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Knuts Tod

Von Colin Goldner
Darf man angesichts der unfaßbaren Tragödie, die sich derzeit in Japan abspielt, oder angesichts der wechselseitigen Bombardierung der libyschen Zivilbevölkerung durch Ghaddafi und UNO etwas zu einem Eisbären sagen, dessen trauriges Dasein in einem Berliner Zoo ein unerwartet schnelles Ende gefunden hat? Die kleinen Tragödien können angesichts der großen nicht unbeachtet bleiben.

Knut, der Eisbär, der durch gnadenlose Vermarktung zu einem Goldesel für den Berliner Zoo geworden war, ist am Samstag gestorben. Er wurde nur vier Jahre alt, kein Alter für einen Eisbären. Auch bei seinem Tod – er ertrank, offenbar nach einem Herzinfarkt, in seinem Wasserbecken – wurde er von Hunderten von Zoobesuchern begafft, so wie er jeden Tag seines armseligen Lebens begafft worden war. Ob Fehler in der Haltung zu Knuts Tod führten, muß geklärt werden: Vielleicht war der Streß mit den drei sehr viel älteren Eisbärinnen, mit denen er zur Belustigung des zahlenden Publikums zusammengesperrt war, zu viel für sein Herz; vermutlich hatte er durch die Handaufzucht schwere Verhaltensstörungen und wußte mit anderen Eisbären nicht umzugehen. Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz jedenfalls, bekannt für seine cholerische Beratungsresistenz, verfügte die Gruppenhaltung. Knuts Leben, eingesperrt auf einer lächerlich kleinen Betonscholle samt einem lächerlich kleinen Drecks- und Pißbecken, hatte mit einem würdigen Eisbärenleben nichts zu tun. Eisbären haben in Zoos nichts verloren. Andere Tiere auch nicht. Zoos gehören abgeschafft.
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Erschienen in der Ausgabe vom 21.03.2011, Seite 12, Feuilleton

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