07.07.2017, 19:26:51 / No G20

Party trotz Polizeikessel

Von Kristian Stemmler
Transparent an einem Haus am Rande der Demonstration »G20 Welcome to hell« am 6.7.2017 in Hamburg
Vielfach zu sehen: Slogans und Banner gegen den G-20-Gipfel

Das dürfte die größte Einkesslung in der Geschichte deutscher Polizeieinsätze sein: Mit einem gigantischen Aufgebot hat die Polizei am Freitag nachmittag Verbindungen zwischen ganzen Hamburger Stadtviertel gekappt. Alle wichtigen Verbindungsstraßen von Nord nach Süd sind vollständig abgesperrt. Aus Vierteln wie St. Pauli und Neustadt kommt so gut wie niemand mehr in den östlichen Teil der City, also etwa nach St. Georg. Auch S- und U-Bahnen fahren in diesem Gebiet nicht mehr, der Busverkehr wurde ebenfalls eingestellt.

Überall sind Kolonnen von Mannschaftswagen geparkt, stehen Hundertschaften, die wichtigen Knotenpunkte sind zusätzlich von Wasserwerfern und Räumpanzern blockiert. Hubschrauber kreisen in der Luft. Grund für den gewaltigen Aufwand ist offenbar das Konzert, zu dem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihre Staatsgäste beim G-20-Gipfel in die »Elbphilharmonie« eingeladen hat. Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg beschallt das illustre Publikum unter Leitung von Kent Nagano unter anderem mit Beethovens (als Europahymne missbrauchter) neunter Sinfonie.

In der übrigen Stadt wird eine andere Musik gespielt. Im Schanzen- und Karoviertel, auf St. Pauli und am Hafen sowie rund um den Michel breitet sich am Freitag nachmittag bei schönstem Sommerwetter trotz der dramatischen Ereignisse in der Nacht zuvor so etwas wie Partystimmung aus.

Über Nacht sind neue Banner an Hausfassaden und in Fenstern aufgetaucht mit Aufschriften wie »Fck G 20«, »NoG20«, »Not my G20« »Smash G20« »Ihr seid 20, wir sind mehr«. Auf den fast leeren Straßen – viele Hamburger meiden die Innenstadt – haben Radfahrer und Skater freie Bahn. Ein Aktivist meinte zu jW: Dass unser Motto ›Reclaim the Streets‹ ausgerechnet beim G20 wahr wird, mit 20.000 Bullen in der Stadt, hätt’ ich nicht gedacht.«

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