Aus: Ausgabe vom 23.12.2016, Seite 8 / Ansichten

Big Poppa des Tages: Carl Icahn

Von Simon Zeise

Der künftige US-Präsident Donald Trump hat seine Mannschaft beisammen. Am Mittwoch (Ortszeit) ernannte die Föhnfrisur zwei weitere Kabinettsanhängsel. Peter Navarro soll Chef des Nationalen Handelsrats des Weißen Hauses werden. Der Posten wird für ihn neu geschaffen. Qualifiziert hat sich Navarro unter anderem durch sein Buch »Tod durch China«, in dem er Beijing das Betreiben eines Handelskriegs gegen die USA vorwirft.

Als »Berater« des »Führers der freien Welt« soll zudem künftig Multimilliardär Carl Icahn agieren. Ihm nachgezeichnet hatte einst Regisseur Oliver Stone die Filmfigur des Finanzhais Gordon Gecko im Blockbuster »Wall Street«. »Wenn du einen Freund brauchst, kauf dir einen Hund!« soll Icahn zu einem Mitarbeiter eines von ihm zum Ausverkauf freigegebenen Flugunternehmens gesagt haben. Das Portal aktien-mag. de hat den Bankster zur »Legende« erklärt und prägnante Zitate archiviert. Demnach hat sich Icahn selbst charakterisiert: »Ich mache Geld. Daran ist nichts verkehrt. Das ist, was ich tun möchte. Das ist, warum ich hier bin. Das ist, was ich mag.« Teilen ist nicht seins: »Ich bin kein Robin Hood. Ich genieße es, Geld zu verdienen.« Zugute halten mag man ihm wenigstens seine offene Art: »In bezug auf Unternehmensdemokratie und Aufsichtsräte bin ich ein Zyniker.«

Am Wahlabend hatte er die Party der Republikaner frühzeitig verlassen, um »viele Aktien zu kaufen«. »Big Poppa« müsse jetzt mal richtig Geld verdienen, hatte der 80jährige Bloomberg TV erklärt, und am nächsten Morgen soll er bereits eine Milliarde US-Dollar erzockt haben. Merke: »Wenn man sich niemandem gegenüber verantworten muss, ist Vendetta als Investmentstrategie genauso legitim wie alles andere.« Das Manager Magazin hat die Verhältnisse bereits zurechtgerückt: Trump ist das »Wall-Street-Püppchen« – Big Poppa Icahn lässt Klein Donald spielen.

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