Free Gaza

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  • · Berichte

    Abschiebung aus Tel Aviv

    Claudia Wangerin

    Insgesamt 15 Aktivisten, Crewmitglieder und Journalisten, die sich am Dienstag morgen an Bord der französischen Motoryacht »Dignité al Karama« befanden, als diese vor der Küste Gazas von der israelischen Marine geentert wurde, sollten bis Mittwoch abend aus Israel abgeschoben werden.

    Dies berichteten israelische Medien unter Berufung auf eine Sprecherin des Innenministeriums. Mehrere Personen seien bereits vom Flughafen in Tel Aviv ausgeflogen worden.

    Neben den 15 ausländischen Staatsbürgern, überwiegend Franzosen, war auch die israelische Reporterin Amira Hass, eine Mitarbeiterin von Haaretz, an Bord der »Dignité«.

    Schiff und Passagiere waren nach der Enterung in den südisraelischen Hafen Aschdod gebracht worden. Mit Ausnahme der israelischen Staatsbürgerin, die noch am Dienstag freigelassen wurde, hatten sie alle aus der Sicht der Einwanderungsbehörde versucht, illegal nach Israel einzureisen.

    Tatsächlich wollten sie die israelische Seeblockade des palästinensischen Gazastreifens überwinden – ursprünglich als Teil einer Friedensflottille, deren Schiffe zum Großteil wegen des Auslaufverbots in Griechenland festsitzen.

    Unklar blieb am Mittwoch, wie weit die »Dignité« beim Entern von der Küste entfernt war. Militärsprechern zufolge hatte die israelische Marine etwa zwölf Meilen vor Gaza eingegriffen. Amira Hass berichtete am Mittwoch in Haaretz, drei Kriegsschiffe und sieben Kommandoboote seien bereits 50 Seemeilen vor der Küste aufgetaucht, um die »Dignité« zu entern.

    Am Dienstag abend war auf der englischsprachigen Internetseite von Haaretz von »drei Meilen vor der Küste« die Rede – in einem Artikel, der sich zum Teil auf Agenturinformationen stützte.

    Die Organisatoren der »Free Gaza«-Bewegung sprechen von einem Zugriff in internationalen Gewässern – also außerhalb der Zwölfmeilenzone. Nach Militärangaben gab es nach der ersten Kontaktaufnahme mit der Crew mehrere Aufforderungen, den Kurs zu ändern, bevor das Schiff geentert wurde. Anders als im vergangenen Jahr beim Kapern der ersten »Free Gaza«-Flottille hatte es dabei keine Verletzten gegeben.

    Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan verlangte eine offizielle Entschuldigung für die Tötung von neun türkischen Aktivisten durch die israelische Marine. Dies berichteten am Mittwoch mehrere türkische Zeitungen. Erdogan erwägt in diesem Zusammenhang auch, persönlich den Gazastreifen zu besuchen.

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    »Dignité«-Passagiere sollen noch heute aus Israel abgeschoben werden

    Tel Aviv. Alle 15 Ausländer, die sich am Dienstag morgen an Bord der französischen Motoryacht »Dignité al Karama« befanden, als diese vor der Küste Gazas von der israelischen Marine geentert wurde, sollen noch heute abgeschoben werden. Dies berichtet die israelische Tageszeitung Haaretz unter Berufung auf eine Sprecherin des israelischen Innenministeriums. Eine Person sei bereits ausgeflogen werden. Neben den 15 ausländischen Aktivisten, Crewmitgliedern und Journalisten war auch die israelische Reporterin Amira Hass, eine Mitarbeiterin von Haaretz, an Bord der »Dignité«. Schiff und Passagiere waren nach der Enterung in den südisraelischen Hafen Aschdod gebracht worden.

    Ihnen wurde der Versuch der illegalen Einreise nach Israel vorgeworfen. Tatsächlich wollten sie die israelische Seeblockade des palästinensischen Gazastreifens überwinden - ursprünglich als Teil einer Friedensflottille aus mindestens zehn Schiffen, die zum Großteil wegen eines Auslaufverbots in Griechenland festsitzen. (jW)

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    Haaretz: Auf einem Eimer, umringt von Kommandos

    jW-Zusammenfassung aus dem Englischen

    »Drei Schlachtschiffe und sieben Kommandoboote verschiedener Typen und Größen« hatten sich nach einem Bericht der israelischen Tageszeitung Haaretz versammelt, um, wie das Blatt schreibt, »einen kleinen Eimer« vor der Küste Gazas abzufangen. Haaretz-Reporterin Amira Hass war an Bord der französischen Motoryacht »Dignité al Karama« (Würde), als diese am Dienstagmorgen von der israelischen Marine geentert wurde.


    »Mindestens 150 Soldaten waren am frühen Morgen auf See geschickt worden, um die Mission auszuführen: Zehn Aktivisten der ›Freedom Flottilla‹, sowie drei Crewmitglieder und drei Journalisten davon abzuhalten, den Hafen von Gaza zu erreichen«, heißt es auf der englischsprachigen Internetseite von Haaretz.


    Spott über Verschwendung

    Am Dienstagmorgen hätten die Aktivisten für kurze Zeit den Fehler gemacht, »zu glauben, die Marine könnte von der teuren Aktion auf Kosten der israelischen Steuerzahler absehen« und die Aktivisten nach Gaza durchlassen.

    Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP in Jerusalem habe den Aktivisten gesagt, er habe im Verteidigungsministerium angerufen und gefragt, was Israel zu tun gedenke. Ihm sei gesagt worden, wenn die Aktivisten keine Provokation verursachen würden, könne man sie passieren lassen. »Sie fragten sich daraufhin, was wohl als Provokation angesehen werde.«

    Gratulation von höchster Stelle

    Premierminister Benjamin Netanjahu persönlich gratulierte laut Haaretz am Dienstag abend dem Generalstabschef zur erfolgreichen Enterung der »Dignité«. Netanjahu habe die Soldaten dafür gelobt, daß sie die Operation ohne Gewalt und Todesopfer beendet hätten. »Israel wird weiterhin erlauben, Waren und Güter nach Gaza zu bringen, dennoch wird die Seeblockade weiter durchgesetzt werden, um dem Schmuggel von Waffen und Raketen vorzubeugen, die das Hamas-Regime fast täglich gegen israelische Bürger einsetzt«.

    Die französische Motoryacht mit Kurs auf Gaza war am Dienstag von der israelischen Marine aufgebracht worden, nachdem sich die Besatzung geweigert hatte, den Kurs zu ändern. Ursprünglich sollte die »Dignité« mit neun weiteren Schiffen der »Free Gaza«-Solidaritätsflottille Hilfsgüter in das abgeriegelte palästinensische Gebiet bringen, um mit friedlichen Mitteln die Aufhebung der israelischen Blockade zu erreichen. Der überwiegende Teil der Schiffe sitzt jedoch wegen des am 1. Juli verhängten Auslaufverbots in Griechenland fest.

