14.03.2018, 14:46:45 / #wsf2018

Calgary presente!

Von Peter Steiniger
Politisch steht Taruneek Kapoor links. Das Weltsozialforum in Salvador ist für sie ein interessanter Lernort

Die junge Frau wirkt etwas verloren. Am Wegesrand vor dem Eingang zum Campus der Universität sitzend, rätselt sie offenbar darüber, von wo welcher Bus wohin gehen könnte. Gut, dass es die junge Welt gibt. Wir stellen fest, dass wir dasselbe Ziel haben, und gemeinsam finden wir die Lösung des Transportproblems. Ich erfahre, dass sie mit einer ganz kleinen Gruppe aus Calgary in Kanada nach Brasilien gekommen ist, um das Weltsozialforum zu erleben. Bereits am kommenden Sonntag geht es wieder zurück in den Norden.

Während uns das betagte Fahrzeug durchschüttelt, plaudern wir weiter. Taruneek Kapoor (23) macht gerade ihren Master in politischer Wissenschaft. Am Fahrtziel angekommen, gibt sie mir ein kurzes Interview. Für das Foto dazu legt sie ihre Sticker an und prüft noch mal ihr Äußeres. Dann kann es losgehen. Im Studium beschäftige sie sich gerade mit Frauen in feministischen Bewegungen und mit linkem Aktivismus, berichtet sie. Daher habe es für sie nahegelegen, sich ein Bild davon zu machen, was auf dem WSF los sei. An einigen der Workshops dort möchte sie teilnehmen, um ihr Wissen zu vertiefen. Die Angebote findet Taruneek spannend. Vom Forum erwartet sie eine Auseinandersetzung mit Neoliberalismus wie Kapitalismus.

Das Weltsozialforum brauche mehr Selbstkritik, findet Taruneek. In den vergangenen Jahren sei es wohl ziemlich desorganisiert gewesen. Auch müsse es die große Gefahr ernster nehmen, dass analog zu Frankreich rechte Themen auf links gewendet werden. Sich selbst bezeichnet sie als Neomarxistin und sozialistische Feministin. Ob sie am Weltsozialforum vor zwei Jahren vor der eigenen Haustür auch teilgenommen habe, möchte ich wissen. 2016 tagte das WSF in Montreal in der kanadischen Provinz Quebec. Nein, sagt sie. »Ich habe es nicht mal bemerkt.« Das sei noch vor ihrer Beschäftigung mit Politik gewesen, und die großen Medien in Kanada hätten das Ereignis weitgehend übergangen.

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