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Plakat-Klassik

Das Haus Nummer 40 auf der im Moment etwas baugestreßten Berliner Flaniermeile Unter den Linden hat schon viele interessante Mieter gesehen. In zeitlich unsortierter Reihenfolge Kaufleute, Buch- und Kunsthändler, die Internationale Schlafwagengesellschaft, das Autohaus Benz, ein Medizinisch-diagnostisches Institut, ein Exquisit-Damenmodengeschäft, den italienischen und den französischen Botschafter. Es befand sich auch einmal im Besitz der Immobilienlegende Jürgen Schneider. In den 1970er Jahren versuchten hier Texter und Grafiker des DDR-Außenhandelsbetriebes Interwerbung, Vorzüge des Sozialismus jenseits der Grenze bekannt zu machen. Als wollte sie daran anknüpfen, präsentierte Kuratorin Sylke Wunderlich in den weitläufigen Räumen der sonst leerstehenden zweiten Etage unter dem Titel »Über (k)lebt« seit Ende Juni rund 300 Plakate aus der DDR, von Leuten wie John Heartfield, Volker Pfüller, Karl-Heinz Drescher oder Manfred Bofinger. Aus dem Fundus der Stiftung Plakat Ost. Ja, am Anfang wirkt manches kantig, agitatorisch: für den Frieden und den Fünfjahrplan. Die Zeit war karg. Bald aber entwickelte sich eine vielfältige Formensprache. Gestalterische Kraft kam noch nicht aus dem Computer. Auch nicht schlecht: Produktwerbung à la »Verliebt in die kokette Sommersandalette«. Die kann man auf der Finissage am Donnerstag tragen, ab 19.30 Uhr. Dazu spielt die Sogenannte Anarchistische Musikwirtschaft. Ab 23. August werden einige der Plakate im Club des Auswärtigen Amtes gezeigt. (jW)

www.stiftung-plakat-ost.de
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Erschienen in der Ausgabe vom 15.08.2012, Seite 13, Feuilleton

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