Fälscher des Tages: Omer »Marc« Gershon
Israels Außenminister Avigdor
Lieberman hat die Teilnehmer der geplanten Hilfsflottille für Gaza
am Dienstag als »Terroraktivisten« bezeichnet, »die Provokationen
zu schaffen versuchen und Blut sehen wollen«. Einen Tag zuvor hatten
israelische Medien aufgrund anonymer »Informationen aus den
Streitkräften« gemeldet, daß einige Teilnehmer der Flottille
»chemische Substanzen« mitführen wollten, »um Soldaten zu
töten«.
Da drängt sich die Frage auf: Geht es nicht ein
bischen subtiler? Aber selbstverständlich: Am Sonntag tauchte im
Internet bei Youtube ein dreiminütiges Video auf, in dem ein Mann,
der sich »Marc« nannte, über seine schrecklichen Erfahrungen mit
den Organisatoren der Hilfsschiffe berichtete: Seine Beteiligung sei
abgelehnt worden, weil die von ihm repräsentierte Schwulen- und
Lesbengruppe nicht ins Konzept passe. Später habe er dann
herausgefunden, daß diese Leute »enge Beziehungen« zur Hamas
hätten.
Blogger in den USA wurden aufmerksam, als sie feststellten, daß das Video über Facebook und Twitter von Angestellten der israelischen Regierung, darunter einem Mitarbeiter des Büros von Benjamin Netanjahu, verbreitet worden war. Es gelang sogar, den angeblichen »Marc« zu identifizieren: Er ist ein israelischer PR-Experte, der im normalen Leben den Namen Omer Gershon führt. Die liberale israelische Tageszeitung Haaretz, die diese Geschichte veröffentlichte, bekam vom Büro des Premierministers die Auskunft, es sei normale Praxis, daß Regierungsangestellte Material verbreiten, »wenn sie erkennen, daß es Israels Kampagnen dienen kann«. Eine direkte Beteilung an der Produktion des Videos wollte das Büro nicht dementieren.
Die israelische Regierung unternimmt schon seit einigen Jahren aufwendige PR-Anstrengungen, um in der schwul-lesbischen Community Unterstützer zu »rekrutieren« und das schlechte Image ihrer Politik zu verbessern. (km)
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