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06.11.2010, 10:31:53 / Castorproteste 2010

Castor-Zug am frühen Nachmittag in der BRD

Caen/Osnabrück. Der Castor-Transport mit hoch radioaktivem Atommüll hat in der Nacht zum Samstag seine Fahrt in Richtung deutscher Grenze fortgesetzt. Nach einer dreistündigen Blockade durch Atomkraftgegner bei Caen im Norden Frankreichs änderte der Zug mit elf Atommüll-Behältern seine Route, wie das französische Netzwerk für Atomausstieg Sortir du Nucléaire mitteilte. Damit sei ein Teil der Verspätung wieder eingeholt worden. Vor allem habe der französische Atomkonzern Areva, der die Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague betreibt, etwaige andere Aktionen verhindern wollen.

Den Angaben der Atomkraftgegner zufolge rollte der Castor am frühen Samstag morgen weiter in Richtung Osten. Gegen 07.30 Uhr verließ er, begleitet von einem Hubschrauber, die lothringische Ortschaft Bar-le-Duc. Wo der Zug die Grenze passieren sollten, war am Morgen noch unklar. Nach Informationen von Sortir du Nucléaire ist es wahrscheinlich, daß der Transport wie in den Vorjahren bei Lauterbourg im Nordelsaß über die Grenze fährt. Dort dürfte er am frühen Nachmittag eintreffen.

Auf der deutschen Seite der Grenze wurde die Zugstrecke weiträumig mit Stacheldraht gesichert, wie ein Sprecher der Gruppe »Castor-Südblockade« mitteilte. In dem rheinland-pfälzischen Dörfchen Berg, das knapp drei Kilometer von Lauterbourg entfernt ist, ist am Samstagvormittag eine Kundgebung geplant. »Castor-Südblockade« rief außerdem zu Blockaden auf. Angesichts der starken Polizeipräsenz und der Absperrungen werde es schwierig werden, bis an die Gleise zu kommen, sagte ein Sprecher der Gruppe.

Der Castor mit hoch radioaktivem Atommüll war am Freitag vom Verladebahnhof Valognes in Nordfrankreich zum deutschen Zwischenlager Gorleben gestartet, wo er am Sonntag erwartet wird. Er transportiert Atommüll, der in der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague aufbereitet wurde. Der Zug sollte nach ursprünglicher Planung am Samstagmittag die deutsche Grenze erreichen und dann nach Norden in Richtung Gorleben rollen.

Der niedersächsische Verfassungsschutz versuchte unterdessen,verbal die Lage zu eskalieren. »Wir gehen davon aus, daß einige hundert gewaltbereite Autonome die Castor-Proteste für ihre Zwecke mißbrauchen wollen», sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Werner Wargel der »Neuen Osnabrücker Zeitung« vom Samstag. Erwartet würden etwa doppelt so viele »Linksradikale« wie beim Transport 2008. Dieser harte Kern der Linksextremisten sei aber nur eines der Probleme. »Hinzu kommen weitere, zum Teil linksextremistische Gruppen, die offensichtlich eine hohe Bereitschaft zu Straftaten haben«, erklärte Wargel. Dies bedeute für die Sicherheitskräfte »eine deutlich brisantere
Mischung als bei vergangenen Transporten«.
(AFP/jW)

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