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Gleichberechtigt unter Neonazis: Beate Zschäpe weiter belastet

Erneut hat am Dienstag ein Zeuge im NSU-Verfahren vor dem Oberlandesgericht München die gleichberechtigte Stellung von Beate Zschäpe in der rechten Terrorgruppe bestätigt, die im Kern aus ihr, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt bestanden haben soll. »Sie war auf keinen Fall das ›Mäuschen‹, das den beiden nur das Essen kocht« – derlei Aussagen von Max-Florian B., der den drei Neonazis 1998 beim Untertauchen geholfen hatte, wurden am Dienstag durch zwei Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) in den Prozeß eingeführt. Der Fluchthelfer hatte den Vernehmungsbeamten seinerzeit Fragen beantwortet, vor Gericht aber die Aussage verweigert. Die drei seien für ihn »als Einheit aufgetreten«, heißt es im Protokoll der Befragung von Max-Florian B. Er bestätigt damit die Eindrücke zahlreicher anderer Zeugen, zu denen auch Zschäpes eigener Cousin gehört.

Über die Straftaten der drei »Bombenbastler« vor ihrem Untertauchen soll B. in seinen Vernehmungen durch das BKA gesagt haben, Zschäpe sei zwar nach eigener Aussage nicht an der Durchführung, wohl aber an der Vorbereitung beteiligt gewesen – und habe die Taten voll unterstützt. »Auf jeden Fall war es aber so, daß sie von diesen Aktionen wußte und auch voll dahinter stand« . Die beiden BKA-Beamten schilderten vor Gericht, wie kooperativ sich B. bei den Befragungen verhalten habe. Demnach gab er beispielsweise an, daß der als NSU-Helfer mitangeklagte André Eminger ebenfalls engen Kontakt zu Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt gehalten haben müsse. Zudem sprach B. stets von »den Dreien«, machte also keine Unterschiede zwischen Zschäpe und den beiden Männern. B. hatte Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt nach deren Untertauchen 1998 eine Zeit lang in seiner Wohnung Unterschlupf gewährt. Auch später hielt er noch regelmäßig Kontakt zu den drei mutmaßlichen Mitgliedern des »Nationalsozialistischen Untergrunds« .

Zschäpe ist in München als Mittäterin bei sämtlichen NSU-Taten angeklagt. Böhnhardt und Mundlos sollen sich im November selbst 2011 erschossen haben, um der Festnahme durch die Polizei zu entgehen.

(dpa/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 26.03.2014, Seite 3, Schwerpunkt

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