Alt wie ein Baum: 2050 wird es prozentual mehr Rentner geben. Ihre Absicherung ist ungewiß
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Die sogenannte Riester-Rente entpuppt sich nach Ansicht von
Wirtschaftswissenschaftlern als Flop. Die Umstellung des
Rentensystems führe nicht nur zur einseitigen Belastung der
Beschäftigten, sondern bremse auch die wirtschaftliche
Entwicklung in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie,
die am Montag vom Institut für Makroökonomie und
Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen
Hans-Böckler-Stiftung vorgestellt wurde.
»Gesamtwirtschaftlich gesehen wäre es effizienter
gewesen, die Stärken der gesetzlichen Rente zu erhalten und
das Umlagesystem über weitere Steuertransfers zu
unterstützen«, sagte IMK-Chef Gustav Horn in
Berlin.
Mit der 2001 von der damaligen »rot-grünen«
Bundesregierung eingeführten »Rentenreform« sollte
auf die demografische Entwicklung in Deutschland reagiert werden.
Derzeit leben knapp 82 Millionen Menschen in Deutschland. 2050
werden es nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes nur noch
69 Millionen sein. Gleichzeitig verschiebt sich die
Bevölkerungsstruktur. Während heute etwa 50 Millionen
Bundesbürger im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 64
Jahren sind, werden es 2050 etwa ein Viertel weniger sein.
Gründe dafür sind die niedrige Geburtenrate und die
steigende Lebenserwartung. Um den Beitrag zur Rentenversicherung
bis 2030 dennoch auf 22 Prozent zu beschränken, wurden die
Leistungen für Rentner von der Koalition aus SPD und
Grünen begrenzt. Den finanziellen Verlust müssen die
Beschäftigten durch eine privat finanzierte und staatlich
geförderte Zusatzversicherung – die sogenannte
Riesterrente – kompensieren. Soweit der Plan. Doch die
Realität sieht laut IMK anders aus.
Die Einführung dieser kapitalgedeckten Alterssicherung fordere
den privaten Haushalten, immerhin 13 Millionen Bürger
»riestern« derzeit, eine höhere Sparleistung ab.
Da sich die Unternehmer an den Kosten für die zusätzliche
Vorsorge nicht zu beteiligen brauchen, müssen die
Beschäftigten die entstehenden Lasten durch eigene
Aufwendungen ausgleichen. 15 Prozent ihres Bruttoeinkommens
müssen die Beschäftigte für ihre Altersvorsorge
ausgeben – elf Prozent als Beitrag zur gesetzlichen Rente
sowie vier Prozent für die private Vorsorge. Dadurch sei die
Sparquote der privaten Haushalte zwischen 2002 und 2007 um knapp
einen Prozentpunkt gestiegen. Ohne die Reform wäre die
Belastung wesentlich geringer ausgefallen, erklärten die
Wissenschaftler. Mit dem umlagefinanzierten System würde der
Beitragssatz bis 2030 zwar auf 25 Prozent steigen, allerdings
wäre der Anteil für die Mitarbeiter mit 12,5 Prozent
geringer, da die kapitalgedeckte Sicherung wegfällt und sich
die Firmen zur Hälfte an den Kosten beteiligen
müßten. Die Folge dieser Entwicklung: Der Konsum
schwächte sich um anderthalb Prozent ab. Davon sind auch die
Unternehmen betroffen. Durch den Nachfrageverlust sei das
Wirtschaftswachstum in den sechs untersuchten Jahren um etwa 0,8
Prozent geringer ausgefallen, errechneten die Autoren.
Doch die Forscher sehen noch ein weiteres Problem. Die
Renditeerwartungen bei der Riester-Rente seien viel »zu
hoch«, so Horn. Besonders mit Blick auf die aktuelle
Kapitalmarktkrise sei es eine Illusion, daß eine
kapitalgestützte Rente langfristig zu solch hohen Erlösen
führe. Von der Regierung forderte der Leiter des IMK,
daß Unternehmer und Beschäftigte zu gleichen Teilen in
die gesetzliche Rente einzahlen.