03.06.2015 / Presseerklärung

Stasimitarbeiter, Versicherungsverteter, Hobbyforensiker – wer ist der MH17-»Experte« von Bellingcat?

Die Story hat zu Wochenbeginn medial hohe Wellen geschlagen: Unter der Überschrift »Forensische Analyse: Kreml hat offenbar Satellitenfotos zu MH17-Absturz gefälscht«, berichtete Spiegel online am Montag über angebliche Manipulationen des russischen Verteidigungsministeriums im Zusammenhang mit dem Absturz der malaysischen Boeing im Juli 2014.

Das Nachrichtenportal berief sich dabei auf eine aktuelle Untersuchung des britischen Recherchenetzwerks »Bellingcat«, derzufolge Satellitenfotos vom Abschussgebiet in der Ostukraine mit Bildbearbeitungsprogrammen verfälscht worden seien. Die »Analyseergebnisse« zirkulierten schnell in bundesdeutschen Medien und waren auch auf prominenten Plätzen fast aller öffentlich-rechtlichen Sender Gegenstand ausführlicher Berichterstattung.

Als Verfasser der »forensischen Analyse« wird in dem Papier selbst ein Timmi Allen genannt. Hinter dem als »investigativer Journalist« (WDR) bzw. »Internetaktivist« (ZDF) Eingeführten verbirgt sich Olaf Neitsch – ein Mann mit vielfachen Begabungen und einer bewegten Vergangenheit. Dies berichtet die in Berlin erscheinende Tageszeitung junge Welt (Donnerstagausgabe).

Nach Auskunft ehemaliger Kollegen war er bis 1989 bei der Kreisdienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) Berlin-Treptow tätig. Neitsch selbst bestritt das auf jW-Nachfrage. Nach dem Anschluss der DDR versuchte er sein Glück zeitweise als Kneipier in Bernau und wechselte später in die Versicherungsbranche. Bei der Deutschen Krankenversicherung (DKV) taucht er online als Mitarbeiter auf (olaf-neitsch.dkv.com). Auskunftsfreudiger ist sein Werbeauftritt für die ergo-Versicherung, wo er nach dem Motto »Versichern heißt verstehen!« als »Organisationsleiter (Werbekolonnen)« in Ahrensfelde bei Berlin den Verkauf von Policen koordiniert.

Aber auch sonst ist Neitsch in den Sphären des World Wide Web kein unbeschriebenes Blatt, im Gegenteil: In Sachen Internet scheint er über eine besondere Expertise zu verfügen, die ihn bei »Bellingcat« empfohlen haben mag: Für das Onlinespiel »Second Life« (deutsch: zweites Leben) bietet er über seine Firma »Virtual Services« Tier- und Landschaftsbilder zum Verkauf an. Die Mitarbeit bei »Bellingcat« betreibt Neitsch nach eigener Auskunft als Hobby.