    Elitetruppen der israelischen Marinekommandoeinheit Shayetet 13 enterten laut Haaretz die »Dignité« nur Minuten, nachdem Generalstabschef Benny Gantz den Befehl gegeben hatte. Das Kommando erlangte schnell Kontrolle über das Boot, die Aktivisten an Bord leisteten keinen Widerstand.

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    »Dignité« geentert

    Bild 1

    Erneut hat Israel mit militärischer Gewalt die Blockade des Gazastreifens durchgesetzt.

    Am späten Dienstag vormittag enterten Soldaten der israelischen Marine die »Dignité/Al Karama« (Würde), ein französisches Boot, das mit Hilfsgütern beladen Kurs auf den Hafen von Gaza genommen hatte.

    Das Schiff sowie die an Bord befindlichen 17 Passagiere und Besatzungsmitglieder wurden in den Hafen von Aschdod entführt, wo sie verhört werden sollen. Die israelische Einwanderungsbehörde wirft den Aktivsten vor, sie hätten versucht, illegal nach Israel zu gelangen. Allerdings war von Anfang an klar, daß das Boot nicht Israel, sondern den palästinensischen Gazastreifen anlaufen wollte.

    Thomas Sommer-Houdeville, einer der französischen Aktivisten an Bord der »Dignité«, hatte in einem Interview mit AFP am Montag abend gesagt, die Fracht des Bootes sei eine »symbolische Botschaft des Friedens, der Hoffnung und der Liebe«. Es gebe keinen Anlaß für Israel, sie aufzuhalten.

    Kontakt mit der israelischen Armee hatte die »Dignité« bereits in den frühen Morgenstunden am Dienstag, etwa 50 Seemeilen vor der Küste von Gaza, also in internationalen Gewässern. Man sei von vier israelischen Kriegsschiffen umringt, hieß es in einer Nachricht von Bord, drei kleineren und einem größeren Schiff.

    Sollte man den Anordnungen der Marine nicht Folge leisten und umkehren, werde das Schiff geentert, teilte die israelische Marine dem Kapitän der »Dignité« mit. Als dieser die Fahrt fortsetzte, folgten die israelischen Schiffe in kurzer Entfernung und enterten das Schiff kurz darauf. Der Piratenakt war von Generalstabschef Benny Gantz angeordnet worden. Zuvor war die Kommunikation mit der »Dignité« abgebrochen, nachdem Israel Funk- und Satellitenverbindungen gestört hatte.

    Das an Bord befindliche Filmteam des arabischen Nachrichtensenders Al Dschasira hatte offenbar zuvor noch ein kurzes Gespräch mit dem eigenen Reporter und mit Amira Hass übermittelt. Die Reporterin der israelischen Tageszeitung Haaretz bestätigte demnach, daß das Boot in internationalen Gewässern, etwa 50 Seemeilen von Gaza entfernt geentert werde.

    Eine Militärsprecherin sagte hingegen, das Schiff sei zwölf Seemeilen vor dem Küstenstreifen »übernommen« worden. Alles sei »ruhig« und »unspektakulär« abgelaufen, es habe »keine Verletzten« gegeben. Die Passagiere seien auf eines der Kriegsschiffe gebracht worden, wo ein Arzt sie untersucht und allen »gute Gesundheit« bescheinigt habe.

    Um die zu Luft und Land bestehende Belagerung des Gazastreifens zu vervollständigen, hatte Israel zunächst eine Sperrzone von drei Seemeilen vor Gaza verhängt, die sukzessive in den letzten Jahren bis auf zwölf Seemeilen vor der Küste ausgeweitet wurde. Israel begründet die Maßnahme mit dem »Schutz der eigenen Sicherheit«.

    Als am Montag bekannt wurde, daß die »Dignité« Kurs auf Gaza genommen hatte, bekräftigte der stellvertretende israelische Außenminister Danny Ayalon, sollte das Schiff auf dem Weg nach Gaza sein, »ist das ein Bruch des internationalen Seerechts und eine Provokation«. Man werde es aufhalten, aber dafür sorgen, »daß die Leute an Bord sich wie zu Hause fühlen werden«.

    Scharfe Kritik an dem israelischen Piratenakt kam von dem unabhängigen palästinensischen Abgeordneten Mustafa Barghouti aus Ramallah. Er forderte die internationale Gemeinschaft auf, das israelische Vorgehen gegen Schiffe in internationalen Gewässern zu verurteilen.

    Der Deutsche Koordinationskreis Palästina-Israel (KoPI) verurteilte die »hermetische Abriegelung von Gaza«. Angesichts einer »Staatengemeinschaft, die die israelische Politik der Besatzung und Abriegelung gewähren« lasse, sei »die Aktion der Zivilgesellschaft, die Blockade mit Schiffen zu durchbrechen, legitim«. Bundesregierung und Bundestag müßten endlich »konkrete Maßnahmen ergreifen«, damit die Blockade beendet werde. Konkret solle das EU-Assoziierungsabkommen mit Israel »konditioniert« ausgesetzt werden, bis das Land die Besatzung beende. Gefordert wird auch die »unverzügliche Einstellung der Rüstungskooperation« mit Konfliktparteien in der Region.

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    Informationsmonopol vorerst beim israelischen Militär – »Dignité«-Passagiere demnach bei guter Gesundheit

    Nach der Enterung der französischen Motoryacht »Dignité al Karama« vor der Küste des Gazastreifens sind das israelische Militär und seine »Embedded Journalists« vorläufig die einzigen Informationsquellen, die diesbezüglich zur Verfügung stehen.

    Als einziges Teilnehmerschiff der »Free Gaza«-Solidaritätsflottille war die »Dignité« am Samstag von Griechenland aus in See gestochen und hatte, anders als zunächst bekannt gegeben, Kurs auf Gaza genommen. Wohl wegen des am 1. Juli von Athen verhängten Auslaufverbots in Richtung Gaza hatte die Besatzung als Ziel Alexandria angegeben, war jedoch am Dienstagmorgen vor der Küste des palästinensischen Gazastreifens von israelischen Marineschiffen gestoppt worden.

    »Ohne Zwischenfälle«

    Die israelische Tageszeitung Yedioth Ahronoth berichtet auf ihrer englischsprachigen Internetseite, die »Dignité« sei etwa zwölf Seemeilen von der Küste entfernt gewesen, als das Militär den Passagieren mitgeteilt habe, sie sollten sich auf ein »ruhiges Entern« gefaßt machen, nachdem sie sich geweigert hätten, den Kurs zu ändern und einen israelischen Hafen anzulaufen. Generalstabschef Benny Gantz habe den Zugriff befohlen.

    Militärsprecher hätten die Operation als »unspektakulär« bezeichnet, sie sei ohne Zwischenfälle verlaufen und nach wenigen Minuten vorbei gewesen. An Bord befanden sich insgesamt 16 Aktivisten und Journalisten. Nach Angaben des israelischen Militärs wurden sie auf eines der Marineschiffe gebracht, wo ein Arzt sichergestellt habe, daß sie bei guter Gesundheit seien. Sie sollten in den südisraelischen Hafen Aschdod gebracht und verhört werden. 

    Zwölfmeilenzone oder außerhalb?

