Online Spezial: Free Gaza

Beiträge in der Rubrik Tagebuch

  • Tagebuch
    04.07.2011, 10:45 Uhr

    Maschine klar, Navigationsgeräte überprüft

    Von Peter Wolter, Agios Nikolaos
    DEPARTURE.JPG
    Gruppenfoto der »Tahrir«-Passagiere in Agios Nikolaos

    Die »Tahrir« ist zum Auslaufen bereit – nur auf der Brücke und im Maschinenraum werden noch letzte Vorbereitungen getroffen.

    Die beiden GPS-Geräte (Global Positioning System, ein Satellitensystem zur elektronischen Positionsbestimmung) sind überprüft und eingeschaltet, das Radargerät ist betriebsbereit. Das Seefunkgerät ist auf Kanal 16 eingestellt, dies ist der internationale Arbeits- und Notrufkanal.
    Ein roter Schalter an der Vorderseite ist mit einer Plastikkappe gegen unbeabsichtigte Berührungen geschützt: Wenn man ihn drückt, wird automatisch ein SOS-Signal ausgestrahlt, das auch gleich die letzte per GPS gefundene Position durchgibt. Auch der Autopilot, der elektronische Rudergänger, ist überprüft und eingeschaltet.

    Eines der GPS-Geräte ist mit einer elektronischen Seekarte ausgestattet, sicherheitshalber kauft die Besatzung bei einem Marine-Ausstatter noch die neuesten Karten der umliegenden Seegebiete ein.

  • Laika
  • Tagebuch
    02.07.2011, 13:50 Uhr

    Entschlossen, bis zum Schluß dabei zu bleiben

    Von Peter Wolter, Agios Nikolaos
    Morgenbesprechung auf dem kanadischen Teilnehmerschiff
    Morgenbesprechung auf dem kanadischen Teilnehmerschiff

    Urprünglich sollten die Schiffe der »Free Gaza«-Flottille schon am vergangenen Montag auf internationalen Gewässern zusammentreffen, sitzen aber mehrheitlich in Griechenland fest. Trotz des am Freitag verhängten Auslaufverbots halten die »Tahrir«-Passagiere durch.

    Unter Deck liegen Kabel herum, Schlafsäcke, Reisetaschen, Kameras, Sonnenhüte und Krimskrams jeder Art. Die Tische sind voller Notebooks, auf denen die mitreisenden Journalisten ihre Berichte tippen oder Aktivisten aus Kanada und Australien ihre Blogs aktualisieren. 


    Wenige Meter entfernt wird in der Kombüse gebrutzelt, es gibt irgendetwas Vegetarisches mit vielen Kichererbsen. Es riecht nach Essig, Olivenöl und Knoblauch. Küchenchef ist Miles aus Kanada, ihm zur Hand gehen Gunnar aus Dänemark und die australische Grünen-Politikerin Sylvia.

    Ich selbst sitze am Journalistentisch, eingeklemmt zwischen Kanada und Dänemark – das Notebook auf den Knien. Gewusel überall, obwohl alle Türen zum Oberdeck und sämtliche Fenster offen stehen, ist es unter Deck drückend heiß, der Schweiß tropft mir in die Tastatur, die Brille ist ständig beschlagen.

  • Tagebuch
    01.07.2011, 22:00 Uhr

    Aber nicht nach Palästina!

    Von Peter Wolter
    »Tahrir« mit friedlicher Kampfbeflaggung
    »Tahrir« mit friedlicher Kampfbeflaggung

    Jeder Grieche weiß seit längerem, daß sein Land seine Souveränität an die Deutsche Bank abgegeben hat. Daß aber mittlerweile nicht in Athen, sondern in Tel Aviv entschieden wird, welche Schiffe aus griechischen Häfen auslaufen dürfen, das dürfte den meisten noch unbekannt sein. Im kretischen Hafen Agios Nikolaos jedoch weiß es jetzt fast jeder:

    In einer lauten und farbenfrohen Demonstration zog am Freitagabend die 50-köpfige Besatzung der »Tahrir« durch die Stadt zum Hafenmeisterbüro – begleitet von Rundfunk- und Fernsehteams und vielen Reportern. Sie protestierten dagegen, daß die griechische Regierung auf Ersuchen Israels das Auslaufen der Schiffe verboten hatte, die Hilfsgüter in den von Israel seit Jahren blockierten Gazastreifen bringen sollen.

  • Tagebuch
    29.06.2011, 21:05 Uhr

    Warten auf das Startsignal

    Von Peter Wolter

    Die »Tahrir« hat Kraftstoff übernommen, die Trinkwassertanks sind gefüllt, der Proviant für mehrere Tage ist verstaut. Jeder der 50 Aktivisten und Journalisten, die mit der jetzt aus zwölf Schiffen bestehenden Gaza-Flottille die israelische Blockade durchbrechen wollen, hat seine Sachen gepackt. Es kann also losgehen. Tut es aber noch nicht.


