06.04.2018 / Presseerklärung

Ignoranz und Kommerz. Der Umgang mit Prora ist unangemessen

Das »KdF-Seebad Rügen« mit seinen 20.000 Betten sollte der inneren Formierung und der Kriegsvorbereitung des Naziregimes dienen. Es wurde nie fertiggestellt. Heute haben sich vor allem private Investoren der gigantischen Anlage bemächtigt, die an einem angemessenen Umgang mit Prora nicht interessiert sind.

In einem zweiteiligen Beitrag für die Tageszeitung junge Welt, der am Sonnabend und am Montag erscheint, schreibt Jürgen Rostock, dass der Koloss auf Rügen »wie kein anderer Ort in Deutschland für die Verlockungen und die soziale Demagogie des ›Dritten Reiches‹« stehe. Als langjähriger Leiter des Dokumentationszentrums Prora spricht er sich für eine Mischnutzung aus, »Massenunterkünfte verbieten sich«. Die Verkäufe seien für solch einen Gebäudekomplex ohne Beispiel. Da das Land Mecklenburg-Vorpommern an der Anlage wie am Dokumentationszentrum kaum Interesse zeigte, müsse man sich fragen, so Rostock, ob Volksvertreter und professionelle Kulturpolitiker ihrer Verantwortung gerecht würden.

Jürgen Rostock (Jahrgang 1936) war bis 1990 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Städtebau und Architektur der Bauakademie der DDR. Danach beschäftigte er sich intensiv mit der Geschichte des »KdF-Seebades Rügen« und veröffentlichte 1992 im Ch. Links Verlag das Buch »Paradies-Ruinen«, das mittlerweile in zehnter Auflage erschienen ist und als Standardwerk zu Prora gilt. Er verstarb unerwartet am 25. März 2018 in Berlin. Den Beitrag, der nunmehr als sein politisches Vermächtnis gelten darf, reichte er wenige Tage vor seinem Tod bei der Redaktion von junge Welt ein.