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14.04.2013, 15:23:52 / Entscheidung in Venezuela

Schlangen vor den Wahllokalen

Von André Scheer, Caracas
Wartende Wähler im Liceo Andrés Bello
Wartende Wähler im Liceo Andrés Bello

Bislang ohne nennswerte Zwischenfälle haben in Venezuela die Präsidentschaftswahlen begonnen. Seit 6 Uhr morgens Ortszeit sind die Wahllokale geöffnet, vor vielen hatten sich schon zuvor lange Schlangen von Menschen gebildet, die auf die Gelegenheit zur Stimmabgabe warteten.

Begonnen hatte der Wahltag für viele bereits drei Stunden zuvor, entweder weil sie an den Autokorsos zum Auftakt teilgenommen hatten oder weil sie von diesen geweckt wurden. Auch an unserer Unterkunft in Caracas zogen zwischen 4 und 5 Uhr mehrfach Gruppen von Autos, Motorrädern und Menschen vorbei, die aus Lautsprechern Fanfaren und die Stimme von Hugo Chávez abspielten: »Auch du bist Chávez, Frau Venezuelas! Auch du bist Chávez, Kind Venezuelas!« An vielen Orten feuerten die Chavistas auch Feuerwerk ab.

Um 6.45 Uhr Ortszeit informierte die Präsidentin des Nationalen Wahlrates (CNE), Tibisay Lucena, daß bis zu diesem Zeitpunkt 86 Prozent der Wahllokale geöffnet hätten. Man rechne damit, daß die noch fehlenden in wenigen Minuten ebenfalls die Arbeit aufnehmen würden. Damit ein Wahllokal geöffnet werden kann, müssen die Wahlhelfer und Zeugen vor Ort sein – verspätet sich von diesen jemand, verspätet sich auch die Öffnung des Lokals.

Im größten Wahllokal Venezuelas, dem Liceo Andrés Bello im Zentrum von Caracas, sind 12.093 Menschen wahlberechtigt. Hier öffneten fast alle Urnen pünktlich um 6 Uhr. Zu den ersten, die hier ihre Stimme abgaben, gehörte Inés Luigi. Gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur AVN rief sie ihre Landsleute auf, ebenfalls an der Abstimmung teilzunehmen: »Kommt und wählt! Alles ist transparent, das System ist gegen Manipulationsversuche gepanzert und die Sicherheit der Wähler ist gewährleistet. Der Prozeß der Stimmabgabe ist einfach, man muß bewußt wählen!«