14.01.2017, 12:11:41 / Rosa-Luxemburg-Konferenz 2017

Jean Wyllys: Eliten kämpfen um ihre Privilegien

Wyllys: In Brasilien wurde ein aggressives politisches Klima erzeugt
Längst nicht resigniert: Brasiliens Linke ist lebendig und kämpferisch

Auf dem Fundament von Gewalt erbaut, von einer Plutokratie beherrscht: So kennzeichnete der brasilianische Parlamentsabgeordnete Jean Wyllys als erster Referent die bis heute im Gegensatz zwischen »Herrenhaus und Sklavenhütte« fortwirkende Entstehungsgeschichte seines Landes. Wyllys berichtete von seiner Politisierung im linken Katholizismus und seine erste Begegnung mit dem Marxismus als einer kommunistischen Interpretation des Evangeliums.

Seine Partei Sozialismus und Freiheit (PSOL), die 2005 als Absplitterung der Arbeiterpartei (PT) entstand, sieht er als Baustein einer pluralen Linken Brasiliens. Heute seien die traditionellen Eliten dabei, während der PT-Ära erreichte Fortschritte bei der Bekämpfung von Armut und Diskriminierung wieder rückgängig zu machen.

Einen Sonderapplaus gab es für Wyllys Bekenntnis: »Ich spuckte in des Gesicht des Faschisten.« Während der Parlamentssitzung im April, auf der die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen Präsidentin Dilma Rousseff (PT) eine Mehrheit fand, hatte der Abgeordnete Jair Bolsonaro homophobe Ausfälle von sich gegeben und einen der übelsten Folterer während der Diktatur von 1964-85 gepriesen.

Bei der erfolgten Absetzung der gewählten Präsidentin habe es sich um einen Putsch gehandelt, hinter dem gehobene Kreise und große Medienkonzerne stecken, betonte Wyllys. Dabei wurde der Hass auf die Linke und die Minderheiten geschürt, auch Frauenfeindlichkeit und Rassismus. Die Oligarchen wollten die soziale Teilung der Gesellschaft verewigen und die Kosten der Krise allein der ärmeren Bevölkerungsmehrheit überhelfen.

Die PT habe es während ihrer Regierungszeit versäumt, mit neoliberalen Konzepten ganz zu brechen und nicht nur das Lebensniveau von Millionen zu heben, sondern auch deren politische Bildung. Den sozialen Aufstieg hätten daher viele eher mit ihrer Kirche und göttlichem Wirken als mit sozialer Politik in Verbindung gebracht. Dennoch sei die Arbeiterpartei nicht am Ende, sondern müsse sich erneuern. Die Linke insgesamt müsse, von der Klassenfrage ausgehend, auch stets die Nachhaltigkeit ihrer Politik im Auge behalten.

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