    Die Organisatoren der Flottille erklärten, die »Dignité« sei »im offenkundigen Verstoß gegen das Recht auf freie Fahrt auf offener See« in internationalen Gewässern nahe der Küste des Gazastreifens gekapert worden. Die Marineschiffe hatten demnach das französische Schiff bereits 50 Meilen vor der Küste eingekreist. »Erneut reagiert die israelische Regierung mit einer unverhältnismäßigen und inakzeptablen Machtdemonstration auf eine ausdrücklich friedliche Bürgerinitiative der Solidarität«, so die »Free Gaza«-Organisatoren.

    Die israelische Einwanderungsbehörde hat dem Bericht zufolge erklärt, die Aktivisten an Bord seien effektiv dabei gewesen, illegal nach Israel einzureisen. Sie würden folglich auch so behandelt und abgeschoben. In diesem Zusammenhang droht ihnen auch ein zehnjähriges Einreiseverbot.

    Das französische Außenministerium teilte laut Nachrichtenagentur AFP mit, es habe die israelischen Behörden informiert, daß es von ihnen im Umgang mit den Aktivisten ein »verantwortungsvolles und angemessenes« Verhalten erwarte. Im vergangenen Jahr hatte die israelische Marine beim Entern der ersten »Free Gaza«-Flottille außerhalb der Zwölfmeilenzone in internationalen Gewässern neun türkische Aktivisten getötet. 

    (jW)

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    »Dignité« wird in den Hafen von Aschdod gebracht

    Tel Aviv. Nachdem die französische Motoryacht »Dignité al Karama« am späten Vormittag vor der Küste des Gazastreifens von der israelischen Marine geentert wurde, soll sie nun in den Hafen von Aschdod gebracht werden. Dies teilten die israelischen Streitkräfte mit.

    Der südisraelische Hafen ist nach Informationen australischer Zeitungen zum militärischen Sperrgebiet erklärt worden. Die 16 festgenommenen Aktivisten und Journalisten an Bord der »Dignité« können demnach vorerst nicht von den Botschaften ihrer Heimatländer betreut werden.

    Am Vormittag hatten vier Marineschiffe etwa 50 Meilen vor Gaza die »Dignité al Kamara« umringt, die am Samstag in Griechenland abgelegt hatte. Ein Sprecher der israelischen Streitkräfte sagte, die Marine habe vor der Enterung Kontakt mit dem Schiff aufgenommen. Der Besatzung sei mitgeteilt worden, daß sie sich auf dem Weg in gesperrte Gewässer befände. Bei der Enterung hätten die Aktivisten an Bord keinen Widerstand geleistet.

    Ursprünglich sollte sich die »Dignité« bereits Ende Juni mit anderen Teilnehmerschiffen der »Free Gaza«-Flottille auf internationalen Gewässern treffen, um Hilfsgüter in den Gazastreifen zu bringen und gewaltfrei das Ende der israelischen Blockade zu erreichen. Zum überwiegenden Teil liegen die Schiffe immer noch in griechischen Häfen. Nach tagelangen Verzögerungen hatte die griechische Regierung am 1. Juli auf Druck Israels ein Auslaufverbot für Schiffe nach Gaza verhängt. (dapd/jW)

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    Israelische Marine entert Schiff der »Free Gaza«-Aktivisten

    Tel Aviv. Die israelischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben das  französische Schiff »Dignité« vor der Küste des Gazastreifens geentert. Die an Bord befindlichen Personen hätten keinen Widerstand geleistet, hieß es. (dapd/jW)



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    »Dignité« von israelischen Militärbooten umringt

    Das französische Schiff »Dignité« befindet sich offenbar kurz vor Gaza und ist von drei israelischen Militärbooten und einem größeren Schiff der israelischen Marine umringt. Dies meldete die »Free Gaza«-Bewegung um zehn Uhr morgens auf ihrer Internetseite. Das Militär droht demnach, die »Dignité« zu entern, sollte sie versuchen, die Küste des Gazastreifens anzulaufen.

    Nach Informationen der israelischen Tageszeitung Haaretz war die »Dignité« noch etwa 50 Meilen von der Küste entfernt, als sie von den Israelis eingekreist wurde.

    Die französische Motoryacht hat es bisher als einziges Teilnehmerschiff der »Free Gaza«-Flottille geschafft, sich dem Ziel zu nähern, nachdem die griechische Regierung am 1. Juli ein Auslaufverbot für Schiffe nach Gaza verhängt hat.

    Die Teilnehmer an Bord der Schiffe wollten auf dem Seeweg Hilfsgüter für die palästinensische Bevölkerung nach Gaza bringen und mit friedlichen Mitteln die Aufhebung der israelischen Blockade erreichen. An Bord der »Dignité« befinden sich 16 Aktivisten und Journalisten, darunter auch eine Haaretz-Korrespondentin. (jW)

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    »Gaza, wir kommen!«

    Karin Leukefeld

    Französische »Dignité« hat am Samstag griechischen Hafen verlassen

    Gaza, wir kommen!« Mit dieser Botschaft ist das französische Boot »Dignité/Karam« (Würde) seit Samstag morgen auf dem Weg in den von Israel belagerten Gazastreifen.

    Das Schiff ist Teil der Free-Gaza-II-Flotte »Mensch bleiben« (Stay Human). Ursprünglich wollten zehn Schiffe mit Hilfsgütern und 300 Aktivsten aus 22 Ländern nach Gaza fahren, um gegen die anhaltende Belagerung des Küstenstreifens zu protestieren.

    Israel hatte seit Bekanntwerden der Aktion darauf hingearbeitet, die Fahrt der Boote zu verhindern. Unter anderem hatte es behauptet, die Schiffe hätten chemische Waffen geladen.

    Obwohl nichts gefunden wurde, hinderte die griechische Küstenwache die Boote am Auslaufen. Das Angebot Griechenlands, die Hilfsgüter durch Kanäle der Vereinten Nationen über Israel in den Gazastreifen transportieren zu lassen, wurde von der Koordination palästinensischer Nichtregierungsorganisationen abgelehnt.

    Am Samstag morgen hatte die Dignité ungehindert den Hafen Kastellorizo auf der gleichnamigen Insel verlassen, die als östlichste griechische Insel nur drei Kilometer vom türkischen Festland entfernt liegt. Der Bürgermeister der Insel, Paul Panigiris, wurde in Gaza geboren und erklärte sich solidarisch mit dem Anliegen der Aktivisten.

    Offiziell hat das Schiff Kurs auf den Hafen Alexandria in Ägypten genommen. An Bord sind Aktivisten aus Kanada, Griechenland, Frankreich und Schweden sowie Journalisten des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira und der israelischen Haaretz. In einer Erklärung hieß es, die israelische Regierung und die belagerten Menschen in Gaza sollten wissen, daß die »Bewegung Freiheit für Gaza« nicht aufgeben werde, bis die Belagerung aufgehoben sei.

    Ein Fischerboot mit drei Friedensaktivisten ist am Samstag von der israelischen Marine vor dem Hafen von Gaza beschossen worden. Die Insassen hatten versucht, außerhalb der von Israel verhängten Drei-Meilen-Sperrzone Geräte eines anderen Bootes aufzunehmen, das von der israelischen Marine zuvor versenkt worden war.

