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05.07.2010, 23:51:24 / jW-Ostsee-Tour 2010

Hommage an die Aufständischen

Von Claudia Wangerin
Matrosendenkmal von Wolfgang Eckardt am Rostocker Stadthafen
Matrosendenkmal von Wolfgang Eckardt am Rostocker Stadthafen

Die Gedenkstätte der revolutionären Matrosen am Rostocker Stadthafen gehört zu jenen Monumenten, die im Osten Deutschlands heute noch unmißverständlich klar machen: Hier war einmal ein anderes Land.

Unbewaffnet, aber kämpferisch mit geballter Faust zeigt das Denkmal zwei Männer, die sich aus den Trümmern erheben. Eine Hommage an Albin Köbis und Max Reichpietsch, die 1917 zum Tod verurteilten, weil friedensbewegten Matrosen der Kaiserlichen Marine. Neun Meter hoch ragt die Skulptur von 1977 von einem 20 Meter langen Sockel, dessen Relief den Matrosenaufstand und seine Niederschlagung zeigt.

Während das Denkmal aus DDR-Zeiten immer noch die ein- und auslaufenden Schiffe grüßt, liegen heute zu seinen Füßen leere Wein- und Bierflaschen herum. Ein paar Jugendliche, die sich hier treffen, sehen noch nicht so aus, als ob sie einen Aufstand planen, sondern eher, als wollten sie den alltäglichen Frust vergessen.

Aber wie sehr sich Menschen in wenigen Jahren verändern können, hat auch Albin Köbis bewiesen: Mit 20 war er noch Freiwilliger der Kaiserlichen Marine, mit knapp 25 gehörte er zu den Organisatoren eines Aufstands für den Frieden.

Im Sommer 1917 war er Heizer auf dem Schlachtschiff »Prinzregent Luitpold«. Die ständige Kürzung der Rationen führte damals auf deutschen Kriegsschiffen zur Befehlsverweigerung. Dadurch wurde auf der Fahrt von Kiel nach Wilhelmshaven der »Kaiser-Wilhelm-Kanal« (heute schlicht Nord-Ostsee-Kanal) blockiert. Am 24. Juli trafen sich Vertreter der Besatzungen - darunter Albin Köbis und Max Reichpietsch - mit dem Ziel, eine gemeinsame Friedensdemonstration mit Werftarbeitern zu organisieren. Ein Aktionsprogramm für die schnellstmögliche Beendigung des Krieges folgte auf dem Fuß.

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