Der Schwarze Kanal
Gegründet 1947 Sa. / So., 17. / 18. August 2019, Nr. 190
Die junge Welt wird von 2208 GenossInnen herausgegeben
26.06.2011, 21:31:11 / Free Gaza

Startschwierigkeiten in Griechenland

Von US-Schiff der Free-Gaza-Flottille aufgehalten. Journalisten droht Einreiseverbot in Israel

Das für den heutigen Montag geplante Zusammentreffen der zweiten internationalen »Free-Gaza«-Flottille in internationalen Gewässern vor Griechenland wird sich aller Voraussicht nach verzögern. Die Organisatoren teilten am Sonntag mit, die US-amerikanische »Audacity of Hope« (»Kühnheit der Hoffnung«) werde von den griechischen Behörden aufgehalten. Unklar ist demnach, ob das Schiff nicht auslaufen darf, weil eine Privatperson in einem anonymen Hinweis dessen Seetüchtigkeit in Frage stellte, oder ob Athen dem politischen Druck der USA und Israels nachgeben will. In einer gemeinsamen Erklärung forderten die mitreisenden Aktivisten am Sonntag die griechische Regierung auf, dies klarzustellen.

Der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Jigal Palmor, wies gegenüber der Tageszeitung Yedioth Ahronoth den Verdacht zurück, Israel habe mit der griechischen Entscheidung etwas zu tun. »Das sind paranoide Anschuldigungen von Heulsusen«, sagte Palmor dem Blatt.
In mehreren Mittelmeerhäfen bereiten sich die Teilnehmer der Flottille, die Hilfsgüter in den palästinensischen Gazastreifen bringen und mit friedlichen Mitteln die Aufhebung der israelischen Seeblockade erreichen will, auf die Abreise vor. So auch jW-Korrespondent Peter Wolter auf dem kanadischen Schiff »Tahrir«.

Bereits Ende letzter Woche hatte Israels UN-Botschafter Ron Prosnor angekündigt, die Schiffe vor dem Ziel abzufangen. Mitfahrenden Journalisten, darunter auch Mitarbeiter des US-Senders CCN, droht das israelische Regierungspresseamt (GPO) mit einem zehnjährigen Einreiseverbot. Man sehe die Teilnahme an dem Schiffskonvoi als absichtliche Verletzung israelischer Gesetze an. Den Berichterstattern drohten zudem die Konfiszierung ihrer Ausrüstung sowie weitere Sanktionen, schrieb der GPO-Leiter Oren Helman an ausländische Medienvertreter in Israel. Im vergangenen Jahr hatte die israelische Marine bei der Kaperung der ersten Flottille dieser Art neun türkische Aktivisten getötet.

Claudia Wangerin