    In der Nacht zum Sonntag hat die israelische Luftwaffe erneut ein Wohngebiet bei Beit Hanoun im Gazastreifen bombardiert. Unter den sieben Verletzten befinden sich laut Agenturberichten vier Kinder. In den letzten vier Tagen hat Israel den Gazastreifen jeden Tag angegriffen, nach offiziellen Angaben eine Reaktion auf Raketen, die von dort abgeschossen werden.

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    »Dignité« und »Juliano« wollen nach Alexandria

    Wie die Initiative »Ship to Gaza« mitteilt, haben zwei Schiffe der Gaza-Freiheitsflottille bei den griechischen Behörden beantragt, nach Alexandria, Ägypten, auslaufen zu dürfen. Dabei handelt es sich um die französische »Dignité - Al-Karame« und die schwedisch-griechisch-norwegische »Juliano«.

    Die »Juliano« wird von den Behörden nach wie vor im Hafen von Iraklion festgehalten, nachdem in der vergangenen Woche offenbar Probleme im Zusammenhang mit der Flagge aufgetaucht waren, unter der das Schiff läuft. Diese Probleme seien jetzt gelöst worden, teilt die Initiative mit, so daß einem Auslaufen eigentlich nichts mehr im Wege stehen dürfe. Die »Dignité« ihrerseits erreichte am gestrigen Donnerstag Kastelorizo und will von dort nach Alexandria fahren. »Der weitere Kurs der Schiffe wird in Alexandria entschieden werden«, teilen die Organisatoren mit.

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    Die »Gernika« ist frei!

    Die »Gernika«
    Die »Gernika«

    Mit der über eine Woche dauernden Besetzung der spanischen Botschaft in Athen und ihrem am Montag begonnenen Hungerstreik haben sich die Aktivisten der spanischen Kampagne »Rumbo a Gaza« (Kurs auf Gaza) durchgesetzt. Heute morgen haben die griechischen Hafenbehörden der »Gernika« die Genehmigung zum Auslaufen erteilt. Nach Angaben der Kampagne wird das Schiff zunächst nach Spanien zurückkehren.

    Die Besetzung der diplomatischen Vertretung des Königreichs in der griechischen Hauptstadt und der Hungerstreik wurden daraufhin beendet. »Das war ein Sieg der Zivilgesellschaft gegen das Schweigen und die fehlende Unterstützung unserer Regierung«, freute sich Manuel Tapial, einer der Koordinatoren der Kampagne an Bord des Schiffes. »Letzten Endes hat sich der Druck ausgezahlt. Wir haben trotz Israel, Griechenland und der Regierung Spaniens erreicht, daß die Gewässer des Mittelmeers wieder für alle befahrbar sind.«

    Auch wenn die Flottille ihr eigentliches Ziel, Hilfsgüter in den Gazastreifen zu bringen, nicht erreicht habe, so sei es doch gelungen, die anhaltende israelische Blockade des Gebiets und die Lage des palästinensischen Volkes wieder auf die internationale Agenda zu setzen. Nach der wochenlangen Anspannung seien alle Aktivisten nun sehr müde. Der nächste Schritt sei deshalb, mit der »Gernika«, die »zu einem authentischen Symbol des Friedens im Mittelmeer« geworden sei, nach Hause zurückzukehren. (jW)


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    Wo sind die Schiffe?

    US-Schiff The Audacity of Hope
    US-Schiff The Audacity of Hope

    Die Schiffe der zweiten Gaza-Freiheitsflottille werden nach wie vor in Griechenland, vor allem in Häfen auf der Insel Kreta, festgehalten. Ann Wright von der nordamerikanischen Kampagne »US Boat to Gaza«, die mit der »Audacity of Hope« Hilfsgüter in den von Israel blockierten Gazastreifen bringen wollte, hat am vergangenen Wochenende eine Übersicht erarbeitet.

    Ihr eigenes Schiff, die »Audacity of Hope«, liegt an der Anlegestelle der Küstenwache im Hafen von Keritsini und wartet dort auf kleiner Reparaturen sowie eine weitere Inspektion durch die griechischen Behörden. »Sobald wir einen neuen Kapitän haben, werden wir eine Reisegenehmigung beantragen, um diesen Hafen zu verlassen. Es gibt aber noch keine Entscheidungen, wann und wohin dies sein wird«, schreibt Wright. Die US-Amerikaner nutzten in der vergangenen Woche einen Empfang in der Residenz des US-Botschafters in Athen aus Anlaß des Nationalfeiertages am 4. Juli für eine Protestaktion gegen das Festhalten ihres Schiffs.

    Die französische »Dignité« liegt in dem kleinen Hafen Sitia. Offenbar wurde ihr von den griechischen Behörden die Ausfahrt nach Rhodos genehmigt. Sie konnte allerdings aufgrund der schlechten Wetterbedingungen noch nicht auslaufen.

    Der französische Zweimaster Louise Michel wartet in Piräus auf weitere Inspektionen durch die griechischen Behörden.

    An der kanadischen »Tahrir« werden im Hafen von Agia Nikolaos die Schäden repariert, die die griechische Küstenwache bei der Kaperung des Schiffs angerichtet hat. Sobald die Reparaturen abgeschlossen und weitere Inspektionen erfolgt sind, will auch die »Tahrir« erneut eine Auslaufgenehmigung beantragen.

    »Juliano« heißt das griechisch-schwedisch-norwegische Schiff, das in der vergangenen Woche tagelang von einem griechischen Hafen zum nächsten fuhr, ständig verfolgt von Booten der Küstenwache. Derzeit liegt die »Juliano« in Iraklion.

    Die »Gernika« aus Spanien wird mit nicht enden wollenden Inspektionsforderungen durch die Behörden im Hafen von Kolimpary festgehalten, ebenfalls bewacht von Patrouillenbooten der Küstenwache. Aus Protest dagegen und gegen das Schweigen der spanischen Regierung halten Aktivisten der Kampagne »Rumbo a Gaza« seit einer Woche die spanische Botschaft in Athen besetzt. Seit Montag befinden sich außerdem sechs von ihnen in einem unbefristeten Hungerstreik.

    In Korfu liegt die italienisch-niederländische »Stefano Chiarim« und wird ebenfalls durch ständige Inspektionsforderungen aufgehalten.

    Nicht nur festgehalten, sondern auch ein Opfer von Sabotage wurde die irische »Saoirse« im türkischen Hafen Göcek. Schon am 30. Juni mußte sie deshalb mitteilen, daß sie nicht an der Flottille teilnehmen könne.

