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Aus: Alternatives Reisen, Beilage der jW vom 05.03.2014

Haben und Sein

Umgrenzte Freiheit: Auch beim Reisen regiert das Geld. Anregungen zur praktischen Weltanschauung
Von Peter Steiniger
Strandbarriere: Auf der Sonnenseite am Imperial Beach in Kalifor
Strandbarriere: Auf der Sonnenseite am Imperial Beach in Kalifornien, USA. Dahinter liegt Tijuana, Mexiko

Mit zwei Dollar am Tag kommt Frau oder Mann nicht gerade weit. Nicht mit dem, was das Lebensnotwendige ausmacht. Und schon gar nicht schafft man es damit an ferne Orte. Hinter dem Horizont geht’s nicht weiter. Die mühselige Reise durchs Leben selbst findet bestenfalls in der »Holzklasse« statt. Fast die Hälfte der sieben Milliarden Menschen muß mit weniger als diesen zwei Dollar auskommen, mehr als eine Milliarde Menschen auf der Welt haben statistisch sogar weniger als 1,25 Dollar pro Tag zum Leben. Für sie ist die Kategorie »extreme Armut« reserviert. Hunger und Krankheit sind in diesem Ticket inklusive.

Nach den zur Jahrtausendwende vereinbarten Millennium-Entwicklungszielen der Vereinten Nationen soll die Hälfte der in solch absoluter Armut lebenden Menschen bis 2015 ein Upgrade gegenüber der Situation im Jahr 1990 erhalten. Tatsächlich konnte nach Erhebungen der Weltbank der prozentuale Anteil extrem Armer deutlich gesenkt werden. Vor allem dank der Entwicklung in Ländern wie China und Brasilien, wo größere Teile der Bevölkerung einen Aufstieg bis in die untere Mittelschicht unternehmen konnten. Der macht den Blick über den Tellerrand erst möglich, und ist ein großartiger Animateur für die regionalen Reisemärkte. Ganz anders sieht die Leistungsbilanz der Armutsbekämpfung ohne diese Best-Practice-Beispiele bei wachsender Weltbevölkerung in absoluten Zahlen sowie an anderen Millenniumsdestinationen wie den afrikanischen Staaten südlich der Sahara aus. Und überall gilt: Die Einkommen entwickeln sich »asymetrisch« – der Turbo ist angeworfen beim Tempo, mit dem sich die Reichen von den Armen entfernen.

Wie reich ein Leben tatsächlich ist, läßt sich nicht in Zahlen fassen. Doch dort, wo die Würde des Menschen handelbar ist, wo Bildung, Soziales und Kultur nur ein Tauschwert sind, ist Geld fast alles. Und zuverlässig öffnet es die Tore in die sogenannte Erste Welt, die ohne dies oder den »richtigen« Ausweis in der Tasche unerreichbar bleibt. Denn gut bewacht sind die Ressorts von Wohlstand und Wellness, des »Wachstums« und des schrankenlosen Konsums. Während sich auf den Luxuslinern voller Großzügigkeit und Weite Show an Show reiht, sie mit dem schönsten Lächeln durch beeindruckende Landschaften und zu pulsierenden Metropolen dampfen, schippern auf demselben Meer auch die Jäger des Frontex-Grenzschutzes und die Schaluppen mit afrikanischen Flüchtlingen, welche ihr Leben für das Glück in der Fremde riskieren. Kontraste, die Sinnbild für einen Kurs sind, der aufs Riff führen muß. Auch dafür, daß man sich auf unsere »Kapitäne« nicht verlassen sollte.

Tourismus ist nicht nur Erholung, Abenteuer und schöner Schein, sondern fast überall ein bedeutender, wachsender Wirtschaftsfaktor. Um faire Arbeitsbedingungen wird ebenso gerungen wie um das Verhältnis von Mensch und Umwelt.

Reisen ist eine luxuriöse Freiheit in einer geteilten Welt. Erholung ein Recht, das vielen vorenthalten wird. Es ist schön, daran teilhaben zu können. Es macht alle reicher, wenn Menschen sich wirklich begegnen. Wer verantwortungsvoll, solidarisch und vernünftig reist, leistet Hilfe zur Entwicklung, nicht zuletzt der eigenen Persönlichkeit. Unsere Autoren möchten Anregungen geben zu einem Reisen, das den Blick weitet.

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Halt! An den Schranken von Machtbereichen werden aus Bürgern wieder Untertanen. Mit den sichtbaren Teilungen unserer Welt gestern und heute durch befestigte und bewachte Grenzen beschäftigen sich die Fotos dieser Beilage.

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