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03.07.2011, 21:00:53 / Free Gaza

Pressestimmen aus der Region: Die erste Flottille hat Gaza geholfen

Von Von Gerrit Hoekman und Claudia Wangerin

Während die Organisatoren der »Free Gaza«-Flottille betonen, daß es ihnen nicht nur um den Transport von Hilfsgütern geht, sondern auch um eine Grundsatzentscheidung zur Aufhebung der israelischen Blockade, die immer noch die Bewegungsfreiheit der Palästinenser einschränkt, wurde in den letzten Tagen vermehrt die angeblich stark verbesserte wirtschaftliche Lage im Gazastreifen angeführt, um die Aktion zu delegitimieren.

Verschiedene Welten


Nach Meinung einiger westlicher Journalisten ist es in Gaza gar nicht so schlimm – zumindest verglichen mit anderen Krisengebieten. So meinte kürzlich Henryk M. Broder in Springers Welt: »Die ›humanitäre Katastrophe‹, die in Gaza herrschen soll, spielt sich zwischen gut gefüllten Supermärkten und den vielen Einrichtungen der UNWRA ab, die seit 1950 für die Palästinenser sorgt.« Nach Informationen des Magazins israel heute hatte der Generalstabschef der israelischen Armee, Benny Gantz, erklärt: »Es gibt keine wirkliche Armut in Gaza. Sie haben teure Autos, importieren Fernsehgeräte mit LCD-Bildschirmen und exportieren landwirtschaftliche Produkte in die arabischen Länder.«

»Ohne Zweifel ist Gaza gleichbedeutend mit einem Gefängnis. Vielleicht sind die Bedingungen in diesem Gefängnis besser geworden, aber es bleibt ein Gefängnis«, sagte dagegen der palästinensische Wirtschaftsexperte Omar Shaban der Tageszeitung Al-Quds Al-Arabi (Wochenendausgabe). Niemand in Gaza glaubt demnach, daß die »Freedom Flottilla II« jemals dort ankommen wird. Für einige habe sich die Lage aber in letzter Zeit tatsächlich verbessert – und der erste Schiffskonvoi dieser Art im vergangenen Jahr habe daran einen großen Anteil, da die internationale Empörung nach dem Tod von neun türkischen Aktivisten Israel zur Lockerung der Blockade gezwungen habe. Nicht zur See, aber zu Lande.

Bescheidener Aufschwung durch Schmuggel?

6000 Tonnen verschiedenster Güter kommen heute täglich über Israel nach Gaza, so Al-Quds Al-Arabi. Zement und Stahl dürfen allerdings nicht eingeführt werden, weil die israelische Regierung befürchtet, daß diese Materialien zum Waffen- und Bunkerbau benutzt werden könnten. Deshalb sind immer noch viele Gebäude Ruinen, die Israel beim letzten Angriff im Winter 2008 zerstört hat. Seitdem aber die neue ägyptische Regierung die Grenze durchlässiger gemacht hat, gelingt es den Schmugglern, mehr Baumaterial durch ihre Tunnel zu bringen. Nach offiziellen Angaben der Verwaltung von Gaza sind dadurch in den letzten Monaten 14000 neue Stellen in der Bauwirtschaft entstanden, sowie rund tausend neue Kleinbetriebe. »Ich war seit 2007 arbeitslos«, sagte der Bauarbeiter Karim Hassun dem Blatt. »Heute wähle ich dich Arbeit, die ich möchte. Das Leben lacht wieder für mich und meine sieben Kinder.«

Bewegungsfreiheit eingeschränkt

Die hohe Arbeitslosigkeit ist dem Bericht zufolge aber nach wie vor ein Problem. 70 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Der bescheidene Aufschwung nach Jahren der Isolation geht an ihnen vorbei. »Es gibt auch keinen wirklichen Export«, so der Wirtschaftsexperte Omar Shaban. »Als Folge ist es unmöglich die Wirtschaft richtig anzukurbeln. Die Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt und die meisten Menschen in Gaza können nicht dorthin gehen, wohin sie wollen.«

Das palästinensische Netzwerk der Nichtregierungsorganisationen (PNGO) verlangt unterdessen von der griechischen Regierung, die »Free Gaza«-Flottille nicht weiter am Auslaufen zu hindern.
Die Schiffe hätten dringend benötigte Hilfsgüter an Bord, die Aktion sei im Einklang mit internationalen Gesetzen, zitierte die palästinensische Nachrichtenagentur WAFA das Netzwerk. Dieses habe auch die Aktivisten an Bord der Schiffe für ihren »großartigen Durchhaltewillen« gelobt.

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