    Ein griechisch-schwedisches Frachtschiff sollte Zement in den Gazastreifen bringen. Die Firma, mit der die Lieferung dieses Baustoffs vereinbart worden war, kündigte in der vergangenen Woche jedoch ohne Angabe von Gründen den Kaufvertrag. (jW)

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    Pyrrhus-Sieg Israels

    Peter Wolter

    Auf den ersten Bick sieht es so aus, als habe Israel erfolgreich die jüngsten Proteste gegen seine Palästina-Politik abgeblockt: Die zehn Schiffe der zweiten Gaza-Flottille stecken weiter in Griechenland fest, und von den »Airway-Demonstranten«, die am Freitag mit einem massenweisen »Fly-In« nach Israel ihre Weiterreise nach Palästina erzwingen wollten, sind nur wenige Dutzend durchgekommen.

    Wirft man aber einen zweiten Blick auf die Vorkommnisse der vergangenen Woche, stellt man fest, daß der erste täuscht. Dank der PR-Arbeit der Flottillen-Planer haben die Medien in Nordamerika, Skandinavien, West- und Südeuropa, Rußland – und die der muslimischen Welt sowieso – breit berichtet, wie Israel die mit gewaltlosen Pazifisten bemannte Flotte behindert hat: mit Sabotage, Propagandalügen, Spaltungsversuchen. Einige hunderttausend Menschen mehr als bisher wissen jetzt genauer, wo Menschenrechte ebenso mißachtet werden wie internationale Vereinbarungen.

    Offenbar wurde auch diplomatische Erpressung angewandt – anders läßt sich nicht erklären, daß das bislang palästinafreundliche Griechenland sich mit seinem völkerrechtswidrigen Auslaufverbot zum Komplizen der Gaza-Blockade macht. Wie Griechenlands Regierung mitteilte, besucht Ministerpräsident Andreas Papandreou in wenigen Tagen Israel. Er wird dort Premier Benjamin Netanjahuhs Dank entgegennehmen – mindestens.

    Die schrillen Reaktionen Israels und seiner Parteigänger im Westen zeigen eins: Tel Aviv schwimmen die Felle davon – nicht zuletzt aufgrund der sozialen Veränderungen in verschiedenen arabischen Staaten. Kein Wunder daher, daß es im israelischen Sicherheitsapparat offenbar Risse gibt: Während einige »Experten« versuchten, die Behauptung zu entkräften, die Palästina-Aktion sei eine terroristische Bedrohung, gefielen sich andere darin, mit immer neuen Horrorszenarien Öl ins Feuer zu gießen.

    Welche Daumenschrauben Griechenland angelegt wurden, wissen wir nicht. Auf jeden Fall hat der Ruf seiner Regierung Schaden genommen: Nachdem sie sich die griechische Innenpolitik schon von Ackermann, Merkel & Co. vorschreiben läßt, holt sie jetzt ihre außenpolitischen Direktiven offenbar in Tel Aviv und Washington ein.

    Bei der griechischen Bevölkerung kommt das überhaupt nicht gut an. Gegen das Auslaufverbot gab es in vielen Häfen spontane Demonstrationen, und nicht wenige Soldaten und griechische Hafenbeamte entschuldigten sich bei den Teilnehmern der Flottille dafür, daß sie diese nicht auslaufen lassen durften.

    Aber Israel sollte sich nicht zu früh freuen: Die dritte Flottille ist offenbar schon in Planung, es geht wohl auch ohne Papandreou. Die Organisatoren der kanadischen »Tahrir« gaben am Sonntag bekannt, daß sie für dieses Mal aufgeben, daß sie aber den nächsten Anlauf schon vorbereiten – das Schiff liegt ausgerüstet an der Pier.

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    Hungerstreik gegen die Blockade

    André Scheer

    Sechs spanische Aktivisten der zweiten Gaza-Freiheitsflottille, die seit fast einer Woche die Botschaft ihres Landes in Athen besetzt halten, wollen am Montag mittag einen unbefristeten Hungerstreik beginnen. Mit ihrer Aktion protestieren sie nicht nur gegen die Weigerung der griechischen Behörden, ihr Schiff »Gernika« doch noch auslaufen zu lassen, sondern auch gegen die Haltung der Regierung in ­Madrid, die ihnen in einer Note »aus der höchsten Ebene des Außenministeriums« mitgeteilt habe, daß sie nicht daran denke, öffentlich irgendwelche Verpflichtungen zugunsten des spanischen Schiffs der Gaza-Flottille einzugehen. Rafael Palacios, Elvira Souto, Antón Gómez-Reino, Diego Cañamero, Miguel San Miguel und Mikel Zuloaga wollen nun so lange die Nahrungsaufnahme verweigern und die diplomatische Vertretung besetzt halten, bis Athen die »Gernika« freigibt.

    Die »Tahrir« hat unterdessen endgültig ihre Versuche aufgegeben, nach Gaza in See zu stechen. In einer Erklärung unter der Überschrift »Die Tahrir wird wieder fahren« kündigen Mannschaft und Passagiere des kanadischen Schiffs an, sich an einer »Neugruppierung« der Boote zu beteiligen und »mit Planungen für die nächste Phase der Freiheitsflottille (zu) beginnen«. Weiter heißt es in dem Text: »Zwei Boote der Freiheitsflottille – die Juliano (Griechenland/Schweden/Norwegen) und die ­Dignité-Karama (Frankreich) – versuchen in diesen Augenblicken noch, die Gaza-Blockade in Griechenland zu brechen, und sie haben unsere volle Solidarität.« Diese beiden Schiffe hielten sich am Sonntag bei Kreta auf. Während die »Juliano« nach einem Tankaufenthalt in der Inselhauptstadt Iraklion von den dortigen Behörden festgehalten wurde, verweigerten diese dem französischen Schiff, auf dem sich auch der Linkspolitiker Olivier Besancenot befindet, das Anlegen in einem kretischen Hafen.

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    Eingeflößtes Gedächtnis

    Uri Avnery
    Demonstration am Kontrollpunkt Kalandia zwischen Ramallah und Je
    Demonstration am Kontrollpunkt Kalandia zwischen Ramallah und Jerusalem

    Seit mehreren Wochen befinden sich unsere Armee und Marine in einem hohen Alarmzustand, um tapfer eine tödliche Bedrohung unserer bloßen Existenz zu verhindern: Zehn kleine Boote versuchen, Gaza zu erreichen. In den Booten sitzt eine gefährliche Bande bösartiger Terroristen, in Person älterer Veteranen aus Friedenskampagnen bestehend.

    Benjamin Netanjahu hat unsere unerschütterliche Entschlossenheit, unser Land zu verteidigen, bestätigt: Wir werden niemanden die Blockade brechen lassen, um Raketen zu den Terroristen in Gaza zu schmuggeln, die sie dann abfeuern, um unsere unschuldigen Kinder zu töten.

    Dies ist sogar für Netanjahu eine Art Rekordleistung: Kein einziges Wort ist wahr. Die Flottille transportiert keine Waffen – die Vertreter respektierter internationaler Medien in den Booten versichern uns dies. Ich denke, wir können uns auch auf den Mossad verlassen, der wenigstens in jedes Boot einen Agenten setzt (Wofür zahl ich schließlich meine Steuern?). Die Hamas hat seit langem keine Raketen abgeschossen – sie hat sehr gute eigene Gründe, sich an das inoffizielle »Tahdijeh« (»Ruhe«)-Abkommen zu halten.