  • Tagebuch
    27.06.2011, 17:00 Uhr

    Eine geballte publizistische Macht

    Von Peter Wolter, jW-Korrespondent auf der »Tahrir«
    Das Schiff ist mit Hilfsgütern für die Palästinenser im Gazastreifen beladen, die rund 50 Aktivisten haben ihre fünftägigen Vorbereitungen beendet – es könnte jetzt eigentlich losgehen.
    Aber nur eigentlich. Für die Fahrt der nur 25 Meter langen »Tahrir« nach Palästina ist es zu stürmisch, die See ist zu rauh. Erst muß sich der Starkwind legen, vor Donnerstag oder gar Freitag wird es wohl nichts.
  • Tagebuch
    25.06.2011, 19:00 Uhr

    Als Gruppe auftreten

    Von Peter Wolter
    DSCN1487.JPG
    Dänische Mitreisende der Free-Gaza-Flottille in Griechenland
    Mal was Persönliches: So allmählich komme ich an die Grenze meiner Konzentrationsfähigkeit. Die Gruppe von etwa 45 Personen, die auf dem kanadischen Schiff »Tahrir« an der internationalen Hilfsflotte nach Gaza teilnehmen wird, besteht aus Kanadiern, Belgiern, Dänen und Australiern – ich bin der einzige Deutsche. Umgangssprache ist Englisch – was für mich eigentlich kein Problem sein sollte, da ich in einem früheren Leben acht Jahre lang für eine britische Nachrichtenagentur gearbeitet habe.


  • Tagebuch
    24.06.2011, 14:30 Uhr

    Alle denkbaren Szenarien

    Von Peter Wolter
    Die Ankündigung Israels, daß die Marine den Hilfskonvoi für den blockierten Gazastreifen nicht passieren lassen wird, hat sicher nicht zur inneren Entspannung bei den Teilnehmern der Free-Gaza-Flottille beigetragen. So ziemlich jeder geht davon aus, daß die Kaperung der zehn Schiffe ähnlich brutal verlaufen wird wie im vergangenen Jahr – und jeder hofft, daß es nicht wieder neun Tote und zahlreiche Verletzte geben wird.

    In diversen griechischen Häfen bereiten sich die Aktivisten zur Zeit darauf vor, was sie zu erwarten haben. Was zum Beispiel zu tun ist, wenn die Soldaten die Schiffe vor dem Entern erst einmal mit Tränengas beschießen. Ist es besser, den Zugriff drinnen im Schiff oder draußen an Deck zu erwarten? Teilnehmer der Flottille des vergangenen Jahres raten dringend zu letzterem – das Tränengas wird dort schneller vom Seewind oder auch vom Luftwirbel israelischer Hubschrauber verweht.

  • Tagebuch
    24.06.2011, 14:00 Uhr

    Auf alles gefaßt

    Peter Wolter

    In griechischen Häfen bereiten sich Aktivisten aus 40 Ländern darauf vor, die israelische Seeblockade zu durchbrechen


    Ein wenig mulmig ist wohl allen, die am Montag mit zehn Schiffen versuchen wollen, die israelische Blockade des Gaza­streifens zu durchbrechen, um die dort lebenden Palästinenser mit dringend benötigten Hilfsgütern wie Medikamenten, Krankenhausausstattung und Baumaterial zu versorgen. In diversen griechischen Mittelmeerhäfen bereiten sich zur Zeit Aktivisten aus schätzungsweise 40 Ländern auf die Reise vor, die mit Sicherheit zu einer Konfrontation mit der Marine Israels führen wird. Es ist erst gut ein Jahr her, daß die erste Gaza-Flottille mit einem Massaker endete: Israelische Soldaten erschossen auf der »Mavi Marmara« neun Männer und verwundeten etwa 50 weitere. Mindestens sechs der Toten waren nach Erkenntnissen einer Untersuchungskommission der UNO kaltblütig ermordet worden.

  • Tagebuch
    23.06.2011, 18:45 Uhr

    Üben in Griechenland

    Bild 1
    In Griechenland treffen sich zur Stunde die ersten Teilnehmer der Freedom-Flottilla II, die in der kommenden Woche versuchen will, auf dem Seeweg Hilfsgüter nach Gaza zu bringen und die Aufhebung der israelischen Blockade zu erreichen. Aus Sicherheitsgründen werden die Häfen, aus denen die rund zehn Schiffe auslaufen, noch nicht bekannt gegeben. Ab Freitag stehen Aktionstrainings für eine gewaltfreie Bewältigung kritischer Situationen auf dem Programm.
    junge Welt-Redakteur Peter Wolter begleitet die Free-Gaza-Flottille auf der »Tahrir« und berichtet nicht nur in der Printausgabe, sondern auch im Online Spezial. Die Stimmung unter den bisher Angereisten ist gut. Sie haben allesamt Erfahrung in professioneller NGO-Arbeit und waren bereits in Krisengebieten. (jW)
  • Tagebuch
    18.06.2011, 17:00 Uhr

    Online-Spezial: jW begleitet die Flottille

    Ship
    Der israelischen Regierung wäre es am liebsten, wenn die Weltöffentlichkeit keine Notiz von der Solidaritäts-flottille nähme, die in wenigen Tagen Richtung Gaza in See stechen wird. Da sich das nicht ganz verhindern läßt, wird sie wie im vergangenen Jahr die Nebelwerfer der Propaganda munitionieren und den Teilnehmern der Hilfsaktion alle nur denkbaren antisemitischen, islamistischen oder gar terrroristischen Motive unterstellen. Dankbare Abnehmer für diese Desinformationen findet sie nicht nur bei »Antideutschen«, sondern auch in den größten deutschen Medien.