Bit-Codierung nennen), das sich mit den Fingerspitzen ertasten lässt. Texte aus dem Internet kann man sich direkt vom Computer mit Hilfe eines speziellen Ausgabegerätes in Braille darstellen lassen. Schon in den 90er Jahren lobten uns Blindenverbände dafür, dass unser Internetauftritt durch seine Klarheit das Mitlesen erleichtert. Das Lob galt auch unserem E-Mail-Abo, das es schon mehr als 20 Jahre gibt und mit dem jW-Texte ohne Zutaten und Ausschmückungen zur Verfügung gestellt werden. Das erleichtert die Übertragung enorm. So ein E-Mail-Abo kann man deshalb auch für die dritte Form der Nutzung von jW-Texten durch Blinde und Sehbehinderte einsetzen: Man lässt sich diese, wie unser Leser Norbert aus Basel, einfach vom jeweiligen Ausgabegerät vorlesen. Diese Aufgabe übernehmen mittlerweile fast alle Computer, Laptops oder Smartphones für unsere Abonnenten.

Deshalb gehören nicht wenige Blinde und stark Sehbehinderte zu unserem linken Netzwerk. Niemand muss also auf die junge Welt verzichten – vorausgesetzt allerdings, er oder sie kennt überhaupt diese Zeitung. Auch darum ist es so wichtig, alle sehenden und nichtsehenden Menschen über das journalistische Angebot der jW zu informieren – und dass unsere Gemeinschaft durch weitere Abonnements gestärkt wird.

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