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Schmitz-Bender gestorben

Der Regisseur und Autor Thomas Schmitz-Bender (Jg. 1943) ist am Dienstag in München nach langer Krankheit gestorben. Bekannt wurde der frühere Aktivist des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes durch politisches Straßentheater, das er als »die Anwendung von Brecht auf heute« bezeichnete. Bei den aufwendigen Inszenierungen kamen sogar Militärfahrzeuge zum Einsatz. Darsteller in Uniform, Tracht oder mit Politikermasken waren oft Aktivisten des »Arbeiterbundes für den Wiederaufbau der KPD«, den er 1973 gemeinsam mit Helge Sommerock gegründet hatte. 1979 brachten Schmitz-Bender und Genossen erstmals Bertolt Brechts Gedicht »Der Anachronistische Zug oder Freiheit und Democracy« auf die Straße. Anlass war die Kandidatur des Altnazis Karl Carstens (CDU) für das Bundespräsidentenamt. Die Kanzlerkandidatur von Franz Josef Strauß (CSU) 1980 und den Anschluss der DDR 1990 nahmen sie mit aktualisierten Versionen aufs Korn – immer in Kooperation mit der Brecht-Tochter Hanne Hiob. 2009 sagte Schmitz-Bender im Interview mit der taz zu seinem Stück »Neues aus Mahagonny«: »Kapitalistische Krisen neigen dazu, reaktionär gelöst zu werden. Deswegen muss man alles tun, um zu verhindern, dass jetzt alle Rechten Nutznießer dieser Krise werden.« (jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 25.08.2016, Seite 11, Feuilleton

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