    Wenn der Flottille erlaubt worden wäre, Gaza zu erreichen, hätte es für ein paar Stunden Nachrichten gegeben – und das wäre es dann gewesen. Israels totale Mobilisierung, das Training der Marinekommandos, um die Boote abzufangen, die Sabotageakte, die in griechischen Häfen ausgeführt wurden, der immense politische Druck, den Israel und die USA auf das arme, bankrotte Griechenland ausgeübt haben – all dies hat diese kleine Initiative wochenlang in den Nachrichten gehalten und so die Aufmerksamkeit auf die Blockade des Gazastreifens gezogen.

    Wofür ist diese Blockade gut? Es gibt bis jetzt keinen feststellbaren Grund, falls es je einen gegeben hat. Um die Bevölkerung zu terrorisieren, damit sie die Hamas-Regierung stürzt, die Siegerin von demokratischen Wahlen? Nun, das hat ja nichts geholfen? Die Hamas zu zwingen, ihre Bedingungen für einen Gefangenenaustausch zu verändern, der Gilad Schalit freikommen ließe? Auch das kam nicht zustande. Den Waffenschmuggel in den Gazastreifen verhindern? Die Waffen kommen ungestört durch einen der hundert Tunnel aus Ägypten, falls wir glauben, was uns unsere Armee erzählt. Also welchem Zweck dient die Blockade? Keiner scheint es zu wissen. Aber es ist der Fels unserer Existenz. Das ist klar. (...)

    Dasselbe gilt auch für die Aktionen von Freitag: der Ankunft von internationalen Friedensaktivisten am Ben-Gurion-Flughafen. Alles, was sie wollten, ist, nach Bethlehem und nach Gaza gehen, das nur dadurch erreicht werden kann, daß man israelisches Gebiet überquert. Fast tausend Polizeioffiziere wurden mobilisiert, um der Bedrohung zu begegnen. Am Ende wurden sie schon in den ausländischen Flughäfen auf Befehl Israels aufgehalten. Kaum einer kam am Ben-Gurion-Flughafen an. All dies sind automatische Reflexreaktionen. Wir müssen stark sein. Überall lauern tödliche Gefahren. Israel muß sich selbst verteidigen. Sonst gibt es einen zweiten Holocaust. Sozialer Druck Dies ist ein interessantes Phänomen: Die Leute sehen auf ihren Bildschirmen unschuldig aussehende ältere Menschenrechtsaktivisten und glauben, sie sähen gefährliche Provokateure, weil die Regierung und die meisten Medien ihnen das so sagen. (...) Wie können Leute ihren eigenen Augen nicht trauen, sondern den Augen anderer?

    In dieser Woche bekam ich eine E-Mail von einem Mann, der sich an etwas aus der Zeit erinnerte, als er ein Schüler meiner verstorbenen Frau Rachel in der ersten Klasse war. Rachel bat ihn, er solle seine rechte Hand heben. Als der Junge dies tat, sagte Rachel: »Nein, nein, das ist deine linke Hand!« Sie wandte sich an die anderen Kinder und fragte sie, welche Hand ist das. Ihrer Lehrerin folgend, riefen sie wie mit einer Stimme: »Die Linke, die Linke!« Als der Junge dies sah, wurde er unsicher. Schließlich gab er zu: »Ja, es ist die Linke.« »Nein, du hattest zuerst recht!« versicherte Rachel ihm. »Laßt euch allen dies eine Lehre sein: wenn ihr meint, recht zu haben, besteht darauf. Ändert nie eure Ansicht, weil Leute das Gegenteil behaupten.«

    Ganz zufällig sah ich, kurz nachdem ich diese Aussage gelesen hatte, im Fernsehen die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Untersuchung von israelischen Forschern über »eingeflößtes Gedächtnis«. Ihre Experimente zeigen, daß Leute, die etwas mit eigenen Augen gesehen haben, denen aber von anderen gesagt wird, sie hätten etwas anderes gesehen, damit beginnen, ihr eigenes Gedächtnis zu unterdrücken und »sich an das erinnern«, was andere angeblich gesehen haben. Neurologische Forschung zeigte dann, daß dies tatsächlich im Gehirn geschieht und gesehen werden kann: Die eingebildete Erinnerung ersetzt die wirkliche. Sozialer Druck hat dies bewirkt: Die eingebildete Erinnerung ist wirkliche Erinnerung geworden.

    Ich bin davon überzeugt, daß dies sogar noch mehr für eine ganze Nation gültig ist, die natürlich aus Individuen zusammengesetzt ist. Ich habe dies viele Male beobachtet. Zum Beispiel: Elf Monate vor dem ersten Libanon-Krieg (1982 – d. Red.) war kein einziger Schuß aus dem Libanon nach Israel abgefeuert worden. Gegen alle Erwartung war es Jassir Arafat gelungen, eine totale Feuerpause sogar bei seinen palästinensischen Gegnern zu erreichen. Doch nachdem Ariel Scharon den Krieg begonnen hatte, »erinnerten« sich praktisch alle Israelis deutlich, daß die Palästinenser jeden einzelnen Tag über die Grenze geschossen und so das Leben in Israel zur Hölle gemacht hätten. Ich nenne dies »umgedrehten Parkinson« – während Patienten mit fortgeschrittenem Parkinson sich nicht an Dinge erinnern, die geschehen sind, erinnern sich diese Patienten an Dinge, die nie geschehen sind.

    Es gibt eine psychische Krankheit, die man »Paranoia vera« nennt. Patienten nehmen eine verrückte Vermutung an – z.B. »Jeder haßt mich« – und dann bauen sie eine komplizierte Struktur rund herum. Jede kleinste Information, die dies zu unterstützen scheint, wird eifrig aufgenommen; alles, was dem widerspricht, wird unterdrückt. Alles wird so interpretiert, daß es die erste Vermutung bestärkt. Das Muster ist streng logisch – je vollständiger und je logischer die Struktur ist, um so ernster ist die Krankheit. Zu den begleitenden Symptomen gehören streitlustiges Verhalten, wiederkehrende Verdächtigungen, Trennung von der realen Welt, Verschwörungstheorien und Narzißmus. Es scheint, daß ganze Nationen Opfer dieser Krankheit werden. Die unsrige hat sie sicher. Wirkliche Feinde Die ganze Welt ist gegen uns. Jeder ist darauf aus, uns zu zerstören. Jeder Schritt ist für unsere bloße Existenz eine Bedrohung. Jeder, der die israelische Politik kritisiert, ist ein Antisemit oder ein selbsthassender Jude. Selbst wenn wir etwas Gutes tun, wendet es sich gegen uns. Bestätigung: »Wir verließen den Gazastreifen und lösten dort sogar unsere Siedlungen auf, und was bekamen wir dafür? Kassam-Raketen!« (Egal, ob Scharon sich weigerte, den Gazastreifen einer palästinensischen Körperschaft zu übergeben – und eine Leere hinterließ. Er schnitt ihn von der Welt ab und machte ihn zu einem großen Gefängnislager.) Bestätigung: »Nach Oslo bewaffneten wir Arafats Sicherheitskräfte, und sie wandten ihre Waffen gegen uns!« (Egal, daß wir unseren Verpflichtungen nach den Oslo-Abkommen nie erfüllt haben, daß die Besatzung immer schlimmer wurde und daß die Siedlungen auf palästinensischem Land sprunghaft gewachsen sind. Die palästinensischen Sicherheitskräfte haben nie gegen Israel gehandelt.) Bestätigung: »Wir zogen uns aus dem Südlibanon zurück, und was bekamen wir dafür? Die Hisbollah und den zweiten Libanon-Krieg!« (Egal, daß die Hisbollah als Reaktion auf eine 18 Jahre lange Besatzung entstand, und daß wir selbst den zweiten Libanon-Krieg (2006 – d. Red.) nach einem kleinen Grenzzwischenfall angefangen haben.)

