09.12.2013, 22:48:16 / Weltfestspiele 2013

»Liebe und Brüderlichkeit« in der Casa ALBA

Von Fabian Linder, Quito
Casa ALBA auf dem Festivalgelände
Casa ALBA auf dem Festivalgelände

Nicht nur die Jugend der Welt trifft sich im ecuadorianischen Quito, diskutiert über Probleme und deren Lösungen. Auch die Regierungen vieler lateinamerikanischer Länder beteiligen sich an diesem Prozess.

Auf dem Rollfeld des alten Flughafens, über das sich das »Festival Mundial« erstreckt, sind große Konferenzzelte aufgebaut, die nach Persönlichkeiten der internationalen linken Bewegung benannt sind. Eines heißt zum Beispiel Nela Martínez und erinnert an die 1912 in Cañar, Ecuador, geborene und 2004 in Havanna verstorbene kommunistische Politikerin und Schriftstellerin, die 1944 aktiv am Sturz des ecuadorianischen Diktators Carlos Arroyo del Río und der damaligen Erstürmung des Präsidentenpalastes beteiligt war.

In der Casa del ALBA kamen am Tag nach der Eröffnung der Weltfestspiele Vertreter und Diplomaten der Mitgliedsländer der Bolivarischen Allianz für die Völker Unseres Amerikas (ALBA) zusammen, um über die internationale Rolle des lateinamerikanischen Staatenbundes und die politische Prozesse in der Region zu sprechen. Dabei hob der Vorsitzende der JCE, der Kommunistischen Jugend Ecuadors, hervor, dass Boliviens Regierung McDonald's und Coca-Cola aus dem Land geworfen hat. Schließlich sei man keine Kolonie Nordamerikas und wolle sich nicht dessen Konzernen unterwerfen, brachten es die Zuhörer in Sprechchören zum Ausdruck.

»Südamerikanische Probleme seien eben südamerikanische Probleme und nicht die von anderen«, brachte es die Parlamentsabgeordnete María Augusta Calle Andrade von der Regierungspartei Movimiento PAIS auf den Punkt. Im Hinblick auf die Möglichkeiten und Chancen die es in Lateinamerika heute gebe sie sie »neidisch auf die Jugend«.

Das 2004 von Fidel Castro und Hugo Chávez gegründete Staatenbündnis ALBA hat mittlerweile auch über die Region hinaus Anerkennung gewonnen. Es sei für andere Nationen ein Sprachrohr im Kampf gegen den Imperialismus und für eine Zukunft, in der das Volk regiere, lobte der Botschafter der Westsahara und zeigte sich beeindruckt von den revolutionären Prozessen in Lateinamerika. Die Veränderungen in Lateinamerika wären ohne ALBA nicht haltbar gewesen, sind sich die Teilnehmer der Diskussion sicher. Auch deshalb hoben zahlreiche Diplomaten die Rolle des verstorbenen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez hervor, so etwa der kubanische Gesandte Basilio Gutierrez García. Er erinnerte an die gute Zusammenarbeit, die sich dank Chávez in Südamerika entwickelt habe. Vor allem Kuba habe sich auf die Unterstützung des Comandante der venezolanischen Revolution verlassen können, zum Beispiel im Kampf gegen die  völkerrechtswidrige Handels- und Wirtschaftsblockade der USA gegen Kuba.

Venezuelas Botschafterin María Lourdes Urbaneja Durant stimmte ihrem kubanischen Kollegen zu und ergänzte, in Lateinamerika finde schließlich »ein Prozess der Liebe und der Brüderlichkeit« statt. Chávez lebe deshalb in unseren Herzen weiter.

Alle Zuhörer und Diplomaten waren sich jedoch sicher, dass noch viele Kämpfe ausgefochten werden müssen. Konkret genannt wurden der Kampf um Entschädigungszahlungen durch den US-Konzern Chevron für die im ecuadorianischen Regenwald verursachten Umweltschäden, aber auch der indigene Widerstand gegen Goldminenprojekte in Peru, durch die die Trinkwasserversorgung gefährdet wird. »Agua si, oro no« – Wasser ja, Gold nein – unterstrich dies der Sänger einer peruanischen Band, die zwischen den Statements der Diplomaten spielte.

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