02.05.2017, 14:08:17 / Zeitung für Malocher

In wessen Interesse?

Sie haben Ihren Standpunkt. Kennen Sie aber auch den Ihrer Tageszeitung?

Von Dietmar Koschmieder
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Ganz vorne, ganz ­wichtig: Vertreterinnen der ­Reichen haben gut lachen (der »W-20-Gipfel« vom 24. bis 26.4.2017 in Berlin ziert die Titelseiten)

Zeitungen für Mächtige gibt es in Europa jede Menge. Dass sie für deren Hofberichterstattung zuständig sind, erkennt man nicht immer so leicht wie in den Mittwochausgaben der meisten deutschen Tageszeitungen dieser Woche – und das schon auf den Titelseiten. Einer Gleichschaltung der Presse bedarf es offensichtlich gar nicht mehr, der lachende Geld- und Blutadel fand überall gut temperierte Aufmerksamkeit. »Im Klub der mächtigen Frauen« titelte etwa die Berliner Zeitung und nannte das Treffen der sogenannten W 20 in der Hauptstadt einen »Gipfel der anderen Art«. Dabei handelt es sich bei den Abgebildeten keineswegs um die wirklich Mächtigen, sondern nur um deren Personal, Verwandtschaft oder Staffage. Gut, dass es mit der jungen Welt eine Zeitung gibt, die darauf hinweist. Und die auf ihrer Titelseite vom Mittwoch statt dessen auf die Kriegsschauplätze hingewiesen hat, auf denen gerade das Personal des türkischen Kapitals sein Unwesen treibt. Gelacht wird da nicht.

Desinformieren

Nicht immer erkennt man die Positionierung der angeblich neutralen Zeitungen so leicht. Ihre scheinbar objektive Berichterstattung über die Lage in Venezuela legt nahe, dass dort das Volk die korrupte Maduro-Regierung satt habe und sich diese nur noch durch gewaltsame Unterdrückung des breit aufgestellten Widerstandes an der Macht halten könne. Das wird zwar schon seit Jahren behauptet, aber die Manipulationen sind selten so massiv wie in diesen Tagen: Hunderttausende Pro-Maduro-Demonstranten werden einfach unterschlagen, gezielte kaltblütige Morde zur Destabilisierung der Lage der Regierung in die Schuhe geschoben, dafür aber protestierende Mittel- und Oberschichtsfrauen, womöglich wie vor dem Putsch in Chile 1973 mit Kochtöpfen als Krachinstrumenten ausgestattet, als Protest des Volkes verkauft. Ein Muster, das mittlerweile auch den bürgerlichen Medien bekannt sein müsste. Gut, dass es mit der jungen Welt eine Zeitung gibt, die in dieser Woche mit zwei grundlegenden Artikeln auf diese Art von Desinformation hingewiesen hat.

Aufklären

Auch Politikern, Bewegungen, Gewerkschaften und Parteien in Europa drohen solche Medienkampagnen, wenn sie sich erdreisten sollten, tatsächlich die Interessen der Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, die vor allem von ihrer Arbeit, ihrer Rente oder Stütze leben müssen. Das hat etwas mit Besitzverhältnissen zu tun: Solange auch im angeblich so demokratischen Europa ein paar reiche Familien über mehr Produktionsmittel und Einkommen verfügen als die Hälfte der Bevölkerung des Landes, darf man sich nicht wundern, wenn Politiker und Medien vorrangig deren Interessen bedienen. Gut, dass es in diesen Zeiten eine Zeitung wie die junge Welt gibt, die der Genossenschaft ihrer Leserinnen und Leser gehört – und damit einer Eigentümerin, die darauf besteht, dass diese Zeitung der Aufklärung verpflichtet ist – und nicht der Verschleierung.

Handeln

Diesen Standpunkt zu verteidigen ist schon deshalb nicht einfach, weil auch die junge Welt genügend Einnahmen braucht, um ihre Arbeit zu finanzieren. Und wenn das Geld nicht von den Reichen und Mächtigen kommt, kann es nur von denen kommen, die so eine Zeitung dringend brauchen. Aber bevor Sie sich für ein Abonnement entscheiden, bieten wir Ihnen ein dreiwöchiges, kostenloses und unverbindliches Probeabo an (auch in die Schweiz und Österreich liefern wir gratis, allerdings »nur« zwei Wochen lang). Sie finden dann täglich diese etwas andere Zeitung in Ihrem Briefkasten – und können sich so selbst einen Eindruck von ihrem Gebrauchswert verschaffen. Und falls Sie auch diesen Schritt noch nicht gehen wollen: Nutzen Sie den Coupon rechts oben auf der Titelseite dieser Ausgabe und tauschen Sie ihn gratis am Kiosk gegen eine weitere aktuelle Ausgabe der jungen Welt ein. Dieses Angebot kann überall dort genutzt werden, wo die junge Welt in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Einzelhandel geführt wird.

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