15.12.2011 / Inland / Seite 5Inhalt

Aktionäre blockiert

Umweltschützer demonstrieren vor Hauptversammlung von Saatgutkonzern KWS in Einbeck. Protest gegen Verunreinigung durch Gentechnik

Von Max Eckart
Sitzblockade am Mittwoch vor der KWS-Zentrale in Einbeck
Sitzblockade am Mittwoch vor der KWS-Zentrale in Einbeck
Bunter Protest im beschaulichen Einbeck. Mit Traktoren und Trommeln, Transparenten und Trillerpfeifen haben mehr als 100 Umweltschützer am Mittwoch vormittag in dem südniedersächsischen Städtchen gegen den Saatgutkonzern KWS Saat AG und seine Gentechniksparte demonstriert. Vor der Unternehmenszentrale versperrten sie durch eine Sitzblockade vorübergehend den Zugang zu dem Gebäudekomplex. Aktionäre, die zur Jahreshauptversammlung von KWS angereist waren, mußten teilweise durch Hintereingänge auf das Firmengelände gelotst werden.

Die Polizei beschränkte sich auf die Beobachtung des Geschehens. »Wir waren überrascht, daß sich da so viele Demonstranten eingefunden haben«, sagte ein Sprecher. Bei der Kundgebung übten die Gentechnikgegner scharfe Kritik an der KWS. Der Konzern setze sich dafür ein, daß konventionelles und ökologisches Saatgut einen bestimmten Anteil an gentechnisch veränderten Samen enthalten darf, sagte der Agrarstudent Gregor Schmitz. »Dadurch können sich Gentechnikpflanzen ungehindert in unserer Landwirtschaft ausbreiten.« Die Industrie habe verstanden, daß sie bei der Bevölkerung innerhalb der EU keine Akzeptanz für die Agro-Gentechnik finden werde, sagte Schmitz weiter. Über ein Hintertürchen versuche sie nun, ihre »Designerpflanzen« auf die Felder zu bringen.

Die KWS Saat AG führt seit Jahren auch Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Zuckerrüben durch. Letztere sollen resistent gegen Herbizide sein. Kritiker befürchten, daß sich das manipulierte Erbmaterial mit dem anderer Pflanzen vermischen könnte. Klara Eder von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) bemängelte, daß es bis heute keine unabhängigen Prüfverfahren zu den Risiken gebe. Zwar müsse jedes gentechnisch veränderte Produkt von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit auf seine Unbedenklichkeit kontrolliert werden, aber die Tests wiesen erhebliche Mängel auf.

»Es gibt beispielsweise bei der Zulassung von herbizidtoleranten Gentechnikpflanzen keine ausreichende Risikobewertung der gesundheitlichen Gefahren durch Rückstände von Spritzmitteln wie Roundup«, sagte sie. Zahlreiche Experten haben das von der Firma Monsanto produzierte Gift als gefährlich eingestuft und einen seiner Wirkstoffe – Glyphosat – mit Mißbildungen in Verbindung gebracht.

Eder nimmt auch an der Hauptversammlung teil: »Wir haben uns Aktien der KWS besorgt und können deswegen auf der Versammlung sprechen und Gegenanträge einbringen.«

Die KWS Saat AG ist einer der größten Produzenten von Saatgut. Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 3500 Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2009/2010 stieg der Umsatz um 5,1Prozent auf 754,1Millionen Euro. Die aktuellen Zahlen sollten am Nachmittag vorgestellt werden. Insgesamt ist die Bilanz der »grünen« Genmanipulation zumindest in Deutschland miserabel. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung lehnen Gentechnik in ihren Lebensmitteln ab. Der Anbau beschränkte sich auf zwei Hektar, auch die Anzahl der Freilandversuche sank. Gab es 2007 in der Bundesrepublik noch 67,8 Hektar angemeldete Versuchsflächen, sind es dieses Jahr nur noch 7,34 Hektar. Ein großer Teil davon wurde durch Demonstranten unbrauchbar gemacht. »Die Gentechnik befindet sich auf dem Rückzug«, resümierte Klara Eder auf dem Weg in den Versammlungssaal der KWS.
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Gefährliche Saat Ernährungssicherheit und Gen-Monopole

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