    Es ist gesagt worden, daß Paranoiker auch wirkliche Feinde haben. Das Problem ist, daß Paranoide durch ihr offensives und mißtrauisches Verhalten sich mehr und mehr wirkliche Feinde schaffen.

    Der Slogan »Alle Welt ist gegen uns« mag leicht als eine sich selbst erfüllende Prophetie funktionieren. Israel ist nicht das einzige Land, das an dieser Krankheit leidet. In einer bestimmten Zeit litten die Deutschen auch an dieser Krankheit. Auch die Serben. Und bis zu einem bestimmten Grad auch die USA und viele andere. Leider ist der Preis der Paranoia sehr hoch. Darum laßt uns anfangen, uns wie gesunde Menschen zu verhalten. Laßt die kleinen Boote nach Gaza segeln. Laßt die am Ben-Gurion-Flughafen ankommenden Aktivisten nach Palästina fahren und Oliven pflücken, wenn es das ist, was sie wollen. Selbst wenn wir uns wie eine normale Nation verhalten, wird Israel weiter existieren. Dies verspreche ich!

    Aus dem Englischen: Ellen Rohlfs; vom Verfasser autorisiert. Der Text wurde redaktionell gekürzt.

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    Aktionen gehen weiter: Die nächste Flottille komt bestimmt!

    Die Teilnehmer der Free-Gaza-Flottille auf dem kanadischen Boot »Tahrir« veröffentlichten am Sonnabend folgende Mitteilung: Wir halten daran fest, zu Wasser, in der Luft, an Land und in den Medien aufzutreten, bis die Blockade zusammenbricht und Palästina frei ist. (…) Israel mag seinen Weg zu den Entscheidungsträgern in Regierungen und multinationalen Konzernen weltweit erkaufen, durch Bestechung und Schikane freiräumen, Palästina hat aber einen sicheren Platz in den Herzen aller freiheitsliebenden Menschen der Welt. Diese Menschen sind die Mehrheit und sie werden letztlich entscheiden.

    Zwei Boote der Freiheitsflottille – die »Juliano« (Griechenland/Schweden/Norwegen) und die »Dignité-Karama« (Frankreich) – versuchen in diesen Augenblicken noch, die Gaza-Blockade in Griechenland zu brechen, und sie haben unsere volle Solidarität.

    Andere Boote, einschließlich der »Tahrir«, werden sich neu gruppieren und mit Planungen für die nächste Phase der Freiheitsflottille beginnen.

    Trotz drei Wochen bürokratischer, politischer und militärischer Hindernisse blieb eine entschiedene und unterschiedliche Delegiertengruppe aus vielen Ländern an Bord in jedem Sinn des Wortes, und Tausende virtueller Delegierter hier in Kanada und anderswo wurden mobilisiert, organisiert und unterrichteten die Welt über Gaza. Im Ergebnis dieser Kampagne, einschließlich der Medienberichte, die wir erreichten, ist die Bewegung für ein freies Palästina breiter, sichtbarer und entschlossener denn je.

    Wir bleiben der gewaltfreien Unterstützung für die Palästinenser in der Bewegung zur Beendigung der Blockade verpflichtet.

    Die »Tahrir« wird wieder fahren. Bleibt menschlich.

    www.tahrir.ca

    Die Teilnehmer der Solidaritätsinitiative »Rumbo a Gaza – Kurs auf Gaza«, die in der spanischen Botschaft in Athen aus Protest gegen das griechische Auslaufverbot für das Schiff »Gernika« ausharren, erklärten am Sonnabend:
    Wir haben über den Botschafter eine offizielle Mitteilung von höchster Ebene des Ministeriums für Auswärtige Beziehungen und Kooperation erhalten, in der uns die Entscheidung mitgeteilt wird, keinerlei öffentliche Verpflichtung im Zusammenhang mit der Freilassung der »Gernika« einzugehen. (…)

    Seit dem Beginn der Einschließung in der diplomatischen Vertretung haben wir aus der Zivilgesellschaft und von den Institutionen zahlreiche Unterstützung erhalten. (…) Von hier aus erklären wir unsererseits unsere Absicht, in der Botschaft zu bleiben und ab Montag, 11. Juli, um 12.00 Uhr einen Hungerstreik zu beginnen, bis es eine feste Verpflichtung des Außenministeriums gibt, Druck auf die griechische Regierung auszuüben, damit diese die »Gernika« freiläßt.

    (jW)

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    Spanische Aktivisten beginnen Hungerstreik

    Sechs der spanischen Aktivisten, die seit Tagen aus Protest gegen das Festhalten ihrer »Gernika« in griechischen Häfen die spanische Botschaft in Athen besetzt halten, haben angekündigt, am Montag einen Hungerstreik gegen das Schweigen ihrer Regierung zu beginnen. Das teilte die Kampagne »Rumbo a Gaza« (Kurs auf Gaza) auf ihrer Homepage mit. Die Aktivisten sind entschlossen, so lange die Nahrungsaufnahme zu verweigern, bis ihr Schiff ungehindert auslaufen darf.

    Die sechs Hungerstreikenden sind Rafael Palacios, Elvira Souto, Antón Gómez-Reino, Diego Cañamero, Miguel San Miguel und Mikel Zuloaga, Sie weisen darauf hin, daß die »Gernika« alle rechtlichen Anforderungen für ihr Auslaufen erfüllt habe. Das selbe gelte für die Passagiere und die Besatzung. Ihr Protest richtet sich auch gegen die Regierung in Madrid, die bislang nicht gegen die Behinderung von spanischen Staatsbürgern protestiert hat. Deshalb besetzten sie am vergangenen Dienstag die diplomatische Vertretung des Königreichs in der griechischen Hauptstadt. Dort haben die zum Hungerstreik entschlossenen Aktivisten eine Erklärung veröffentlicht, in der es heißt:

    »Die Personen der Solidaritätsinitiative Rumbo a Gaza, die in der spanischen Botschaft in Athen ausharren, um die Freilassung des Schiffs 'Gernika' zu erreichen, das zur zweiten Freiheitsflottille gehört und im Hafen von Kolymvari auf der Insel Kreta festgehalten wird, erklären:

    Wir haben über den Botschafter eine offizielle Mitteilung von höchster Ebene des Ministeriums für Auswärtige Beziehungen und Kooperation erhalten, in der uns die Entscheidung mitgeteilt wird, keinerlei öffentliche Verpflichtung im Zusammenhang mit der Freilassung der 'Gernika' einzugehen.

