24.02.2016, 17:21:08 / Havanna 2016

La vida pasa - Begegnung mit Omara

Von Dietmar Koschmieder
Die Jüngste vom Club: Omara Portuondo
Die Jüngste vom Club: Omara Portuondo

Das Telefon klingelt. „Estás la Katja de Alemania?“, fragt eine rauhe Stimme. „Ja, das bin ich“, antwortet Katja, „aber mit wem spreche ich denn?“ Katja fällt fast vom Stuhl, als sie zur Antwort bekommt: „Soy Omara!“

Die Musikerin Omara Portuondo wurde weltberühmt durch ihre tragende Rolle in Wim-Wenders-Film Buena Vista Social Club. Das war 1998, sie war damals 68 Jahre alt, also eine der Jungen im Club. Eine bewegte und bewegende Geschichte lag da bereits hinter ihr: Auftritte mit Frank Sinatra und dem großen Nat King Cole, die kubanische Revolution, viele Soloplatten. Schließlich kam Ry Cooder nach Kuba, um die legendäre Scheibe zu machen, die die Grundlage von Wenders Film werden sollte. Erst vor wenigen Monaten trat Omara im Weißen Haus vor dem US-Präsidenten auf, Anlass war die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten.

Unsere Delegation hier in Havanna sammelt Material für die Sommerausgabe der Musikzeitschrift Melodie und Rhythmus. Der Arbeitstitel für das Heft lautet „Kubanische Musik ist mehr als Buena Vista Social Club“. In Deutschland und Europa hat man in der Regel keine Ahnung von der vielfältigen Musik und Kultur, die durch die Revolution der Bärtigen auf der Karibikinsel möglich wurden. Afrokubanische und europäische Wurzeln haben schon vorher eine prägende Rolle gespielt, hinzu kommt jetzt aber, dass das neue Bildungssystem viele bestens ausgebildete Musiker aller Genres hervorbringt – wahrscheinlich mehr als sonst irgendwo auf der Welt gemessen an der Zahl der Einwohner. Wir treffen deshalb bekannte Vertreter des Jazz, Hip-Hopp, Nueva Trova, Rumba, der Klassik und des Chorgesangs. Aber uns ist klar, dass die M&R-Kubaausgabe ohne die alte Garde nicht auskommen wird. Deshalb bemühen wir uns um ein Interview mit der legendären Omara Portuondo und suchen Kontakt über ihr Management, treffen sie dann aber tatsächlich einfach so in Havanna. Schon bei dieser ersten zufälligen Begegnung sind wir von ihrer Herzlichkeit und ihrem spitzbübischen Humor begeistert. Völlig beeindruckt sind wir, als Omara das Heft in die Hand nimmt, Katja anruft und das Interview selbst organisiert. Um ehrlich zu sein, wir trauen unserem Glück erst, als Omara kurz vor dem abgesprochenen Interviewtermin erneut anruft, um sicher zu gehen, dass alles wie geplant funktioniert.

In der Lobby des Hotels Capri findet das Treffen statt. Omara erzählt fast zwei Stunden über ihr Leben, ihre Erfahrungen und ihre Haltung zur kubanischen Revolution. Näheres dazu wird man in der Juli/August-Ausgabe der Melodie&Rhythmus nachlesen können – und in der jungen Welt. Übrigens: Wer diese außergewöhnliche Persönlichkeit und Musikerin live erleben will, sollte sich unbedingt den 6. Juli 2016 vormerken: Da wird Omara Portuondo in Mainz (Zitadelle) auftreten – zusammen mit dem großartigen spanischen Musiker und Kubafreund Diego el Cigala. Präsentiert wird das voraussichtlich einzige Deutschlandkonzert dieser beiden Ausnahmekünstler von der Musikzeitschrift Melodie & Rhythmus.

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