02.04.2013, 17:13:20 / Entscheidung in Venezuela

Sieben Optionen für Venezuelas Wähler

Von André Scheer
In den Umfragen abgeschlagen: Henrique Capriles
In den Umfragen abgeschlagen: Henrique Capriles beim Wahlauftakt am 2. April in Caracas
Zwei Frauen und fünf Männer bewerben sich am 14. April um das höchste Staatsamt in Venezuela. Drei von ihnen – Henrique Capriles, María Bolívar und Reina Sequera – waren auch schon bei der letzten Abstimmung am 7. Oktober 2012 angetreten, damals aber Hugo Chávez unterlegen. Wir stellen alle Kandidaten kurz vor.

Nicolás Maduro

ist seit dem Tod von Hugo Chávez am 5. März 2012 geschäftsführender Präsident Venezuelas. Er sieht sich als dessen »Sohn« und will die Bolivarische Revolution fortsetzen. Entsprechend hat er bei der Anmeldung seiner Kandidatur dem Nationalen Wahlrat (CNE) als Programm eine unveränderte Kopie des Dokuments überreicht, mit dem Hugo Chávez am 7. Oktober 2012 zur Wiederwahl angetreten und mit 55,07 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt worden war.

Der am 23. November 1962 in Caracas geborene Maduro arbeitete bis 1998 als Busfahrer bei der Metro de Caracas und wurde von seinen Kollegen zum Vorsitzenden der dortigen Gewerkschaft gewählt. Er gehörte der Sozialistischen Liga an, einer marxistischen Partei, die heute in der von Hugo Chávez gegründeten Vereinten Sozialistischen Partei Venezuelas (PSUV) aufgegangen ist.

Seit etwa 1994 hatte Maduro zu den engsten Mitstreitern Chávez' gehört, der ihn 2006 zum Außenminister des Landes ernannte. Am 10. Oktober 2012, drei Tage nach der letzten Präsidentschaftswahl, übernahm er auch das Amt des Vizepräsidenten Venezuelas. Am 8. Dezember 2012 erklärte Hugo Chávez in seiner letzten Fernsehansprache, sein Stellvertreter sei sein Favorit für die Neuwahlen, falls er aufgrund seines Gesundheitszustandes aus dem Amt scheiden müsse: »Meine feste, absolute, unumstößliche Meinung ist, daß ihr unter diesen Umständen Nicolás Maduro zum neuen Präsidenten der Bolivarischen Republik Venezuela wählten solltet.«

Nicolás Maduro geht als klarer Favorit in die Abstimmung am 14. April. Alle Umfragen sehen ihn klar vorne, er könnte zwischen 49,2 Prozent (Datanálisis) und 61 Prozent (Dataincorp) erreichen.
Homepage: www.nicolasmaduro.org.ve
Wahlprogramm (in spanischer Sprache): http://www.cne.gob.ve/web/normativa_electoral/elecciones/2013/presidenciales/documentos/programas/NICOLAS_MADURO.pdf

Henrique Capriles Radonski

ist seit 2008 Gouverneur des Bundesstaates Miranda und erneut Präsidentschaftskandidat der  Oppositionsparteien Venezuelas, die sich zum »Tisch der demokratischen Einheit« (MUD) zusammengeschlossen haben. Der 1972 geborene Rechtsanwalt gehörte zunächst der christdemokratischen COPEI an und ist heute aktiv in der Rechtspartei »Zuerst Gerechtigkeit« (PJ). Deren Gründung wurde einem Bericht des Fernsehsenders TeleSur zufolge im Jahr 2000 aus Mitteln des damals noch von Regierungsgegnern kontrollierten staatlichen Erdölkonzerns PDVSA finanziert. Aktiv unterstützt wird diese Partei unter anderem auch von der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung. Während des Putsches im April 2002, als der demokratisch gewählte Präsident Hugo Chávez kurzzeitig gestürzt wurde, war Capriles in der ersten Reihe an den Angriffen auf die kubanische Botschaft in Caracas beteiligt. Er erklärt heute , er habe damals schlichten wollen, was von den betroffenen Diplomaten jedoch bestritten wird.
Bereits bei der letzten Wahl am 7. Oktober 2012 war Capriles gegen den damaligen Amtsinhaber Hugo Chávez angetreten. Mit 44,31 Prozent der Stimmen unterlag er diesem deutlich. Auch diesmal gelten seine Chancen als noch schlechter, die Meinungsumfragen sehen ihn derzeit zwischen 30 und 35 Prozent der Stimmen und damit bis zu 22 Punkte hinter Maduro.
Homepage: www.hayuncamino.com
Wahlprogramm (in spanischer Sprache): http://www.cne.gob.ve/web/normativa_electoral/elecciones/2013/presidenciales/documentos/programas/HENRIQUE_CAPRILES.pdf

María Josefina Bolívar

Die 1975 geborene und derzeit in Maracaibo wohnende Rechtsanwältin tritt ebenfalls zum zweiten Mal bei einer Präsidentschaftswahl an, nachdem sie am 7. Oktober 2012 magere 0,04 Prozent der Stimmen erringen konnte. Sie ist Vorsitzende der erst im vergangenen Jahr registrierten »Vereinten Demokratischen Partei für den Frieden und die Freiheit« (PDUPL). Ihr zentrales Wahlversprechen ist eine Aufhebung der Währungskontrolle in Venezuela. Ihre Kampagne muß sie bescheiden bestreiten: »Ich habe kein Flugzeug und kenne auch niemanden, der mir eines leiht«, sagte sie dem Fernsehsender Globovisión, »aber ich freue mich, in meinem Auto durch alle Ortschaften des Landes zu fahren.«
Homepage: www.mariabolivarpresidenta12.jimdo.com
Wahlprogramm (in spanischer Sprache): http://www.cne.gob.ve/web/normativa_electoral/elecciones/2013/presidenciales/documentos/programas/MARIA_BOLIVAR.pdf

