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Aus: Blende 2015, Beilage der jW vom 18.11.2015

Heitere Überraschung

Der Weinjahrgang 2015 soll zu den besten gehören. Für die »Blende 2015« steht dieses Prädikat schon fest
Von Arnold Schölzel
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Klar, jeder »Blende«-Jahrgang ist anders. Jeder ist besonders. Die Frage für den Betrachter der preisgekrönten Fotografien lautet jedoch: Lässt sich das Besondere in Worte fassen? Für die »Blende 2015« lautet die Antwort schlicht ja. Das betrifft bereits den Umfang der Einsendungen: 474 von 115 Teilnehmenden waren es, davon 130 von Jugendlichen unter 18 Jahren und darunter wiederum die einer ganzen schulischen Arbeitsgemeinschaft, was es noch nie gab. Die Teilnehmerzahl liegt jedenfalls weit über dem Durchschnitt. 56 Fotografinnen waren dabei und 59 Fotografen, jedes Bundesland außer dem Saarland war vertreten, außerdem Polen, Österreich und Schweden. Der jüngste Einsender war zwölf Jahre alt, der älteste 86.

Ja, es ist ein besonderer Jahrgang, was auch für die Qualität der Arbeiten gilt, die von der jW-Jury als beste ausgewählt wurden. Sie sprechen für die bildnerische Auffassungsgabe der Preisträger.

Wie könnte man die Ergebnisse der »Blende 2015« charakterisieren? Ein Vorschlag für eine Überschrift zu dem, was auf den Fotografien stattfindet, die auf den folgenden Seiten und ab Freitag in der jW-Ladengalerie zu sehen sind, könnte lauten: Überraschung und Heiterkeit. Wer mit einem Thema wie »Zahn der Zeit – Ästhetik des Verfalls«, das zunächst die Zahl der möglichen Bildobjekte klein zu halten scheint, so unterschiedlich, aber gleich meisterhaft umgeht wie die Gewinner, der kann einfach was. Da ist Berührendes gelungen wie bei »Rückblick«, Komisches wie auf »Skulpturen Re-Enactment« oder Hintergründiges wie mit der »Balkonszene in Catania auf Sizilien«. Manche Bilder, heißt es oft phrasenhaft, könnten eine ganze Geschichte erzählen – hier trifft es zu. Zumindest verleitet die Ästhetik dieser Aufnahmen dazu. Vielleicht ist das das Höchste, was von einem Bild gesagt werden kann.

Gleiches gilt für die preisgekrönten Arbeiten zu den anderen Themen. Die Vorgaben ließen reichlich Spielraum, nicht vorhersehbar war, wie wunderbar spielerisch der genutzt wurde. Auf das lustige »Luftholen im Schaalsee« als Lieblingsort muss erst mal einer kommen. Kein Zufall ist, dass beim »Schnappschuss« Spaß, Freude an Jux und Bewegung, dass vor allem Kinder und junge Leute zu sehen sind. Und die Vielfalt der Bildmotive bei »Licht und Schatten« macht schon Staunen – von brutal wie auf der Berliner Demonstration über die Stadtrand-»Idylle« im kroatischen Split bis zur Genreaufnahme der atemberaubenden Douro-Brücke in Porto, dem »liegenden Eiffelturm«.

Der Weinjahrgang 2015, hieß es neulich, habe Chancen, zu den besten zu gehören. Welchen Zusammenhang es zwischen Traubensaft und Fotowettbewerben gibt, ist nicht geklärt – fest steht: Diese »Blende« gehört zu den besten.

Ausstellungseröffnung und Preisverleihung: Freitag, 20. November, ab 19 Uhr, jW-Ladengalerie, Torstr. 6, 10119 Berlin

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