    Auf eine so grundlegende, demokratische und legale Petition wie die, frei mit der aus Spenden Tausender Bürgerinnen und Bürger des spanischen Staates finanzierten 'Gernika' fahren zu dürfen, antwortet uns das Außenministerium mit einer autoritären Erklärung, die das Fehlen von Sensibilität für die Verteidigung der Interessen der Bürgerinnen und Bürger des spanischen Staates enthüllt. Zugleich zeigt es in seiner Strategie der Unterstützung der radikalsten Teile des Zionismus keinerlei Interesse daran, die humanitäre Notsituation zu lösen, in der sich die palästinensische Bevölkerung befindet.

    Seit dem Beginn der Einschließung in der diplomatischen Vertretung haben wir aus der Zivilgesellschaft und von den Institutionen zahlreiche Unterstützung erhalten. Hilfen und Demonstrationen, die sicherlich verstärkt werden, wenn die autoritären Formen bekannt werden, mit denen der spanische Staat auf seine Bürgerschaft antwortet.

    Von hier aus erklären wir unsererseits unsere Absicht, in der Botschaft zu bleiben und ab Montag, 11. Juli, um 12.00 Uhr einen Hungerstreik zu beginnen, bis es eine feste Verpflichtung des Außenministeriums gibt, Druck auf die griechische Regierung auszuüben, damit diese die 'Gernika' freiläßt.« (jW)

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    Von Ägypten nach Gaza?

    Die ägyptische Tageszeitung »Al-Masry Al-Youm« hat die Behörden ihres Landes aufgerufen, die Gaza-Freiheitsflottille einzuladen, von ägyptischen Häfen aus nach Palästina zu fahren. Dazu soll es in dem Land auch eine öffentliche Kampagne geben. Das Blatt fordert, daß das »revolutionäre Ägypten« an seine Aktivitäten der Vor-Mubarak-Zeit anknüfen müsse. Dafür seien die Öffnung des Grenzübergangs Rafah zum Gazastreifen sowie die auf ägyptische Vermittlung erreichte Versöhnung der palästinensischen Fraktionen gute Zeichen.

    »Während wir glauben, daß die Freiheitsflottille II aus logistischen Gründen besser von Ägypten aus fahren könnte, denken wir auch, daß eine solche Entscheidung eine starke politische Botschaft darstellen würde. Dies ist außerdem unsere Chance, die beschämende politische Geschichte der ägyptischen Unterstützung der Blockade, besonders während Israels Krieg gegen den Gazastreifen, bei dem mehr als 1000 Palästinenser - zumeist Zivilisten - ihr Leben verloren, umzuschreiben.«

    Unterdessen hat die Besatzung der »Tahrir«, die noch immer in Agios Nikolaos auf Kreta festgehalten wird, offenbar die Hoffnung aufgegeben, doch noch in See stechen zu können. Wie der für den kanadischen »Toronto Star« von Bord berichtende Jim Rankin in seinem Blog mitteilt, sei vor allem der Kapitän von dem anhaltenden Papierkrieg durch die griechischen Behörden entnervt. Nach einer erneuten Inspektion am gestrigen Freitag sei deutlich geworden, daß sich eine Abfahrt des Schiffes, dessen Beschädigungen offenbar doch nicht so groß sind, wie zunächst befürchtet worden war, erneut um zumindest zwei Tage verzögern würde. Es sei außerdem absehbar gewesen, daß die griechischen Behörden danach neue Hindernisse aufgetürmt hätten.

    »Es war ein guter Durchgang, und wir werden wieder fahren«, erklärte dazu dem Reporter zufolge David Heap vom Koordinierungskomitee. Die endgültige Entscheidung soll offenbar am Sonnabend um 16 Uhr Ortszeit bei einem Treffen der Teilnehmer getroffen werden. (jW)

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    »Dignité« nimmt wieder Kurs auf

    Gute Nachricht über Twitter
    Gute Nachricht über Twitter

    Vor wenigen Minuten meldeten die Organisatoren der Gaza-Freiheitsflottille, daß die am Mittwoch von den griechischen Behörden festgesetzte französische »Dignité Al Karama« den Hafen von Sitia auf Kreta verlassen hat. Nähere Informationen zu den Umständen und zum Ziel des Schiffs liegen bislang nicht vor.



    Gegen 22.00 Uhr hatte die Homepage der Kampagne, www.freedomflotilla.eu, noch gemeldet, daß die griechischen Behörden allen Schiffen der Freiheitsflottille, die in Häfen in Kreta vor Anker lagen, das Auslaufen verboten hätten, um ein Zusammentreffen mit der »Juliano« zu verhindern. Diesem schwedisch-griechisch-norwegischen Schiff war es seinerseits verboten worden, einen zivilen Hafen an der griechischen Insel anzulaufen. (jW)

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    Kein Platz für die »Juliano«

    Besetzung des griechischen Tourismusbüros in Paris
    Besetzung des griechischen Tourismusbüros in Paris

    Wie die Organisatoren der Gaza-Freiheitsflottille mitteilen, haben sich die griechischen Behörden offenbar eine neue Schikane gegen die schwedisch-griechisch-norwegische »Juliano« ausgedacht. Nachdem das Schiff heute morgen mit Genehmigung der Behörden von Kythira nach Chania auf Kreta auslief, wurde sie gegen 18 Uhr Ortszeit von der dortigen Polizei daran gehindert, den Hafen anzulaufen. Schon während der gesamten Überfahrt war das Schiff von Polizeibooten begleitet worden.

    Gegen 19 Uhr Ortszeit teilte die Küstenwache dann der »Juliano« mit, daß in Chania kein Platz für das Schiff sei. Hintergrund für diese Erklärung war offenbar, daß sich an den Anlegestellen Menschen eingefunden hatten, um das ankommende Schiff zu begrüßen. Mit Fahnen und Transparenten grüßten sie die »Juliano«. Kurz darauf lehnten die Behörden auch den Vorschlag ab, nach Agios Nikolaos, ebenfalls auf Kreta, auszuweichen. Dort liegt bereits die kanadische »Tahrir«. Ebenfalls in einem Hafen von Kreta, in Kolymvari, wartet auch die spanische »Gernika« noch auf die Möglichkeit, endlich Griechenland verlassen zu dürfen.

    Der »Juliano« wurde mittlerweile mitgeteilt, daß alle Häfen auf Kreta für sie gesperrt seien - ausgenommen der Hafen der griechischen Kriegsmarine in Souda.

    Unterdessen haben am Freitag in Paris Unterstützer der Freiheitsflottille das griechische Tourismusbüro in der französischen Hauptstadt besetzt, um gegen die Blockade des humanitären Konvois nach Gaza zu protestieren. Auch die französische »Dignité-Al Karama« wird seit Tagen im Hafen von Sitia festgehalten - ebenfalls auf Kreta. (jW)

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