Eusebio Méndez

geht für die religiöse Kleinpartei NUVIPA (Neue Vision für mein Land) ins Rennen. Zentrale Forderung seines Wahlprogramms ist eine Gleichbehandlung von »katholischer und christlicher Kirche« durch den venezolanischen Staat. Zur Lösung der weltlichen Probleme fordert er eine Verdoppelung der Zahl von Polizisten und Staatsanwälte.
Homepage: www.nuvipa.com
Wahlprogramm (in spanischer Sprache): http://www.cne.gob.ve/web/normativa_electoral/elecciones/2013/presidenciales/documentos/programas/EUSEBIO_MENDEZ.pdf

Julio Mora

hat den Wählern wenig zu sagen. Sein Programm umfaßt gerade einmal eine halbe Seite, auf der er sich für »Stabilität, Entwicklung und Wohlstand« ausspricht. Er tritt für die Partei »Demokratische Einheit« (Unidad Democrática) an, die bei den Wahlen im Oktober 2012 zunächst Capriles unterstützt hatte, dann aber in letzter Minute zu Reina Sequera umgeschwenkt war. Für diesen Schlingerkurs wurde die Partei mit 0,44 Prozent der abgegebenen Stimmen belohnt, wobei einige davon das Ergebnis einer Verwechslung mit der Bündnisliste der Opposition, dem »Tisch der demokratischen Einheit« (MUD) gewesen sein dürften. Weil von ihm praktisch nichts bekannt ist – eine Homepage oder öffentliche Auftritte gibt es nicht – gilt Mora in den venezolanischen Medien bereits als der »Gespensterkandidat«.
Homepage: Keine
Wahlprogramm (in spanischer Sprache): http://www.cne.gob.ve/web/normativa_electoral/elecciones/2013/presidenciales/documentos/programas/JULIO_MORA.pdf

Reina María Sequera

geht wieder für die Partei »Arbeitermacht« (Poder Laboral), deren Generalsekretärin sie ist, ins Rennen. Die 1963 geborene Erziehungswissenschaftlerin ist seit Jahren aktiv in der venezolanischen Arbeiterbewegung und kandidierte 2001 bei den internen Gewerkschaftswahlen der CTV erfolglos für deren Vorsitz. Nominiert wurde sie damals von einem Minderheitsflügel der Bolivarischen Arbeiterfront (FTB-200). 2010 wurde sie von einer Reihe linker, aber in Opposition zum bolivarischen Lager stehenden Parteien in einem Wahlbezirk der Hauptstadt Caracas als Kandidatin für die Nationalversammlung nominiert, erreichte jedoch nur 0,6 Prozent der Stimmen. Schon 2005 hatte sie auf dem Ticket ihrer Partei für das Andenparlament kandidiert, aber landesweit nur gut 2300 Stimmen (0,0 Prozent) erreicht. Etwas erfolgreicher war sie bei der letzten Präsidentschaftswahl am 7. Oktober 2012, als sie auf 0,47 Prozent der Stimmen kam und damit auf den dritten Platz hinter den beiden Hauptkontrahenten Chávez und Capriles kam.
Homepage: https://www.facebook.com/reina.sequera
Wahlprogramm (in spanischer Sprache): http://www.cne.gob.ve/web/normativa_electoral/elecciones/2013/presidenciales/documentos/programas/REINA_SEQUERA.pdf

Fredy Tabarquino

tritt mit einem Programm an, das auf den ersten Blick auch von Nicolás Maduro stammen könnte. Er beruft sich auf die bolivarische Verfassung, fordert den Ausbau der Volksmacht und der basisdemokratisch organisierten Kommunen sowie eine zentrale Wirtschaftsplanung. In einem Interview nach Bekanntgabe seiner Kandidatur erklärte er deshalb auch, seine Partei JOVEN (Organisierte Jugend Venezuelas) verstehe sich nicht als Opposition zur Regierung, wolle jedoch den Wählern eine weitere Option bieten.
Einer breiteren Öffentlichkeit Venezuelas wurde der Universitätsdozent 2004 bekannt, als er am Sturz der Kolumbus-Statue in Caracas beteiligt war. Mit dieser Aktion am 12. Oktober jenes Jahres, dem Jahrestag der »Entdeckung Amerikas«, wollten die Aktivisten gegen die durch das Denkmal symbolisierte Verherrlichung der Ausrottung der Indígenas durch die spanischen Kolonialherren protestieren.
Homepage: keine
Wahlprogramm (in spanischer Sprache): http://www.cne.gob.ve/web/normativa_electoral/elecciones/2013/presidenciales/documentos/programas/FREDY_TABARQUINO.pdf

Das junge Welt-Sommerabo

Lesen Sie drei Monate die gedruckte Ausgabe der Tageszeitung junge Welt! Das Abo kostet 62 Euro statt 115,20 Euro und endet automatisch, muss also nicht abbestellt werden. Dazu erhalten Sie das Buch »Marx to go« aus dem Verlag Neues Leben. Dieses Angebot ist nur bestellbar bis 24. September 2018.


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen: